Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 67 (sequence 11)
- Language
- German
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Seite 6? legenhelten von der Konferenz gewählt, werden', das! Vertrauen der jücU&chen IBevölkerung besitzen und im Kontakte mit dem NätionUilrat arbeiten. Er rät aber idem Nationlalrat, sich. &k> Wenig wie möglich' in die Arbeiten des1 Ministers einzhimis'chen ... Er isjpricht sich noch izület'zt für eine Beteiligung an der jüdischen Weltkbnferenz aris!- ar.rf der die Forderang desi jüdischen Volkes auf Palä^tinia erhoben werden miuß. Der Kampf der amerikanischen Juden gegen Flecktyphus und Cholera in Polen. [Vom pa-ächtigen :Sach&enpIatz in Warschau, wo zwischen dem herrlichen russischen Dom und dem Kriegsministerium die Condottieri der jungen Republik im Schnee schon ihr so und sovieltes' Waffen, fest gefeiert haben, .bis zur Senartorskja, 32, wo die amerikanischen Juden djais Hauptquartier ihres' Wohlfahrtsunternehmensaufgeschlagen haben, ist nur ein Schritt, Eine 'kurze Straße bloß, in der auch das .Hotel steht, in dem Napoleon im Jahre 1812 logierte, und der Journalist, sö schreibt G. Nypels im „Allgemeen 'Handelsblad", wird wieder einmal von einem "Extrem ins' andere geschleudert, aus1 dem Glanz napoleonischer Soldatenerinneningeri in das1 tiefste menschliche Elend. Eine schwere,, embruchssiehere Eisentür schließt die fBureaüräUmlichkeiten desi „Joint Distribution Commiteeiof the American Funds' for Jewish1 .War Sufferersf ab. Dieser lange Titel des amerikanischen Liebes Werkes' ist. nicht ganz' richtig, weil die in; ihm aufgewendeten (Mittel zwar von amerikan^- sc'hen Juden stammen, aber nicht bloß für Juden!, sondern für 'Angehörige aller Glaubensbekenntnisse verausgabt werden, sofern sie Opfer des1 Krieges und (steiner Folgen sind. Das Geld fließt in Amerika aus! drei 'Quellen; einen Teil trägt die Organisation der jüdischen upper-ten bei, einen Teil die der assimilierten jüdischen Mittelklasse und einen Teil die der poch nicht assimilierten armen Juden. Im allgemeinen geht 'die Tätigkeit der Hilfsorganisation in zwei Richtungen; Bestimmten Personen werden die .Summen, die ihnen ihre in Amerika lebenden Angehörigen oder (Bekannten senden, vollkommen kostenlos! übermittelt und zweitens' wird das in Amerika ges'ammelte Geld in dem. glänzen, von 'Polen verwalteten oder besetzen Gebiet so gut wie möglich zur Linderung der Not 'benutzt, wozu dreißig .ZentralbUreaUs errichtet worden sind, die ihre Wirksamkeit auf mehr 'ails 1100 Orte erstrecken. Monatlich' Werden etwa 5000 Posten an Priv&tgeldern, die (an bestimmte Personen herübergesendet werden, im Gesamtbeträge von durchschnittlich! 2,5 Millionen Mark ausbezahlt. Jeder Empfänger muß 'drei Quittungen unterschreiben, eine für dasi Zentralbüreialu in Warschau, eine (für diajs in Neu-York und' eine für den .Geldstender; man sieht, daß hiezu ein Ridstenverwaltungsapplarat notwendig ist. per Leiter desi Woldfahtrsünternehmens ist Mister 'Hiershfield, ein Advokat. Mit der Mehrzahl der Beträge, die iihm. aus! Amerika übermittelt Werden, kann er (nach' Belieben verfahren, nur in ein., zelnen Fällen/werden Sammlungen für Spezialzwecke veranstaltet 'und diajs: Geld ihm mit besonderen Aufträgen überwiesen, b'o kürzlich ein paar Millionen zum Ankauf von;Heizmateri|aI. Mit den übrigen Summen wird der Tod auf 'der ganzen Elendsfront in Polen bekämpft. Es islt ein mächtiger und erbar. mluigjfelo«er Feind, de* stets1 