Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 66 (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 66 Bfr ßtocffs WtfcfreiracffrfTt Mr. i lieh Glück'stmann, Ignatz Schnitzer, Liadis'Tausf Ne-agebauer, Heinrich ^Körvath!, des Btokbanusübfersetz. zersi Josef Ves'zi, dessen Uebersetz'ung auf der Berliner Bühne des' Juden Reinhardt dem' Publiken einen Einblick' In die Schätze der ungarischen Dramenliteratur gewährte. Bedarf es! einer bessern Anführung der antisemitischen Beschuldigungen der Vaterlandslosigkeit der ungarischen Juden, als! diese bei weitem noch nicht vollständige Liste ungarisch* jüdischer Uebersetzer? Gemeindetag in Litauen. Am 5. Jänner fand |in Ko wno die feierliche Exöffnungissitzung des' e r s t e n 1 i t a u i s c! h j ü d i ~ slchen Gemeindetages' durch den Minister für jüdische Angelegenheiten 'Dr. Solo Weit s'c'h-ik! sltatt. Es: waren 78 Gemeinden durch' 139 Delegierte anwesend. Zahlreiche Gäs'te wohnten außerdem den Verhandlungen bei. Der Ministerpräsident G: a 1W a n o w s k i und ' der Außenminister W o 1 d e - mar begrüßten die Versammlung und drückten ihr den festen Willen der litauischen Regierung aus1,, auf den Grundlagen der njaitionalen Autonomie weiter zu bauen. Sie wünschten den Arbeiten der Tagung1 reichen Erfolg. Dann!s!prach' der englische Major de Beaumont, der die Konferenz mit warmen Worten "begrüßte und ihr fruchtbare ArBjeit wünschte. In den Verhandlungen besprach zunächst der jüdische Minister Dr. SoloWeits'chik die antjL jüdische Politik''der Beamten in der. Provinz, gegen die energisch protestiert werden müs'se. Landau, Poniwisch, verliest eine Resolution der Fraktion der ,'Demokratis;chen Intelligenz und "Handwerker", die dem jüdischen Minister .'das' Vertrauen der Fraktion ausdrückt. Dann erhalt Herr Rabbiner Kahne, mann- Poniwies'c'h, der Führer der Orthodoxen, das1 Wort zu seinem Referate „über die Kehilla und ihre Aufgaben". Er führt ungefähr folgendes!, aus: Das Kehilloleben bei den Juden ist so alt wie dais' Golus alt ist. Nach Verlust unseres nationalen Zentrums in Palästina triat als1 Mittelpunkt die Ke- •hillo in Funktion ünc nationall wiar dies'e Kehillo schon zur Zeit des1 babylonischen Exilarchen. So oft die jüdische Gemeinde ihre Gestalt' geändert hat, behielt sie doch immer ihre innerliche Autonomie. Neu ist die Art, wie jetzt von gewisser Seite, die nationale Autonomie der Kehillo gedacht ist. Für die Reorganisation der Kehillo kommen jetzt drei Formen in Betracht. 1. die religiös-nationale; 2.-die weltliche und 3. die nationale Gemeinde, die religiöse Bedürfnisse befriedigt. Die Frage, ob reügöse Bedürfnisse befriedigt werden sollen oder nicht, ist recht eigentlich nichts1 anderes' als1 die alte Frage: Revolution oder Evolution? Die Besonnenen wollen dagegen die Evolution, d. h., sie wollen das1 religiöse Gefühl langsam und schmerzlos5, auf dem Wege mählicher Entwicklung töten, und de nennen darum ihr Programm: „Nationale Gemeinde unter Berücksichtigung-lund Befriedigung der religiösen Bedürfnisise." Mir scheint die letztere Art weit gefährlicher als die erste.. Im erstereii, Falle sieht man den Feind klar vor sich und man kann den Hieb wirksam parieren. In letzterem Falle glaubt man einen Freund vor sich zu haben und läßt alle nötigen Vorsiichts- und Abwehrmaßregeln außer Acht. Der Redner geht auf die Frage der Trennung von Stüat und Kirche ein und kommt zu dem Schluß, daß diese Frage'bei uns Juden vollkommen gegenstands'- los' sei. Unsere Thora ist keine Kirche und von , iih'serer Orthodoxie ist