Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 7 (20.2.1920)
- Date
- 1920-02-20
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 90 Dr. Blocks Wochenschrift Nrl j Napoleon I. über die Arbeit der Jaden am Sonntage. Angesichts der geradezu verhängnisvollen Folgen, welche das Gesetz über die Sonntagsruhe für die Juden in Polen mit sich bringt, welche dadurch zwei Tage in der Woche in ihrem Erwerb gestört' sind, erinnern wir an einen Erlaß' des Kaisers Napoleon I. San Minister Portalis; voniJahre, 1807,, der folgendermaßen lautete: „Es ist dem göttlichen Recht zuwider, dem Juden, der Sonntags, sowohl wie an den gewöhnlichen! Wochentagen Bedürfnisse hat, zu verbieten, am Sonntage zu arbeiten, um sein Brod zu verdienen. Das Gouvernement könnte ein solches Gesetz nur dann erlassen, wenn es denen umsonst Brod gibt, welche kein’s haben; Polizei und Regierung haben daher hierüber nichts zu bestimmen. Selbst die heiligen Väter schrieben am Sonntage nur den Menschen Ruhe vor, welche im Wohlstände leben, oder die so viel von ihrer Wochenarbeit erübrigen, daß sie den Sonntag müßig zubringen können. Daher auch der Brauch in allen christlichen Ländern, daß man mit der Erlaubnis des Bischofs oder Pfarrers am Sonntage arbeiten durfte. Warum, sollten dies die Juden nicht dürfen? Gehört... etwa dem Bischof, der die Juden haßt,, oder dem Magistrat, der die Juden nicht liebte das Recht, diese Erlaubnis zu gehen? Man hüte sich wohl, in die Notwendigkeit zu geraten, eines guten Tages Gendarmen zu gebrauchen, ton den Juden, die zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes der Arbeit bedürfen, an der Sonntagsarbeit zu hindern. In beiden Fällen zeigt die Behörde Aberglauben, sei er politisch, sei er religiös. Gott hat den Juden! die Verpflichtung zur Arbeit auferlegt, weil er nicht Lugegehen hat, daß sie auch nur eine Frucht der, Erde, ohne Arbeit genießen. Die Vorschriften des Klerus sind zu trennen: in wahrhaft religiöse Gesetze, Und in Pflichten, welche nur auferlegt wurden, die Herrschaft der Geistlichkeit zu erweitern. Herr Portalis aber sehe sich ja vor, wenn diese Konzession einmal zugestanden wäre, so würde map sehr bald neue verlangen. Ist das Gouvernement erst einmal in Angelegenheiten interveniert, die außer seinem Wirkungskreise liegen, so wird man uns! bald zu der unglückseligen Zeit der Ablaßbriefe und der elenden Epoche zurückführen, wo der Pfaffe das Recht zu haben glaubte, den Juden verbrennen zu lassen, — den Bürger zu mißhandeln, der nicht zur Messe kommt. Die Macht der Geistlichen beruht in der Predigt, — sie sollen endlich einmal Friede über die hart verfolgten Juden bringen. So lange ich aber lebe, 'sollen in Frankreich Polizei und Gefängnis niemals die Mittel sein, Andersgläubige zu tyrannisieren,'’ i— es gibt in der Mitte der christlichen Kirche genug der Verirrten; die suche der- Geist- Rehe zur Ausübung der Religion zurückzuführen. Die ohnehin geschmälerten Rechte der Juden noch mehr zu schmälern, ist Pfaffer$osheit und die ist in (Frankreich zu Ende. , Ostende, 25. Dezember 1807. ' : Napoleon.“ Anthropologie der Jaden» 'Zur Rassengeschichte und Rassenstellung der Juden wird von dem Basler Anthropologen und Ana;- tomieprofessor J. Kollmann im 48. Band des „Korrespondenzblattes der deutschen Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte“ ein interessanter Beitrag veröffentlicht, mit dem freilich das letzte Wort in dieser Frage kaum gesprochen sein dürfte. Zwei Ansichten stehen * sich in« der wissenschaftlichen Literatur gegenüber. Auf der e'nen Seite sieht mm die) Juden als eine durchaus selbständige reine Hauptrasse des weißhäutigen Menschentyps1 an, die trotz Ausbreitung über die ganze Erde ihre genetische Konstitutionsform sich unversehrt bewahrt und alle spelzifischen Merlanale der Urväter zähe erhalten hat. Auf der andern Seite wird die Meinung vertreten, daß! im jüdischen Volke verschiedenartige Rassenelemente vereinigt seien; man sagt, die heutigen Juden seien] zusammengesetzt aus arischen Amoritem, wirklichen! Semiten, Armen'ern und den Nachkommen der altenl Hethiter. Daneben werden mitunter noch unwesentlichere Beimengungen angenommen. Kollmann kann sich, obgleich er die genetische] Geschlossenheit der jüdischen Form durchaus anerkennt, für keine dieser Ansichten erwärmen.. Auf bestimmte anthropologische Daten sich stützend, diel er vorlegt, erblickt er in den europäischen Juden die Nachkommen einer Unterrasse, die heim Auseinanderfall des weißhäutigen Menschentyps als selbständiger Ableger entstanden ist. Allerdings hebt er ausdrücklich hervor (und widmet sogar den Hauptteil seiner Abhandlungen diesem Punkt), daß innerhalb dieser Unterrasse nicht eine einzige anthropologische! Form, sondern mehrere existieren. Es sei ja für den Forscher außerordentlich schwer, sich genügend großes Skelettmaterial zu verschaffen, „weil die Juden alle Anstrengungen machen, ihre Angehörigen in den Friedhöfen sorgfältig zu begraben“ und später niemand über die Reste zulassen. Immerhin lassen; annähernd 4000 Messungen keinen Zweifel darüber, daß Langt, Mittel- und Kurzschädel unter den. heutigen Juden vorhanden sind, . mögen sie nun in Mesopotamien, Rußland oder Westeuropa wohnen1. Ebenso wie verschiedene Schädelformen kommen] Tauch verschiedene Gesichtsformen vor, und zwar zwei. Einmal hat man Schmalgesichter, sie besitzen! ein hohes, schmales Antlitz mit gebogener,, oft j stark* gekrümmter Nase und leicht geschwellten Lippen. Man kennt diesen Typus schon von den assyrischen Denkmälern' und dem Moses des Michel' Angelo her. Zweitens gibt es' Breitgesichter. Ih!r Hauptmerkmal ist die (an der! Wurzel breite, am Rücken' eingehogene, an der Spitze abermals verbreiterte Nase. Lebende Vertreter dieser zweiten Gesichtsform! sind ebenso häufig zu finden,' wie solche der ersten,- auch ihre Mischlinge .sind zahlreich. Endlich kommt Unter den heutigen Juden Vorderasiens und Europas! ein .brünetter und ein blonder Typ vor, von denen jeder bald mit Kurzschädeligkeit, bald mit Langschädeligkeit, bald mit Breitgesichtigkeit, bald mit Schmalgesichtigkeit oder einer Mischform dieser Physiognomien einhergeht. Der brünette Typus hat . dunkle Haut, dunkle Haare und dunkle Augen. Kollmann ist der Ansicht, daß er sich wahrschein'ich schon früher von der Hauptmasse der Ursemiten abgezweigt und in Verbindung mit den übrigen mittelmeerländischen Völkerformen der weißen Rasse an den Ufern] des Mittelmeers entwickelt hat* um cjginch W.^dsrun