Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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/ Seite CO. Nr. & ,iXomsikijLin^I der;'Natioi^itätenkbmmissär S tailin. Der A r b e i t e r k I a s: s1 e gehören an: Der Obmann der Zentralexekutivse der Sowjets1 Kaiin in und der frühere Kommissär S chl j apniko w. Juden oder jüdischer Abstammung sind: Trotzki, Sinowjew', Radek, der frühere Obmann des Petersburger Sowjets KameneW, der Oberste Wirtschaftsrat Liarseh, der Chefredakteur des! Moskauer Ämtsblattes1 „Iswestija." Steck'Töw und der. ehemalige Obmann der Zentralexekutive der Sowjets S w e r d 1 o w. „Temps" bemerkt zu dieser Zusammenstellung, daß die Rolle der Juden in der bolschewistischen Bewegung' keinesfalls' so bedeutend sei, wie man. allgemein glaube, da selbst Trotzki von einem Stab; von Generälen umgeben sei, die noch' unter dem Zaren gedient hätten und durchaus! orthodoxe Russen seien. < Zar frage der Abschaffang des fieligioßßniiterrichtes. (Kein amtliches! Gutachten.) Diesle Frage ist für den tschechoslowakisch'en Staat nicht gelöst, iaber vorläufig entschieden. Min fing damit an, den Jugend^Gottesdienst für ilmverbindlich zu erklären. Er war Eltern, Schülern und Lehrern schon an ^metaphy'sischlen Fragenj", zü denen dib Religion ^gehört, und - Idies' soli am: besten durch einen' f reien Yo rt ra g geschehen. Freilich.muß er auch' danach sein. Keine Bequemlichkeit darf den Religionslehrer davon!abhjalten, sich dieser, gewiß sehr schwierigen,, geistigen und körperlichen Arbeit zu unterziehen, Jakob Bürck'hardt, der größte deutsche Kulturhistoriker des' vorigen Jahrhunderts', der Lehrer eines (Nietzsche, sagt in seinen ,,Weltgesehichtlichen Betrachtungen"/daer von den drei Potenzen, „Staat, Religion, Kultur" $ spricht: , yDie Religionen sind der , Ausdrück des! ewigen und unzerstörbaren metaphysischen Bedürfnisses der Menischennatur. Ihre Größe ist, daß sie die ganze übersinnliche Ergänzung des Menschen, alles das, wjas er sich nicht selber geben kann, repräsentieren. Zugleich sind'sie der Reflex ganzer" Völker und Kültur'- epochen in ein großes; Anderes1 hinein oder: der der Abdruck und Kontour, welche diese ins Unendliche hineinziehen und bilden." (A. a. O. S: 37) : Und da will man unseren jüdischen Jünglingen vom 16. Lebensjahre'an ein solches1 „metaphysisches Bedürfnis!" entziehen? Sind die Worte Burckhardtsl daß' die Religion einen „Reflex gänzer Völker und Kulturepochen"' darstellt, nicht gerade für uns' Juden von. höchster Bedeutung und zu Tage tretender Wahrheit? Sollen,wir nicht unisieren Jünglingen, ohne; sie in ihrem Gewissen und in ihrer Gedankenrich!- tung zu beirren, auseinandersetzen dürfen, wie sehr lange ein Stein auf dem . . Wege. Warum? Schnell fertig ist bei uns^nicht nur sich die religiöse »Auffassung des Judentums von der die Jugend, sondern auch, und noch mehr," das'Alter I der Naturvölker, etwa der Aegypter und Babylonier, mit dem Wort* Es' soll in rebus divinis, in Religions'- angelegenheiten, kein Zwang ausgeübt werden. Die Religion soll ein „Erlebnisf' für die Jugend sein Und Sö ferner. Redensarten, billig wie Brombeeren. Als1 unterscheidet, der,'wie man ihn jetzt „Wissenschaft« lieh," sO gerne inennt, „Jahwe* der Bibel vom Amon« Ra und Baal"? Hören wir, was! ein anderer Großer,, esl ist. R a n k e, den - wir anführen;, im 1: Bande ob jemand die Kinder mit der Knute in die Synagoge f seiner Weltgeschichte auf Seite 31 über die Schöp- __*__•. 