Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3022397-3022403--28253-3053697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
0r. Bioob'* W&ch«wefcriütt;Shite «1. Stünde, üt aliquid fadate videatür, die Schüler der drei obersten Klas!sen werden als freie Männer.behandelt, sie können über die Zeit, die sie dem Religionsunterrichte (widmeten, frei verfügen, zum 'Beispiel, sich eifriger mit dem jetzt so sehr beliebeten Fußballs'port dessen Nützlichkeit wir "damit nicht leugnen wollen, beschäftigen. Nun fragen wir, und wir fragen dies" nur von unserem jüdischen Standpunkte aus!; War tesi nicht Pflicht unser „Berufenen", die Behörden darauf aufmerksam zu machen, welche Bedeutung der Religionsunterricht, gerade der jüdische, für unsere Jugend hat? Gewiß, ein einseitiger Sprachunterricht, kann und soll er nicht sein Die hebräische Sprache kann nicht in der kärglich zubemes&tenen Zeit gelehrt werden, so wichtig und 'unerläßlich sie ist für das" Verständnis unserer Bibel und unserer Gebete. Wir glautfen auch, daß auf diesem Gebiete fehr viel gefehlt würde. Was man unserer Jugend entzieht, das' ist die Unterweisung in unserer Ethik. Nicht mit naturwissenschaftlichen Theorien Und Hypothesen unserer Zeit haben w|ir unsere Jugend bekannt zu machen, sondern mit der einzig in ihrer Art dastehenden Sittenlehre desi Judentums. Und die braucht zu ihrer Begründimg keines'. Philosophen, heiße er Plato oder Kant, sei er welcher Zeit und welchem Volke immer angehörig. Man scheue sich nur nicht ängstlich — es klingt dies1 scheinbar, alper nur s'cheinlbjajr, paradox —- in der Religionsis'turide auch einmal die Worte Gott und göttlich zu 'gebrauchen. Darwin verzeiht uns' wirklich und Häckel und Vogt und die „Kraft- und Stoff-Philosophen" müssen es üns! schön vergeben, wenn wir unsere jüdischen Schulen über die Bedeutung des jüdischen 'Volkes für die Verbreitung des; Mensehheits'- und ewigen, unsterblichen Sittlichkeifs'-Ideals belehren. Welches der Stoff unseres Reiigionsünterfichtes ist? Da wir nun schön einmal Autoritäten in diesem, unserem, nicht amtlichen Gutachten angeführt haben, so wollen wir zum Schluß auf die „Einleitung" zu Dr. Bernhard Stades „Geschichte des!Volkes Israel? verweisen, eines Werkes, dessen wissenschaftliche Kritik1 auch nicht de? kritischeste Realist leugnen wird. In diesen einleitenden Worten sägt nun Stade vom israelitt- < sehen Volke: „'Dieses: kleine Völklein hat einen weit größeren Einfluß auf den Verlauf der gesamten Menschheitsgeschichte gewonnen, .als' Griechen und Römer, ist für uns in weit mehr Beziehungen vorbildlich geworden, als' diese. Unser heutiges! Denken und Fühlen, unser Tun 'und Treiben wird bei weitem mehr beeinflußt von der Gedanken- und Gefühlswelt, welche Israel erzeugt hat, aäs von der R.oms und Griechenlands. Unsere gesämte heutige \ Kultur ist tief durchsättigt mit Richtungen und Trie- 1 ben israelitischer'Herkunft" Und dies erklärt Stade f daraus-, d|aß Israel jene Seite des menschlichen We- \ sens zu größfei Vollkommenheit entwickelt hat, die j für die Menschheit von größerer Bedeutung ist, | : als1 Kunst und Wissenschaft, Rechtsieben und Phi- -lo,sbphie, und das ist' und bleibt, trotz alles Widerspruchs der Ganz-und .Halbleugner, der verschämten und iunverschämten Atheisten — die Religion. Israel ist auf dem Gebiete der Religion viel epochemachender aufgetreten, jals die Römer auf dem Ge- : biete des Staates1, die Griechen auf dem der Kunst \ und Philosophie. Die Religion umfaßt alle Kreise . desi Volkes, vom Könige bis zum Bettler, sie strebt : danach in'steigendem Maße, alle Völker der Erde zu umfassen." Und weiter: v,Die geistigen Züge der heutigen- Menschheit europäischer, w!e mohaml> danischer Kultur sind wesentlich im Produkt der; in Israel entstandenen imonotheisischen Religionen/' I (Stade, a. Sa. O. I. 