gprau*amer* K*arnpfmk- Itel gebraucht und istets schwächere Gegner findet. Man unterstützt Spitäler und Rekbnvales'zentenheime, unterhält Volksküchen, sendet Kleider und Lebensmittel", kauft Heizmaterial, mit einem Worte, ringt | mit dem Tode, der überall auf die faller Mittel enfj blößten Armen'des unglücklichen Landes; lauert. Mij ster Hershfield kennt keine Juden oder Christen, | keine Pogrom- oder andere Opfer, er kennt bloß j Unglückliche. „Was! für ein Unterschied!", fragte | er mich, „besteht für eine Frau, die mit fünf Kin- | dem zurückbleibt, obl der Mann im Kriege oder durch einen Pogrom Ums Leben gekommen oder! ausi dem Fenster gestürzzt ist??' Aber es ist ein! ungleicher Kampf; eis! gibt zu viele, denen gehol-; fen werden muß, sollen sie nicht eines elenden Todes } sterben. Rund fzwtei Millionen absoluter Bettler leh|sn j in Polen, Menschen!, die früher vielleicht die paar l Groschen, die zum Leben nötig waren, ergattern | konnten, jetzt aber einfach "sterben müssen, Wenn- | man sie nicht rettet. Die amerikanischen Juden tun | viel, aber es ist doch nur ein Bruchteil dessen, was 1 zu tun notwendig ist. Mister Hershfield verfügte im I September vorigen Jahres' über elf Millionen Mark j und im November über 15 Millionen, aber das1 Mißverhältnis zwischen diesen Summen und der Menge j von zwei Millionen ausgehungerter, schwer unteri ernährter, kaum bekleideter Menschen in einem I Lande, in dem Flecktyphus und Cholera immer mehr 1 und "mehriOpfer fordern, tritt mit jedem Tage stets 1 krasser hervor. t 1 Was kann man mit fünf bis zehn Marfc per l Monat und Bedürftigen anfangen? Täglich erschei- | nen Abordnungen aus entfernten Orten des! Landes in Warschau vor Mis'ter Hershfield und dlais Ende ihrer traurigen Reden ist immer ein Minimtimbudget, ohne dasi so 'und soviele Hunderte diesen Winter die sichere Beute des Todes werden müßten. Aber stets kann die (Antwort nur lauten: „Ach dieses Minimumbudget kann ich leider nicht verschaffen; ich weiß, daß Tausende sterben müssen, aber ich vermag nicht mehr zu tun, als ich eben m'ach'e; wenn Ich ein paar Hundert rette, s!o müssen doch ein paar(and»re hundert Menschen zugrunde gehen. '4 Ein Mann, der täglich so siprechen muß, ist nicht zu beneiden. Um den Kampf gegen den erbarmungslosen Würger Tod rrüt Erfolg führen zu können, um die weitere Ausbreitung von Flecktyphus und Cholera zü verhindern, wären mindestens! hundert .Millionen Mark im Monat, ungefähr zehnmal I soviel, als Hershfield jetzt empfängt, erffbrderlich. Das' ist gewiß ein riesenhafter Betrag, aber er bedeutet doch bloß 50 Mark per Kopf und Monat in einem Land, in dem das Leben rasend teuer ist, wo in der Hauptstadt Warschau innerhalb vierzehr» Tagen der Preis für ein russisches Pfund "(400 Gtfarnmj Brot von drei Mark auf zehn Mark', der für ein Pfund Zucker auf dreißig Mark '— wenn er zu erhalten;ist —, der für ein Pud (16 Kilo, grarnm) Kohle von 4 Mark auf 25 Mark' und der für ein Pud Holz von 3 Mark auf 18 Mark gestiegen ist. Wird das' erforderliche Geld zur Verfügung gestellt werden, wird man in der ganzen Welt einstehen., daß uns im übrigen Europa Flecktyphus und[ Cholera bedrohen, die sich langs'am aber sicher von Osteuropa her nach dem Westen ausbreiten? Wird man fühlen, daß man nicht in relativem oder absolutem Wohlstand leben darf, während Millionen 1 Opfer des Weltwahnsinns zUgTundegehen und den I Keim der gräßlichsten Katastrophe der Menschheit \ itfe&e» tr-a#en? Die!Pol«n lühta. ea noth! nicht, ss»