Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 6 (13.2.1920)
- Date
- 1920-02-13
- Page
- Seite 87 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3fr. v_ Ssir» 8? Abel nicht besser behütet/habe; cloixn, das wäre seine., Gottes, Aufgabe gewesen. Gott, ist verpflichtet, sei-, nem Volke gegenüber gerecht zu sein. Eine Anekdote aus Amerika, berichtet,. .daß, eine Gemeinde! bei anhaltender Dürre Gott ein Ultimatum, stellt: falls er hinnen einer .Woche nicht regnen lasse, werde niemand mehr zum Gehorsam gegen seine Gesetze verpflichtet sein. Oft wird die Tora hei Streitigkeiten mit Gott .angerufen und, gegen ihn. ausgespielt. Es kann .auch Vorkommen, daß, Gott überstimmt wirdA denn er ist nur Einer. -Er ist ferner verpflichtet,' dem Menschen hei seinem Streben zur Vollkommenheit zu helfen, tut er es nicht, so hat er .Vorwürfe zu gewärtigen wie von jenem! Toten, der ihn fragt, .oh er denn gegen sein Volk sich immer ehrlich verhalte. Es taucht sogar der Gedanke auf, wenn Gott selber Mensch gewesen wäre, würde er die Leiden der Menscnen besser verstehen. Dieses Rechten und Ringen mit Gott geschieht zwar in manchen Sagen und, Schwänken in einem Überraschend familiären und schalkhaften Ton; und doch tritt darin nach (die Frömmigkeit des Volkes Israel zutage, sein Bestreben,. die Einheit mit Gott zu erlangen. Literatur. „Dje Gemeinde der. Chassidim.“! Von Djr. jVI. Fried. Der bekannte Schriftsteller .Chajim Bloch, der erst vor kurzem die deutsche Literatur durch sein meisterhaft bearbeitetes1 Legendenbuch „Der Prager Golem“ bereicherte, hat uns; wieder ein großangeiegifces Buch über die Chassidim,*) ihre Lehre und ihr Leben geschenkt, ein Ruch, das keinesfalls blöd für den engen Kreis der Kabbajaliebhaber bestimmt ist, sondern im hohen Grade geeignet erscheint, bei dem großen Kreis der Gebildeten aller Stände Interesse zu wecken. . . i . Mir will es steheinen, . daßf eine allgemein verständliche iund dabei in die Tiefe gehende Darstellung .der Lehre Und des Lebens! der Chassidim, dieser schwärmerischen, theosophischen Juden im europäischen .Osten, die den alten jüdischen Mythos aus der Vergangenheit in die Gegenwart hinübertrugen, und unter welchen noch heute eine traute Volkstümlichkeit herrscht, in der gegenwärtigen Zeit besonders1 erwünscht ‘ kommt, weil uns Israel Baalschema „Besteht“, der Stifter des.,Chassidismus, gerade jetzt, wo d er sittliche Auf bau der durch, üen Weltkrieg moralisch zerrütteten Menschheit zu den dringendsten. Aufgaben gehört, besonders viel zu sagen hat, iWenn wir im ersten Teil'die von Bloch in der Geschichte des1 Chassidismus! eingeflochtenen Worte und Gedanken des Baalschem und,seiner ^Schüler richjtig. verstehen, und im zweiten Teil aus den von ihm m. packender Natürlichkeit, in prachtvoller, anschaulicher und im guten Sinne volkstümlicher Sprache beiarbeiteten Geschichten nicht bloß; künstlerischen Genuß, sondern auch innere Erbauung gewimicn, so werden* wir, die wir nicht zu den Chassidim. gerechnet sein wollen, aus diesem Buche Anregungen und Richtlinien erhalten, die für unsere eigene Stellungnahme zu den sittlichen, zu den. sozialen, LU den, erzieherischen Aufgaben der Gegenwart .wertvoll sind.. *) „Die Gemeinde der Chassidim, ihr Werden umd ihre Lehre, ihr Lehen und ihr Treiben,“ 2 Teile (152 Seiten), von Chajim Blech, Berlin 1920, B. Harz-Verlag. Heute, wo die sittliche! Zerrüttung