Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 65 (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 65 Dr. Bloch*? WUehensctolft trübe Erde dahinging, wie ein leuchtender Sonnenstrahl. AH diesem Grabe 'werden Tränen echten1 Schmerzes' fließen, nicht nur von seinen Angehörigen, deinen der beste Mann und Vater starb, sondern auch' von Unzähligen, denen er Freund und Helfer gewes Beil, von Armen, denen er beigestanden, Unglücklichendie er getröstet, Enterbten und Darbenden, die an der Frucht seiner Arbeit teilhaben durften. Denn für die ganze Menschheit schlug sein Herz, die Betrübten und Notleidenden waren seine große Familie. Wicht Enttäuschungen bitterster Art, wie sie jedem Menschenfreunde besehieden sind, vermochten; s|ein mildes Herz härter zu machen, er kannte nur Liebe, der Haß war ihm . fremd. So lebte er in unserer Mitte, ib'egabt mit einem scharfen, durchdringenden Verstand,;, dessen kritische Tiefe von einer wohlwollenden, jünglinghaften Heiterkeit des Geiste^ verklärt war. Er liebte den Frohsinn und das (Lachen mit der jovialen Freudigkeit des;guten Menschen. Aber Stunden tiefsten Glückes' fand er in seinem nie ruhenden Bildungstrieb, seiner ewig.wachen Wißbegierde bei seinen geliebten Büchern, mit denen er sich umgab, und die ihm eine Welt intellektueller Seligkeit wären. Sio war er in der schweren Arbeit seines Lebens!, in der Realität desi juristischen Berufschaffehs> ien.seiner [Art ein beneidenswerter Glücklicher, der unbeirrt und unerschrocken dem Medusenantlitz unserer Zeit gegenüber den schönsten Zielen einer idealen Weltanschauung' zustrebte: Wehltun und Wissen:. Als kaum Achtzehnjähriger ist Dt. Lifczis' aus seiner GebUrts!stadt Lemberg nach Wien gekommen, und-schon der blutjunge Student,, den ein ungewöhnliches soziales1 Empfinden trieb:,j betätigte sich eifrig 5n der jüdischen Politik. All' die Jahre, die er im öffentlichen Leben schaffte und wirkte, hat Dr. Lifczis seine Zugehörigkeit zum östlichen Judentum und zur Kultur. .seines1 Volkes treri bewahrt. Mit mehreren Gleichgesinnten fhat er seinerzeit den „Jüdischen Violksverein" gegründet, der ursprünglich dem Rechtsschutz (der Ostjuden ''diente un$ilen er s'oäterfizu;/einem wichtigen Faktor jüdisch-nationaler Politik ausgebaut hat. Ebenso organisierte er dieEmigrationsbewegung, die nach den Pogromen in Hornel 'und Kischenew unter den .russischen Juden einsetzte und hat in seiner slcheidenen, im'Hintergrunde bleibenden Art, Großes' für seine verfolgten Brüder getan. Ein glänzender Versammlungsredner und schlagfertiger Debatter, ist er durch mehr als1 zwei Jahrzehnte für die jüdische Sfache in selbstlosester Weisje tätig gewesen, ohne daß sein persönlicher Ehrgeiz Lohn für solche Aufopferung gesucht hätte. INuU ist dieser lebendige Geist erloschen, das Judentum ist um einen bedeutenden Sohn ärmer geworden. >Nun ist er dahingegangen, i wohin das Schicksal auch die Besten ruft, wenn ihre Zeit gekommen ist. Wir aber wollen uns ehrfurchtsvoll vor einem Grabe neigen^ in dem ein wahrer Mensch, ein^tapferer Ritter vom Geiste vom Kampfe ausruht. * , Das Leichenbegängnis' fand Donnerstag, dem 29. Jänner, vormittags dreiviertel elf Uhr, am Neuen Friedhof, Illj. Tor, unter starker Beteiligung statt. Die allgemeine Beliebtheit des Verstorbenen, das' tragische Schicksal seines' plötzlichen Todes, der ihn vierzehn Tage nach der Heirat seiner ältesten Tochter unerwartet von der Seite einer geliebten