'Seite 3, 4 und ff:} — Wir wol- J len uns; nicht überheben, man hat uns dies* seit der Zeit, da Stade diese Worte schrieb?, 'date ist seit 30 Jahren, gründlieh abgewöhnt. Getaufte und I ungetaufte Juden marschierten iain der Spitze, wenn j es galt, unserem Judentum eins' am Zeug zu, ffickea. j Aber den Manneshaut muß, insbesondere der! jüdische Religionslehrer, aufbringen, vor niemand!, | sei er nun Geologie- oder Geschichtsprofesisör, T zurückzuweichen und die iLehren unserer Religion 1 zu verkünden, mags den Herren Materialisten, ohne ] Unterschied der Konfession, recht sein oder nicht. | Wir müßten uns* die gnädige Erlaubnis) eines* Herrn '* Gymnasial-Profes'sors holen, wenn wir unsere bifo- |Tische oder spätere Geschichte unterrichten? Wir sollen zurückweichen vor irgend einer geschicht- I liehen oder naturwissenschaftlichen, nicht erwiesenen | Hypothese? Was geht uns der fabelhafte BatWy- \ tios! oder der Urschleim an, der angeblich irgend* | wo im indischen Ozean gefunden wurde? Wir wollen!• freilich nicht der Verknöcherung in relig-i- | Ösen Fragen das Wort reden, gewisse Theorien;, | wie die Deszedenzlehre, können wir im Rahmen i der Religion ganz frei besprechen, auf dem Justamentsistandpunkt stehen wir nicht. Man m'aig äagen> was man will, mag davon sprechen, die Religion sei enthront, „Gott ist tot", mag man mit Nietzsche! ausrufen hören, wir aber .wissen und wollen dies unserer Jugend laut verkünden in Schule und Synagoge, unser jüdisches' Volk, es lebt noch und sein« Seele ist seine Kultur und die Seele seiner Kultur ist seine Religion. Hat man ganz oder halb den Unterricht unserer Religion in unseren Schulen abgeschafft oder will dies! tun, dann können wir dem [ Machtgebote von oben nicht wehren. Aber die erste und wichtigste Aufgabe unserer Volks- und Kultus}- f gemeinden ist es, für unser Haüs1 Obsorge zu treffen. Weichen wir vor den Forderungen unseres! Juv dentums nicht zurück. Keine Phüosophiei,|keine Kritik, kein Realismus, können uns ersetzen*^unserer ewigen Religion erhabenen Idealismus1. In unserer Religions'stunde werde nicht vergängliche Menschen*- .Weisheit gelehrt, sondern ider trhvergängliche Gott Israels .!Drt M. Grün?eltf. Tom Jähmarkt des Lebens, Jüdische Opfer des Bolschewismus^ Die ungarischen Antisemiten treten noch immer die schon oft widerlegte Lüge breit, daß die kommunistische Herrschaft in Ungarn sehr viele christliche und fast gar keine jüdische Opfer huiweggeafft habe. Dieser Irreführung gegenüber konnten bisher schon offiziell unwiderleglich zahlreiche Opfer der kommunistischen Justizpflege aus jüdischen Kreise» festgestellt werden. In Miskolcz tiaben die Roten am 19. ffltft WW den Arzt Dr. 'B61a Klein auf dem AViaß-Berge hü> gerichtet — und er war doch ein Jude, ein guter Jude. Zur gleichen .Zeit una auf der gleichen Stelle wurde der Grundbesitzer ißernat Leffcowitsch hingerichtet, der gleichfalls ein Jude gewesen. Früher noch wurde in 'NagyvaJlaa^ der Offizier Alexander Löwyjbingerichtet/ weö er sich die Offiziersster»&