uns alle als eins der erschreckendsten Wirkungen des Weltkrieges mit furchtbarer Deutlichkeit vor Augen gestellt wird, ist es unserer aller dringendste Aufgabe^. uns die Forderung des Chassidismus zu eigen zu. machen. Wir müssen darauf bedacht sein^t Unseren Kindern das alte jüdische Ideal Frömmigkeit, hie jüdische Sehnsucht, G ott [nahe!zu kommen* $A die .Seele [zu; pflanzen. Chajim Bloch ist ein verständnisvoller (Dolmetsch des chassidischen Wortes, ein kundiger Führer durch das fast Anderthalbjahrhundert alte chassidisch» Schrifttum. Es hat eigentlich' an ausführlichen Darstellungen von den Grundsätzen der Chassidim auch bisher nicht gefehlt. Berdytstehewsky und Buber haben uns den Chassidismus in, umfassenden Bearbeitungen vorgeführt. Eine kaum übersehbare Anzahl von Aufsätzen in russischen, hebräischen und deutschen Zeitschriften hat sich mit dem Baalschem und der von ihm ins Leben gerufenen „Sekte“ beschäftigt und den Versuch unternommen, die schönen Gedanken der chassidischen Legende herauszuschälen und sie in poetische Gewänder zu hüllen. Aber man empfand immer beim Lesen derselben ein Unbehagen, inan'wußte oftmals selber nicht, woran es lag. Ganz, einfache Gedanken wurden in seltsam komplizierter § ['Form ausgedrückt und machten durch eine verschaör- | |keUe Wortbildung das .Verständnis schwierig. Auf viel klarerer Grundlage beruht die Arbeit Chajim Bloehs, der das geistige Leben der Chassidim bis in die kleinsten Einzelheiten so genau kennt, und jso klar schildert wie kein zweiter, er spricht ihre Sprache, erzählt Selbstempfundenes — gehört er doch selber zur Gemeinde der Chassidim und durch sein vorliegendes Buch treten uns die über-, ragenden Persönlichkeiten des Chassidismus! in ihre für das Judentum historischen. Bedeutung, in voller Lebendigkeit entgegen. ,Wenn wir die Gedanken des Chassidismus in diesem Buche verfolgen, so ließen sich viele Punkte hervorhejhea, die für die ganze Menschheit besonders in der gegenwärtigen Zeit außerordentlich wertvoll sind. Das letzte und höchste Ziel ist die Liebe zu Gott und zu demfin, 'seinem Rbenbilde geschaffenen Menschen. Der zweite Teil des Buches enthält eine große Anzahl chassidischer Geschichten. Hier, finden wir nicht die armen gekünstelten „Helden“, die wir in den Masken jener von ihren Dichtern, beseelten Gestalten heruSmhüpfen sehen. Hier ist Erlebtes, Geschehenes. Und aus.jeder Geschichte, die Bloch so übergibt, wie sie im Volksmunde lebt, ergießt sich die mächtige jüdische Hoffnung, die grenzenlose jüdische Sehnsucht, der feste jüdische Wille und sie zeigen die jüdische .Volksart in ihrem ganzen geistigen Adel, in ihrer vollkommenen menschlichen Reinheit. Hier kommt das Wort zuk Geltung: „Wer reich ist, spart!“ Bloch, aus dessen Kehle die Kabbalisten Iund die Zadikim sprechen, ist zwar in Worten sehr sparsam, aber aus jedem Wort Sprühen herrliche Gedanken, wahrhafte Ethik, Tugend und Moral. Man nannte einmal die Chassidim, weil sie sich auf die Schrift verlegen und ans den dunkeln Buchstaben Licht schlagen, Textdreher und Buchstaben? anbeter. Wer Blechs Buch lesen wird, der wird zügeben müssen, daß man ihnen nur Unrecht tat» und dies aus .dem .einzigen Grunde, weil wir, die ,wii> ganz im Europäertum stecken, das chassidischa Schrifttum in seinem Urtexte nicht verstehen können Ergreifend ist das Vorwort deS. Autors, di» 3-ßbildörimg, wie er m» Schaffung^dieöwä dßM