Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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®r:% Ofti Siöcli's" Wtfcfteiiscifrtft Seite 59 :*mtl^lr^^ dulden, daß derartige im ^UBfeeln^ö^ Existenzen Unsere Vernunft "tmd-iunstere bessere Einsicht niederzwingen wollen. Ä mit -ihnen I ::':•■..'•■■•''"*. * iDie Tatsache, <laß ieinige rus'sis'ch'e und polnisIcKe^ ^ösflGhiewistenfü jüdischer Abstammung isind, suchr ein Mitarbeiter der 3,KÖlnisehen Volks, zeirurig" damit 'zu begründen, daß "die Begeisterung vieler, rus&is'cher und polnischer Juden für den bolschewistischen Ziikünftsstaat nur eine Fortsetzung ihrer Jugenbegeisterung für den M e si s' i a n i s* m u s', d. h. „den Glauben an die Weltherrschaft des1 jüdischen iVblkesi" "sei.. Auf diesen Artikel erschien im genannten-Blatte eine längere Erwiderung vom HerrnRabbinefDr. S cheitelowjtz in Köln, worin der antisemitische Vorwurf, daß der Bolschewismus in den lehren-desi Judentums einen Nährboden finde, gründen! (widerlegt wird. Dia jüdische Religion, so schreibt p. a. Rabbiner Dr. Scheftelowitz, steht dem Bolschewismus feindlich gegenüber wie das Wasser dem Föuer. Sie gebietet die Wertschätzung und Hei- Ughaltting eines1:-'Menschenlebens!': „Wer nur ein einziges1 Menschenleben vernichtet, hat gleichsam die ganze von -Gott erschaffene Menschenwelt vernichtet; wer aber nur ein einziges1 Menschenleben rettet, hat gleichsam die glänze Menschenwelt gerettet" (Mischna tSanh. 4, 5). Sie bekämpft die Unsittlichfceit "Und betont die Heiligkeit der Ehe; sie verbietet jeden unrechtmässigen Eingriff in fremdes Eigentum. Als. Ebenbild Gottes soll der Mensch' Gott, dem Inbegriff der Sittlichkeit, ähnlich handeln; ebensto /wie Gott barmherzig und liebsvoll gegen" <alle Geschöpfe ist, soll auch der Mensch barmherzig und liebevoll sein. Die Schwachen sollen gestützt und gestärkt werden. Darauf beruhen vor atfem .die ^sozialen Gesetze der Bibel, die den Besitzenden zu uneigennütziger Hilfsbereitschaft gegen einen Hilfsbedürftigen im Weitgehenden Sinne verpflichten. Eines' der sieben Gebote, die Gott gemäß der jüdischen Lehre durch Noah' der Menschheit "verkündet hat, legt den Menschen die Pflicht auf, eine auf Recht und Gesetz sich stützende Obrigkeit einzusetzen und anzuerkennen (San. 56a). Der Jude Ist somit religions'gesetzlich verpflichtet, einer auf- R echt Und Gesetz sich stützenden Regierung, mag sie monarchistisch oder sozialistisch sein, Gehorsam, Treue und Ehrfurcht zu erweisen. Wie steht es' frun mit den mes'sianischen Zukuüftshoffnungen des' Judentums', die den Bolsche- [Wiäm'usi gefördert haben {sollen? Das1 Judentum erwartet am Weltenende diajs Erscheinen des Messias. Gott wird dann die Bösen endgültig vernichten, worauf die Zeit der restlosen sittlichen Glückseligkeit anbrechön wird, die frei ist von sinnlichen Leidenschaften- und Begierden. Das! Reich Gottes' wird die i ganze Menschheit brüderlich1 einen. Die wesent- Iichsten Züge des1 Melanismus sind: Die allgemein vorherrschende reinste Erkenntnis' des' einzigen Gottes^ die Betätigung der geläutertsten Sittlichkeit : durch den 'Wandel in deinen Wegen und der ewige, im Gefühle der (brüderlichen Zusammengehörigkeit 'aller Menschen begründete Weltenfriede, „denn voll wird die ganze Erde der Erkenntnis Gottesi sein, gleichwie das Wasser den Meeresgrund deckt" (Jesajasi 11, 9). Die Lehren des Judentums1 sind daher mit* den Theorien des1 Boslchewismus unvereinbar. Woher kommt es' a"ber, daß eine Anziahl russischer Und polnischer iBolschewisten von jüdischer 'Herkunft £st?' 