Frau iund aus der Mitte seiner fünf Kinder abberief, zeigte sich in 4er^Ergriffenheit aller Anwesenden. Rabbiner Dr. Grunwald hielt feinen erschütternden Nachruf, in dem er der Persönlichkeit des! Verstorbenen, seinör . hervorragenden Eigenschaften und seines: glücklichen. [ Famiii enlebensl gedachte. Oberkantor Kaufmann mit dem Chor zelebrierte die Gesänge. Am Grabe hielt Rechtsanwalt Dr. Blech «dem Toten einen innigen Nachruf, ebenso sprach Herr Pommeranz im Nar men ,/Beth Irsäel", dessen Vorstand Dr. Lifczis1 an. gehörte, Worte des Abschieds'. Hierauf rezitierte Obet1kantor Kaufmann und nach ihm Kantor Feue* von „Beth Israel" das Elmole rachniim. Grosse 'Sirassen jagden auf Juden in Lemberg. Wir erhalten aus' [Lemberg die folgende Zu, schrift: „Vor einigen Tagen hat die Lemberger Polizei eine strenge Taschendurchsüchung bei der jüdischen Bevölkerung untemommen. In ganz unerwar. teter Weise sind ganze Straßen von stairken Polizeiabteilungen abgesipent worden, Patrouillen sind in Kaffeehäuser, Restaurants' und selbst Kinos eingedrungen und haben jeden vorbeigehenden Juden in ein Kaffeehaus oder ein (anderes! Lokal hineingei 'schleppt und ihm slein ganzes Bargeld, sei es Kronen j oder Mark oder Rubel oder irgendeine andere Va- I luta abgenommen, rwobei 'allerdings Quittungen übler i die beschlagnahmten Gelder (ausgegeben wurden. Der ganzen jüdischen Bevölkerung hat sich! dla- I raufhin ein panischer Schrecken bemächtigt. Die 'Arbeit ist denn auch so gründlich gemacht worden, | daß selbst dem Unschuldigen Publikum, welches I an den Straßenbahnstationen gewartet hat, um zu! fahren, die letzten 'paar Kronen abgenommen Wurden. | Wir verstehen nicht,, welchen Zweck eine der-! artige Durchsuchung haben kann. Soll esr sich dabei < um die Ausführung des Befehls zur Gelddeponierung | handeln, so können wir nicht begreifen, wanim dies \ in einer so mittelalterlichen Weise geschehen muß, | die die Menschen wie gehetzte Tiere behandelt und ihnen einen Schrecken einjagt. Das alles1 kann doch I in einer kulturelleren europäischen Weise gei <chehen. j Auf die erwähnte Weise hat man den Juden | viel Geld aus: den Taschen genommen. Wird mam auch den Bauern in den Dörfern die Millionen Kroj nen abnehmen, die dort verborgen gehalten werden?" I -; Die ungarischen Juden für die ungarische Literatur*; Als Erwiderung auf idie unzähligen Angriffe der ungarländis'chen Antisemiten veröffentlicht der Uriiversitätsprofessor a.. D. Dr. Josef Turnroc^v im ^Egyenlösieg" eine längere Artikelserie über die j Verdienste der ungarischen Juden auf dem Gebiete j der ungarischen Kultur, Sprachwissenschaft und Literatur. Er erbringt den Nachweis!, äaß esF vorwiegend ungarische Juden gewesen, die die Schätze der ungarischen Literatur in vortrefflichen Ueber- I Setzungen den europäischen Lesern zugänglich ge-!macht haben. Der Artikelschreiber verweist auf die Tätigkeit des Miskolczer Juden Julius L. Klein, eines1 Freundes Varnhagen von Enses, des Biajaer Juden Karl Beck, der in die deutsche Literatur eingezogen ist, ..des Ungarn Max Schlesinger, der in Gustav | Freytags „Grenzboten" für die Rechte seines Va- { terlandes eintrat, des Novellenübersetzers Moritz j Riosza, des - Bankbanusübersetzer Adolf Dux^ der | später auch die Dichtungen Petöfis! insi Deutsche j übertragen bat, des1 Eötvös-Uebersetzers1 Hermann I Kelin, der Petöfi-Uebers^er Moritz; Hartmannt, I Sigmund L. Herzog, I. GoldäChmidt, L. Stein, Hein-