ietne Hierarchie oder Teo* kratie nicht zu befürchten Die Thora ist eine Lehre für das! Volk, für das! ganze Volk ohne Ausnahme und jseine Hüter und Lehrer bilden keinen Klerasj, islondem gehen mit dem Volke und arbeiten für däsf Volk. Im; Städtchen liegt die Sache so, daß die Intelligenz wie auch die Wohlhabenden sich' immer weiter vom Volke entfernen, während der eigentliche Mittelpunkt der Gemeinde der Rabbiner ist. Darum kann für uns nur die national-religiöse Gemeinde in 3etracht kommen. National oder religiös! ist sö' viel, als/ wollte man dem Kinde zum Leben verhelfen und und die Mutter dabei töten. Im Schulwesen wie bei der Palästina-Arbeit haben die liberalen vor. -uns. Orthodoxen nichts! z'u befürchten. Wenn wir für Freiheit in Palästina eintreten, sb. werden wir mit der gleichen Kraft wie gegen die roten Pässe der alten Türkei auch gegen die modernen blaluweißen Päsise ankämpfen. Unsere Hauptarbeit m'uß dahin! gehen, das heilige Land, soviel wie möglich mit tra,-. \ diiioneilen Juden zu besetzen. Und auch' dies! ist eine Aufgabe des! Kehillüsl Ebenso muß die kulturelle Arbeit wie die politischen Aufgaben in der Hand der Gemeinden liegen. Was' dlas' Steuerwesen betrifft, so kann' die Zwangs'Jteüer nur für die Groß- Istädte empfohlen werden. In den kleineren Gemein, den muß die Steuer eine freiwillige, auf der morali:! isc'hen Basfc der Zusammengehörigkeit bleiben. Aie-. I jsle«! läßt sich iaber nur dann durchführen, wenn die | Gemeinde ihren religiös^nationalen Charakter bei. s hält und das; Vertrauen der gesamten jüdischen Bevölkerung genießt. Auch' muß das' Matrik'elwes'en jsio geordnet werden, daß Heirats'- und Scheidungst akte nur mit Genehmigung des! Rabb'inates ausge-;, führt Werden dürfen. Als oberste Instanz für die'. Gemeinden gilt die Gemeindekonfe.renz', in der die jüdischen Volksmas'sen entsprechend vertreten sind/' Darauf ergreift der -Führer der zionistischen Fraktion, Dr. Ro s'enbaüho, dja|s Wort zu aeinem Referat über das: ThemU: „Der jüdische Nationalrat una seine Aufgäben,". , . ■ Er geht auf die Ausführungen Kahhemanns ein und erklärt, daß er „kein Feind der Rabbiner" tiei. Dann ergeht er sich in 'scharfen Angriffen gegen ^Frankfurt", das; seiner Ansicht n'aich aüs' dem Munde des Rabbiner Kalmemann spricht, wofo'ei er s;ich über die litauischen Rabbiner Listig macht, die gegen den „Frankfurter Klerikalisniusf' loszieht und heute in Politik machen . . . Rosienbaum erklärt sich! für absolute Gewissenfreiheit. Die Thora geht laiber bei ihm nicht bis' zum „Ghajei Odom", sondern er möchte nur die „leuchtenden Perlen" aus1 dem altjüdischen Geistes'schatz herausgeholt und gepflegt wissen. Dem religiös-nationalen Prinzip in der Ke*. hillo ständen Intelligenz und Arbeiterschaft entgegen. Ironisch bemerkte er: „Man gründe entweder. Lern-Chewraus*, denen wir inicht angehören wollen, oder man rufe 'solche autonome Gemeinden ins1 Le-, ben, .in denen. \vir uns' alle betätigen können." 'Man Iwürde es1 nicht isio weit kommen lassen, daß jetzt ^Frankfurt" in Litauen tunter dem früheren zionistischen Rufe: „Eroberung der Gemeinde" seinen { Einzug hält. Er spricht ferner von den Aufgaben der I Konferenz des' Nationälnatesl Die jüdische Selbst- | Verwaltung könnie sich! in den Gemeinden der Diäsi [ pora nur a'uf Kultus1, sozj} de Hilfe und K!ulturarbeit I erstrecken. Was'den jüdischen Minister betrifft,. sK> | rnüsjse dieser Stimme im Kabinette haben, um die i jüdiichen Interessen wirksam schützen zu. können. I Andererseits' muß de!r Minister ijar, jüdische Ahge-