'Aifetäaaitiß. - -harte - Knechtung-- imd so. ziales! Elend sind 'die Urquellen des' Bolschewismus. Im ehemaligen russischen Zarenreiche wlair die moderne Bildung die schlimmste Feindin der Religion. Esi gab "dort kaum einen Gebildeten, der noch gläubig war. Die Gymnasien waren die Brutstätten des Atheismus1. Jüdische Abiturienten, die, von solch materialistischer Weltanschauung erfüllt, die Religion verspotten 'gelernt hatten, fanden es besonders unerträglich, daß sie nur um ihrer Abstammung willen den drückenden Sondergesetzen unterlagen5 und viele von ihnen vom Universitäts Studium ausgeschlossen wurden, weil die Regierung Juden nur in beschränkter Anzahl zum Hochschulstudiiim zuließ. Voll "Verbitterung pflegten sie sich daher den radikalen, politischen Richtungen anzuschließen. Glaubenslose Elemente unter den russisch-polnischen Juden gab es bereits lange vor dem Kriege nicht nur unter den Gebildeten, sondern auch unter dem großstädtischen Proletariat. Von ungläubigen Studenten, die sich zur Aufgabe machten, das Volk! aufzuklären, waren sie mit den das Gemüt vergiftenden Lehren des Mateiialismus vertraut gemacht worden. Derartige glaubenslose Elemente, welche die schlimmsten Feinde der jüdischen Religion sind, haben sich nun mit Feuereifer dem Bolschewismus angeschlossen. Sie terrorisieren heute die jüdischen Gemeinden, suchen 'das religiöse Leben zu ersticken!, die religiöse Erziehung der Jugend zu hemmen, die Herzen der Kinder frühzeitig zu vergiften. Die gläubige Judenheit in Rußland und Polen leidet :eelisch schwer unter dem bolschewistischen Terror. Der Bolschewismus, deren Stifter übrigens .ein Russe Und kein Judenabkömmling war, ist der schlimmste Feind des Judentums. * Im übrigen ist die Behauptung, daß die meisten Bolschewikenführer Juden seien, - nichts anderes, als eine bewußte-antisemitische Fälschung der Wahrheit. Erst kürzlich hat der „Temps" eine Zusammenstellung der Führer Räterußlands veröffentlicht, aus' der hervorgeht,'daß die hervorragendsten Leiter der russischen Sowjetregierung nur zum sehr geringen Teile Juden oder jüdischer Abstammung sind, während sich die meisten aus den Kreisen des russischen Adels und des Bürgertums' rekrutieren. Von Geburt?adelig sind: Lenin,, die Volkskommissare Bontsch-B ru j ewitsch, Lunatscharski, Frau Kolon t^-i, Krasin und M ilsiutin, der pbmann des Zentralausschusses der Räteregierung Fürst Obolens'ki, der Chef des1 Zentralpreßausischusses Stiark, der ehemalige Finanzkommissär Moniski und der frühere Volkskommissar P j a t a n e w. Der Bourgeosie entstammten.: Volkswirt, schaftspräsident Rykow, dessen Gehilfe L'owow, die Kommisisäre N ewski, Krestinski, der Chef redakteur des Amtsblattes „Prawda" Mesch'. t sich er jakow, die Kommissäre Curjupa, Serena, Bucha r i n und N e g i n, die Parteiführer ' Rakowski und Smidowitsch, der Expräsi- : dent des Moskauer Sowjets Pekiowski, der frühere Generalissimus Krylenko, der frühere Hauptchef ViLzettis, die Kriegsräte P o w o i s ki und "]_ a t y - sichowitz, der ,Hauptkommandant der Südfront A n t o n o w, der Chef der roten Garde J u r e n o w>, der Präses des Komitees zur Bekämpfung der Gegenrevolution Dzenschin'ski, die Mitglieder dieses Komitees Peters, M e d w j e d o w und W o s e * lowski der Vorsitzende der Gewerkschaften