7 *• tt i' w. ' -• _ Ö I /~* _ - __l. m. WT r»hi-n K,Oi' gejagt hätte. Und die Jungen? Man weiß ja», wie froh sie sind, wenn sie sich ein Stündchen ergattern können, "das man für den Besuch des Kinos, des Theaters oder anderer UnterhaJtungsstätten „besser" verwenden kann. Die Lehrer halten es! oft für eine, ihnen schwer zuzemutende. Belastung, unsere „strebjsame" Jugend im Gottesdienste zu beaufsichtigen oder ihnen gar. eine „Exhorte;" . — man höre und entsetze sich — zu „halten". Ueber den Wert einer ♦wahrhaft, der Form. Und dem. Inhalt nach gediegenen Exhone liier zu sprechen, wird man mir wohl erlassen. Sie kann, gegebenenfalls', den ganzen Religionsunterricht, und namentlich für die Oberen Klas's'en unserer Mittelschulen, ergänzen, wenn nicht gar ersetzen. Ich berufe mich dafür auf einen Mann, der eine Leuchte J _ -VT - " - funggeschichte der Genesis sagt: „Wenn nun bei' den Aegyptern und Babyloniem alles! Entwicklung! der eingeborenen Kräfte der Sonne, der Gestirnt und der Erde gelbst is!, soetrscheint hingegen Je. hova „(so schreibt Ranke, ich bitte tun Entschuldigung)" als der Schöpfer des Himmels'und der Erde, als: der Urheber Und zugleich' der Ordner der Welt. Alles! erreicht dann seinen Mittelpunkt in der Schöpfung des Menschen. ... In der mosaischen Kpsmogonie werden die Elemente, Pflanzen und vorgebracht, der dann jauch den Menschen schafft Tiere durch einen höchst intelligenten Willen her. als1 sein Ebenbild. Die Abweichung ist unermeßlich; der außerweltliche Gott tritt hervor, er erscheint dem Propheten in dem Feuer, ist aber nicht das Feuer; er äst in dem Worte, das1 aus' dem ----------------wui, "vi vixiv i-cuv-iilc * , ~- i--- — - ■, nr._i. der Naturwissenschaft nicht nur, sondern ein-Schul- Feuer gehört wird. Auf solche Gedanken und Worte ._____ •__■____t_ , ___ .. _ °____ ... •__ ____1 ~T_ „ Ai.cz rrin7P HY. mann im wahren, alten Sinne des1 Wortes, gewesen. Es ist der große Professor der Geologie und dabei große Idealist Eduard Suess' (nebenbei mütterlicherseits jüdischen Stammesj, von dem ich rede. In seinen, zum Lesen besonders empfohlenen, von . Seinem Söhne herausgegebenen „Lebenserinnerungen" behandelt er auch die Frage der Abschaffung des Religions'unterrichtes an der niederösterreiehiischen Realschule in, den Achtziger jähren des1 vorigen Jahrhunderts1. Suess war damals Referent für die Schulangelegenheiten im NiederÖsterreichiscnen Landesausschusse. Er meinte nun, wenn für die oberen Klassen der Religionsunterricht für nicht verbindlich erklärt würde, solle man ihn durch eine Exhorte ersetzen. Gerade die Jünglinge, in den höheren Jahrgängen, und jetzt spreche ich n u r von Uns; Juden, bedürfen der Belehrung, und Aufklärung; solcher Männer hinzuweisen, welche die ganze Er-: habenheit der Religion zum lebendigen Ausdrucke bringen, unsere Jünglinge zu erfüllen mit dem Ideälismus, der uns in dieser roh-materialistischen Zeit veiloren gegangen ist, sollten wir verzichten müssen? Man hat laJsio, um zu unserem Ausgangspunkte zUrück2viikehren, den verbindlichen Gottesdienst abgeschafft, die Rehgionsstunden eingeschränkt, will uns! gleichsam nur die Brosamen zuteil werden Dassen, die. vom reichen Tische des realistisch umgestalteten Unterrichts! s'pärlich izu Böden fallen. In den unteren Klassen, bis zur vierten, gönnte uns' die Regierurig zwei Stunden Religionsunterricht, auch da nur, nach einer nachträglichen Verordnung — ohne Nachträge geht's jiun einmal nicht — wenn die. genügende Zahl von Schülern vorhanden ist. Schüler der 4. Und 5. Klasjse haben genug mit einer