Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 6 (13.2.1920)
- Date
- 1920-02-13
- Page
- Seite 86 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 86 Hy. tziysir'H 8r. ß wsrkwünhgen Erztafel in derUniversitätS'-Bibliothtek' zu Oxford. Die Inschrift, die ihren, historisChten Wert nie einbüßen wird, lautet: „Swastri Sri, der König; der Könige, lia,! er verordnet i von Jussuf Rabban und seinem, Volke erhalten wir den Tribut der unserer Hoheit gebühiren-- den Treue und Ehrfurcht und der uns; zukommenden üblichen Geschenke. Wir. gewähren ihnen daher die, Vorrechte: Fünf verschiedene Farben zu tragen; am, Tage Lampen zu gebrauchen,, lange Gewänder zu tragen; der Sänften, Schirme, kupfernen Gefäße, .Trommeln und Ktänze an ihrem Körper sich zu bedienen, wie auch Kränze an ihren Straßen anmbringjen. Alle Taxen und 'Gebühren haben wir für, sie Sowohl, wie für ihre -Wohnungen lund Bethäuser erlassen. Diese Vorrechte sollen fünf (Geschlechter, nämlich Jussnf Rabban und seine, Nachfolger in gerader Linie, seine männlichen und weiblichen Kinder, seine. Enkel von seinen Söhnen und Töchtern, als erbliches Gut genießen, so lange die Erd© und der Mond dauern. -Unterzeichnet Swastri Sri und anher© Fürsten.“ Die letzten. Schlußsätze übertreffen womöglich den übrigen Inhalt dieser Staatsschrift an Dunkelheit und Unverständlichkeit! Möglich, daß auch.zu jejner Zeit die Unverständlichkeit als1 Hauptvorzug wichtiger Staatsschriften galt. Der jüdisch-indische. Staat hatte trotz der schriftlichen Garantie des' „Königs der Könige“ doch nicht die Dauer der Erde und des Mondes, .doch kann dessen Existenz nach Jahrhunderten berechnet werden, denn, Jussuf .Rabban soll nicht weniger als 72 Nachfolger gehabt haben, .die den jüdisch-indsehen Staat mit nur wenig beschränk-, ter Selbständigkeit regierten. Wie mit Recht vermutet werden kann, haben die jüdischen Ankömmlinge in Indien, gleich ihren Glaubens- und Schicksalsgenossen in, Arabien, in ihrer heuen Heimat bereits jüdische Kolonisten vorgefunden, 'die etwa um , das Jahr 231 von .Persien nach Indien eingewandert, zu welcher Zeit auch in China jüdische Familien sich niedergelassen haben sollen. Die Juden Ost indiens1 bestehen tatsächlich auch heute noch aus zwei Klassen oder Rassen. Diese unterscheiden sich durch Hautfarbe, Gesichtszüge, Gesittung und andere Eigentümlichkeiten so sehr von einander, daß man sie kaum für die Löhne eines1 Und desselben Stammes erkennen kann. 'An der Küste von Mafabar, in dem benachbarten Binnenlande, wie huch anf der Insel Ceylon gibt es Juden mit weißer Haufarbe, die als von Jerusalem herrührend sich betrachten. In gleicher Weise gibt esin den erwähnten' Gegenden Juden mit schwarzer Hautfarbe, die sich vion der übrigen Bevölkerung äußerlich durch nichts Unterscheiden. Diese Letzteren sind gewiß« die älteren jüdischen Einwohner Ost-Indiens'. Sie sind in jeder Beziehung vernachlässigt, wissen sehr wenig von der Religion ihrer Väter und besitzen nur wenige Exemplare der heiligen Schrift, Von der mündlichen Lehie oder „Tradition*;, .wie von Ider Geschichte Israels haben sie keine Ahnung, Es ist nur höchst bedauerlich, daß infolge dieser Verschiedenheit an Hautfarbe, Gesittung, Bildung usw. die weißen Juden auf. ihre Glaubensgenossen von schwarzer Farbe mit 'Stolz Und Geringschätzung herabsehen, so daß zwischen, beiden Klassen keinerlei Gemeinschaft existiert. Allein ebeh diesem Mangel an innigen, Berührungspunkten zwischen den beiden Klassen ist es zunächst zuzuschreiben, daß der jüdisch-indische Staat, wenngleich vermutlich nach meJmbundertj übriger Dauer, ohne erhefelich^u Stoß von außen ii&tergegangen ist, E& eut- | standen nämlich Streitigkeiten unter der jüdische»? Bevölkerung. Eranganor wurde zerstört, der Rest ' siedelte sich Sodann in Mattachery an, welches! .eine Stunde von Cochin gelegen ist und wegen Seiner Bewohner den Namen judenstadt erhielt. Markwürdig hiebei ist, daß die weißen Juden Indiens, die, wie bereits. erwähnt sich „Jerusalemiten“ nennen, dbr Meinung .sind* daß ihre Vorfahren schon lange vor Jussuf Rabban, jnäihlich schon zur Zeit des in der Bibel erwähnten assyrischen Königs i Salmapas.ar direkt aus! Jerusalem nach Indien eingewandert sind. Sie glauben zu 'den „Zehn Stämmen“ zu gehören, (die von dem. erwähnten König . in Gefangenschaft geführt wurden. Sie glauben ferner, daß, das biblische Gosön. identisch ist mit dem Ganges.- Flusse, da der assyrische .Eroberer einen Teil der „Zehn Stämme“ nach Goson ^versetzt hatte. Auch die Sage von der[ Existenz des1 Wunderflusises Samba,tion oder Sabbation, der sechs Tages fließen und am siebenten ruhen soll.— hat sich bei ihnen lebhaft erhalten. Ihrer Abgabe nach befindet sich derselbe in der Nähe der indischen Stadt Cajicüt. .Indien hat durch seine jüdischen Kolonisten viel gewonnen. Durch ihre Hand ging, der indisch-arabische Handel mit indischen Erzeugnissen^ /Gewürzen und Edelsteinen. Durch sie haben Calicut und Cochin die Bedeutung von internationalen Handelsstädten er Dieser jüdische Staat hat in der Geschichte Israels keine Spuren seines einstigen Bastamtas zurückgelassen,. _: i > Der Streit mit Gott. ln einer Sitzung der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde in Basel hielt dieser Tage (Doktor 01 schwanger > einen lehrreichen Vortrag unter dem Titel „Der Streit mit Gott“, der interessante Streiflichter auf die Glaubenskämpfe der Juden .warf. Ausgehend von der bekannten Stelle des1 Alten Testaments, die erzählt, wie- Jakob mit Gott rang, und diesen schließlich zwang, ihm,steinen Segen zu geben, stellte der Vortragende aus den jüdischen Volkssagen und .Legenden Me die Züge zuslammen, die den Menschen im Streit mit Gott zeigen, Und zwar in einem Streit, worin auch etwa Gott , den Kürzeren zieht. Allerdings' haben die Juden früh schon jenen Kampf Jakobs sinnjbildlich aufgefaßt, , und in den Sagen (die teilweise aus dem Talmud stammen) handelt es sich auch!um geistige Kämpfe. . , . 1 (Wieso kam djas jüdische Vjolk; dazu, mit Gott rechten zu wollen? Es faßte die Wahrheit nicht als, Attribut Gottes auf, sondern es mußte sie zuerst suchen. Durch die Thora, „die Tochter Gottes“, hat er die Weisheit aber auch dem Menschen zugänglich gemacht, und da fauch Gott sich den von ihm' gegebenen Gesetzen 'unterwerfen muß«, so kann es! Vorkommen, daß, der Mensch sich Gott gegenüber jaüfr diese Gesetze beruft. Gott kennt selber seinen großen Zorn, der ihn etwa 'zur Absicht verleitet, sein aus« erwähltes Volk zu vernichten. Dann 'ist er selber ffroh, wenn ihm und dem Volk ein .Vermittler auf tritt wie Moses, der seinen Zorn zu besänftigen weiß,. Daher1 erzählt eine schöne Sage des Talmud, ..wie Gott selber es beklagt, daß, er Mostejs sterben lhfcß. Und Kain wagt «s, - Gott .Vorwürfe zu WMhten^