Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
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fcr. I aufgenäht hatte. Er wjajr ein Jude. Aus! den; Akten' de»' Strafprozesses gegen den Kommuiustenführerj Konin-Klein konnte''amtlich festgestellt werden, daß Szamuely den jüdischen Grundbesitzer und Reserveleutnant Joset Glaser in Csorna hinrichten ließ. Und er war doch ein Jude. Wir können noch hinzufügen, daß Szamuely ihm vor der Hinrichtung ein Auge ausstechen ließ. In "dem berüchtigten Makber Geiielzuge, auf dem die Brüder Nävay hingerichtet wurden, befanden sich auch der Kaufmann Martin Weiß, sein Sohn Heinrich und der Kinoinhaber) Heinrich Havas. Alle drei wjaren Juden und alle drei wurden von den Roten hingerichtet. Am' & Mai vorigen Jahres; wurde jn Gyöngyös der Jude Ignaz Welt gehängt, weil er die Nationalfahne ausigesteckt hatte. Am 2. Mai haben die Roten in Szolnok den ICaufmann Ferdiniand Oesterreicher vor den Augen seiner Kinder hingerichtet, nachdem sie ihm vorher Nasen und Ohren abgeschnitten hatten. Er war ein Jude. Gleichfalls' in Szopiok wurden der jüdische Advokat Dr. Alexander Engel, sein Schwjager ger Nikolaus Suga, der Grundbesitzer Alexander Gunst, der Kaufmann Adolf Berger, der Hamdels1schüler Isidor Meilinger, durchwegs Juden!, hingerichtet. Wir bemerken .hiezü, daß die -angeführten Fälle von' Hinrichtungen jüdischer Bürger nicht die einzigen waren. Besonders ergreifend ist die Tragödie desiSzolnokerHuj-arenleutnants Sug&x. Sugar war nach Ablegung der Reifeprüfung zum Militär eingerückt und hatte nach kurzer Ausbildung seine Zuteilung zum Frontdienst erbeten, wo er allmählich1 zürn Leutnant vorrückte, zahlreiche Atiszeichnungen und schließlich auch die goldene Medaille davontrug und von seinem Regimentskommandanten, Oberst Grafen Stefan Tiszäi, wiederholt öffentlich belobt wurde, Von ihm sägte Graf Tisziai am 8. August 1918 in einer Parlamentsrede: „Ich selbst bin in der Liage, in dem prächtigen Regi'mente, dem anzugehören ich! im vorigen Sommer die Ehre hatte, und dem ich j auch heute angehöre, einen w'ahrhaft bisi zur Tollj kühnheit tapferen,' wahrhaft \vackeren jüdischen Of- ] fizier unter mir dienen zu sehen, der in Wirklichkeit das' Höchstmaß des. ungarischen Soldaten und desi ungarischen Offiziers erreicht." Nach seinen Tagebucliaufzeichnungen wjar Sugar 530 mal Patrouillengängen zugeteilt, 'wiederholt der Gefangennahme ausgesetzt, aus der er sich immer wieder herfaus-; haute. Er war volle vier Jahre im Schützengraben und während dieser Zeit bloß vjermal je 14 Tage ] auf Urlaub. Er und sein Schwager, Dr. Alexander Engel wurden von den Roten wegen ihrer Telnahme an der Organisjatkxn der Szolnoker Weißen Garde hingerichtet. Die Juden und der Völkerbund. Der bekannte in Paris lebende Journalist N\ Frank stellt der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" in liebenswürdiger Weise nachfolgende zwei Briefe zwecks Veröffentlichung zur Verfügung,', die er von PrudhommeaUx, dem Sekretär der Association Francais pour Ija Societe" des1 Nations' und von A. Thomas, dem Sozialistenführer und ehemaligen Minister, auf seine Anfrage, ob fauch die Juden in;'den Völkerbund aufgenommen werden, als Antwort erhalten hat. Die beiden Briefe lauten: .: ■ „Mit Ihrem Briefe vom 10. Dezember wandten » Säe sich an ä>n Präsidenten unseres Vereinigung, * Herrn Leon Bourgeois1, mit der Anfrage;,:: loh die .Juden juristisch das Recht haben, dem Völkerbund anzugehören. So gestellt, scheint eö imir nicht möglich, die Frage zu beantworten. Dem Völkerbund werden alle diejenigen Nationen angehören, die, als solche anerkannt sind, die nach dem Artikel des Vertrages vom 28. April 1919 „von mindestens zweit Drittel der Mächte aufgenommen werden, die bereits Mitglieder des Bundes sind^ Und die wirkliche Ga-, rantien bieten, daß ihre Absicht, ihre internationalepl Verpflichtungen zu erfüllen, aufrichtig ist." Bisher bilden die Juden keine Nation. Sie sind Uhler eine gewisse Anzahl Nationen verteilt, die' sie als ihre Ländesangehörigen anerkennen, mit mehr oder weniger weitgehenden Rechten, und sie erleiden demzufolge, was den Völkerbund anbetrifft, .das Schicksal derjenigen Länder, zu denen sie gehören. So ist Bolen zum Beispiel dem Vökerbund beigetreten: die Juden, ein Teil der polnischen Nation, gehören also dem Völkerbund an. Was die polnischen Juden anbetrifft, die zum Beispiel nach den Vereinig;* ten Staaten ausgewandert sind, so gehören sie ebenfalls dem Völkerbund an, insofern sie naturalisierte Bürger der Vereinigten Staaten sind, da die Vereinigten Staaten dem Bunde angehören. Das ist die Löjsung der Vernunft und die Frage, die Sie beschäftgitl; wird sich nach meiner Ansicht nur an jenem problematischen Tage stellen, an dem es dem Zipnis» mus1 gelungen sein wird, in Palästina oder anderswo eine autonome jüdische Nation zu bilden, die von den anderen Staaten als solche anerkannt sein wird." Gsz, Prudhommeaux. „Sie kennen meine zu wiederholten; Malen; öffentlich ausgedrückte Meinung zugunsten des jüdischen Volkes'. Sie stellen mir heute eine etwas seltsame Frage: „Haben die Juden juristisch das Recht, dem Völkerbund anzugehören?" Ich1 denke juristisch: iantworten zu können, daß ich dies' nicht glaube. Der.' Text des Völkerbund Vertrages selbst'hat den Beitritt derjenigen Nationalitäten beseitigt, die noch nicht in dem Rahmen eines modernen Staates konstituiert sind. iWenn in Palästina nicht nur eine jüdische Kolonie, sondern ein wirklicher palästinensicher Staat gegründet wäre, dann hätten die Juden das Recht, ihren Platz in dem Rat des Völkerbundes' zu beanspruchen Bei jeder anderen Voraussetzung scheint dies nicht möglich zu seih. Ich bemerke noch, daß alle , Vereinigungen, die in den verschiedenen;. Ländern für den Völkerbund wirken, übereinstimmend der Meinung sind, daßi, für den Augenblick wenigstens, alle Nationalitäten, die nicht zu Staaten konstituiert sind, und sogar alle großen sozialen. Gebilde wie die rechtlich konstituierten Konfessionen beiseite gelassen werden müssen. Und ich glaube, daß sie Riecht haben," fiaz. Albert Thomas. ,. im Kampf um den Sabbatj; Das im polnischen Landtage zum Gehetzte er.' hoBene Projekt auf Einführung der absoluten Sonntagsruhe wird in den treugebliebenen jüdischen Kreisen Polens1 als! Katastrophe empfunden, deren erschütternde Tragik aus: einem Aufrufe ersichtlich ist, der dieser Tage im „Jud" erschienen ist. ^Zu. allen anderen »Leiden, die über die polnische Judenheit ergangen sind, sso heißt es1 darin, kömmt nun noch das! Verhängnis der Sonntagsruhe, die im Parlament beschlossen wurde. Ist jauch dieses Gesetz; nicht direkt gegen Juden und Judentum gerichtet, #> award doch seine ruinöse Wirkung auf die