Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 58 Öp. Bioch's Wochenschrift! 'J Nr.-6 liberale Gesinnung gar oft beirri Judenpunkt hlailt macht. Wir möchten nicht mißverstanden -werden und erklären daher nochmals': Wir halten es1 für ein Gebot der Stunde und geradezu für eine staatsbürgerliche Pflicht, daß die jüdischen Wähler geschlossen für die jüdischen Kandidaten stimmen. Selbst in dem Falle, wenn der Kandidat Zionist ist, und 'die meisten jüdischen Wähler Nichtzionisten oder gar Gegner dej Zionismus sind, haben die jüdischen Wähler die Pflicht, ihre Stimmen für den jüdischen Kandidaten (abzugeben. Jüdische Stimmen für die jüdischen Kandidaten — das' scheint uns1 die beste Wahlparole für die bevorstehenden Piajrlamentswahlen in der ,Tschechb-ßlow|akei zu sein. üölsebewIgiQßs und Judentum, In seiner Zeitschrift „Nowäja Shisn" setzt sich der bekannte russische Dichter und Freiheitskämpfer •Maxim Gorki mit der törichten Anklage auseinander, die Juden hätten die bolschewistische Bewegung hervorgerufen oder igroßgezüchtet. Wie die -'Ausführungen Maxim Gorki's zeigen, wird auchLin Rußland mit aensielben Mitteln gearbeitet, IpKl auch nach denselben skrupellosen Fälschermethoden wie ihre Gesinnungsgenossen bei uns1 zu Lande, wo ebenfalls in den antisemitischen Lügen Werkstätten ^Proklamationen" fabriziert werden, worin geheime jüdische Organisationen zur Aufrichtung einer jüdi. sehen Weltherrschaft auffordern. Wir lassen liier die wesentlichsten Stellen aus oen sehr interessanten Darlegungen Maxim Gorki's1 folgen: „Die Gleichberechtigung der Juden ist einer der schönsten Erfolge der russischen Revolution. Dadurch, daß wir den Juden gleiche Rechte mit den Russen gaben, haben wir unser Gewissen van einem blutigen Schandfleck' gereinigt. Aber darum dürfen wir uns noch nicht als' „Wohltäter der Juden" ansehen, wie zahlreiche „gutherzige" russische Mitbürger in ihren Zuschriften an mich sich' selbst nennen. Nur nebenher möchte ich bemerken, daß diese gutherzigen 'Leute "so schamlos' zu fluchen verstehen. Wir haben unserem Vaterlande die Möglichkeit gegeben, die Energien solcher Volk'smassen auszunützen, die besser zu arbeiten verstehen ials: wir, indem wir die Juden von den Fesseln des' Ansiedlungsrayons• und der übrigen schmachvollen Beschränkungen befreit haben. Wir alle wissen, wie dringend wir der Mithilfe von Leuten bedürfen, die arbeitswillig sind. Demnach haben wir durchaus keinen Grund, uns selbst zu rühmen, und können uns' nur freuen, etwas' getan zu haben, was! ethisch und. praktisch gleich heilsam ist. Allein wir fühlen keine Freude, wahrscheinlich darum, weil wir keine Zeit haben, unsl zu freuen. Wir sind alle von der hohen Politik furchtbar in Anspruch genommen. Der Antisemitismus' lebt noch, erhebt von neuem sein Medusenhaüpt und streut wieder die Giftsaat des1 Hiaisses aus'. Wovon ist die Rede? Man sagt, daß unter den anarchistisch gesinnten Bolschewikenführern zwei oder drei Juden sind. Einige sprechen sogar von sieben und sind fest überzeugt, daß diese siebten Juden die hündertsiebzig Millionen rechtgläubigen, j Russen ins Verderben stürzen können. Das' wäre : eine -sehr lächerliche und alberne, Auffassung, j wenn sie nicht niederträchtig wäre. Der fürchtbare | Gott der Hebräer hat eine ganze sündige Stadt ge- \ schont, weil ein Gerechter in ihr lebte. Und diej jenigen, die Sich als! Tromm und! rechtgläubig be- £ zeichnen, wollen, (daß um zWei öder1 drei-od^5|fJ5'en iBolschewikiführer willen das1 ganze jüdiieh^^plfc büße? Wenn dies ihre wahre Ueberzeugung ist, dann könnten süe auch dagegen gar nicht. einwenden, daß für die Sünden dei echten Russen Lenin die Bevölkerung des ganzen Gebietes' von Simb'irsfc | büßen müs'se. Unter den Menschiwiken gibt esk viel j mehr Juden, aber meine Korrespondenten stellen | siieh blind und täub und behaupten, jeder Jude sei . Anarchist. Dies' ist eine außerordentlich ungerechte Verallgemeinerung. Es!'ist mir wohlbekannt und ich' is'ta'une darüber, daß die Juden in ihrer großen Maske- Rußland viel vernünftiger liebten, alsP die Rus-sjen; is'elbst. Das kümmert iaber die guten Leute nicht,, die irnir Briefe schreiben, obwohl esi jedemauffallen muß. Die Zeitung „Rjetseh.", ein sehr ernstes! Blatt, hat zahlreiche jüdische Mitarbeiter. Und die1 iMitarbeiter des, „Rjetseh!" sypatisieren Reiher- Weise mit den Bols'chewisten. Es gibt sehr viele Beweise dafür, daß die Gleichung Jude-Bolsthewist 'eine sehr dumme These ist, die nur vom zoologischen Instinkt einiger aufgehetzter Russen erfunden "jwlurde. Ich1 brauche die IBeweise nicht aufzuzählen) denn für den ehrlichen Menschen bedarf es1 keines Beweises', die unehrlichen aber kann man ohnehin nicht überzeugen. Die Dummheit is!t ein Krankheitsizustand, der mit 'Argumenten nicht kuriert [werden kann. Wer an dieser unheilbaren Krankheit leidet, der ist einfach' nicht davon abzubringen: Weil es] unter den;Bols'chew^ken 71f2 Juden gibt, daruhi 'ist; dasr jüdisthe jVplk jsthuldig 'und darum .. f ' ' Angesichts dessen erfüllt/(den; eh^ und gesunden Russen wieder einmal - dasi .<^efüh|i> der Furcht und ider qtuälerLden Schämt, wtenn er an Ruß, land denkt. Man mülS um den horten Schädel der Russen besorgtsein, welcher in den gefährlichsten Augenblicken des Lebens, den Feind stets draußen sucht und nicht in seiner eigenen Dü-mm* heit. