Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-02-06 · 5 (6.2.1920) · p. Seite 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
5 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022397-3022403--28255-3053699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift S*it« 63. öldonohusche Lägte der jücüschen. Bevölkerung nicht ausbleiben. Das . Gesetz legt den jüdischen Raiufleuten auf "wirtschaftlichem. Gebjete ein Martyrium auf, das sie, getreu den Traditionen unserer großen Geschichte, die von Helden erzählt, welche durch Feuer Und Wasser für ihr Judentum gegangen sind, aüf sich nehmen "werden. Liegt nun die Sache so, daß gegen das tGesetz nicht mehr anzukämpfen ist, bö bleibt nichts anderes' üffrig, als diese Prüfung wie gesinnungs'starke Juden zu bestehen, die mit ganzer Seele und ganzem Vermögen im Dienste ihres1 Gottes'' stehen und ihre Heiligtümer verteidigen. Zur lA.bwehr der mit dem neuen Gesetze heranziehenden Gefahren muß . in den Kreisen der Gesetzestreuen eine Aktion unternommen werden auf folgender Grundlage: 1. Ueberall in Stadt Und Liänd müs's'en an Hand "der Aguda, Gruppen gegründet werden, denen speziell die Verbreitung der Sabblatidee obliegt. 2. Jeder Jude erachte es1 als heilige Pflicht, nUr solche Arbeiter Und Angestellte in seine Dienste eU nehmen und insbesondere die Geschäftsleute zu y berücksichtigen, die den Sabbat halten. 3. Jeder, der es! in der Macht hat, Bemühe aSdh' in deinem 'Kreiste, durch Wort und Schrift für die Sabbatheiligung einzutreten. 4. In Synagogen und Lehrhäu&ern müßten überall Dinimkürse eingeführt werden, unter spezieller Berücksichtigung der Sabbatvorschriften. Dies sind wohl fürs' erste die einzigen, uns zu Gebote stehenden Abwehrmittel. Aber sie sind stark genug, tum uns gesund zu erhalten und heil durch ädJe Drangsiale und ^Verhängnisse der Zeit'zU führen." Ein Bann gegen die jüdische Sprache. Aüf einer .Beratung von jüdischen und christlichen Arbeitern, deren Zweck war, die beiderseitigen Gewerkschaften zu, vereinigen, haben die polnischen Arbeiterführer (die Forderung aufgestellt, die die jüdischen Arbeiter 'sollen die jüdische Sprache aufgeben. Sie verlangen ferner durchaus1, daß 'die jüdi- »sCTten Arbeiter in allen Versammlungen polnisch ä'precben, und s'elbst ihre Anschläge in polnischer Sprache machen sollen. K. f. d. O: hären Charakters auf das entschiedenste zu bekämpfen, denn der Antisemitismus ist zurzeit in Deutschland die Waffe der monarchistischen Reaktion geworden, der als steter Begleiter der internationalen Reaktion darauf ausgeht, den Charakter des Klassenkampfes zu verdunkeln. — Aber hinsichtlich der Juden scheinen selbst bei den Unabhängigen (Theorie Und Praxis zwei verschiedene Dinge zu sein. Judische Welfhijfskonferenzv Paris-. Die von den Delegationen der Nattionalräte ins Auge gefaßte internationale Konferenz der jüdischen Hilfsorganisationen aller Länder ist auf .den 7. März nach Zürich einberufen worden. „Raus mit dem Juden Itzig." Einem Bericht des „Vorwärts" zufolge sollte der Mehrheitssozialist H e i 1 m an n in Lichtenberg bei Berlin in einer Versammlung über „Demokratie oder Räterepublik" sprechen. Er konnte jedoch nicht zu Worte kommen, weil die anwesenden Unabhängigen durch Schreien und Singen das Abhalten der Versammlung unmöglich machten. Für uns ist an dieser Sache interessant, daß; man Heilmann clurch den Ruf „Raus mit dem Juden Itzig" zum Verlassen des Saales zwingen wollte. — Da haben wir wieder einmal den Beweis, daß der Antisemitismus def Punkt ist, wo die Extreme sich berühren. Wenn de'/ Gegner, dessen politische Anschauungen sie bekämpfen zu glauben müssen, züfällig ein Jude ist, b edienen sich die Radikalen und die Reaktionäre derselben üblen antisemitischen Pöbeleien. Dabei sind es dieselben Unabhängigen, die erst kürzlich auf ihrem Parteitag. in einer einstimmig angenommenen. Resolution das klassenbewußte revolutionäre Proletariat Deutschlands aufforderten, alle Formen der. Judenhatze im Bewußtsein ihres1 internationalen reaktio- Ew Brief Baron Alfred Rothschilds an Wilhelm Ii. Dje Juden sind schüa am Kriege, lügen die Antisemiten. Was B a 11 i n für Erhaltung des Frie. dens tat, ist bekannt, I^un veröffentlicht Kautsky in seinen Aktenstücken folgenden Brief, den Baron Alfred de Rothschild* am 1. August 1914 an Kaiser Wilhelm gerichtet hat und der zeigt, was; Baron Rothschild tat, um den Frieden zu erhalten. Der Brief lautet: „Sr. kaiserl. Majestät dem Deutschen Kaiser, Berlin. Ich bin mir bewußt, daß Eure Majestät jeden Nerv zu Gunsten des Friedens anstrengen und weil ich diesi weiß 'und weil "ich immer ein Bewunderer der Politik Eurer Majestät war, wage ich Eure Majestät In diesem kritischen Augenblicke anzureden, da die Segnungen des Friedens und die Schrecken des Krieges wie das Zünglein einer Wage ba'anzieren.^ Wollen Euere Majestät mir daher einen Vorschlag senden, den ich sofort meinen Freunden vorlegen könnte und der geeignet wäre, sowohl in Petersburg wie in Wien günstig aufgenommen zu werden, unterstützt von meinen Freunden? Ich wage ernstlich zu hoffen, daß Euere Majestät mir gütigst antworten werden.'' Auf dieses Schriftstück hat der Kaiser die Worte geschrieben: „Eine meiner alten und sehr achtungsfwerten Bekanntschaften, ungefähr 75—80 Jahre alt", während das Auswärtige .Amt das1 Telegramm mit der Notiz versah, daß die Antwort nicht abgehen konnte, weil das Kabei'fnit England bereits unter, brochen warl Die Instruktion des französischen 'Ministers. * Der „Manchester Guardian" veröffentlicht eine Instruktion, die der französische Minister des Auswärtigen im April 1917, also dreiviertel Jahre vor dem Balfour-Briefe, an den französischen Kommis'- sär in Syrien, Georges Pietot, gerichtet hat. Darin heißt es bezüglich Palästinas: „Beim Betreten Palästinas werden Sie mit zahlreichen jüdischen Kolonien in Berührung kommen. Es! ist wünschenswert, ihnen von Anfang an ein großes Maß von Schutz zu gewähren und die neue Läge zu unterstreichen, dadurch, daß "man ihnen die Verwaltung ihrer Gemeinschaften und eine Anteilnahme an der Regierung des Landes anvertraut, denn es ist ihnen ohne Zweifel bevfußt, daß die ihnen gegenüber zu befolgende Politik dazu bestimmt ist, einen tiefen Eindruck nicht nur auf ihre Glau, bens'gehossen in den alliierten und neutralen Ländern zu erzeugen, sondern sogar auch unter dehjeni-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.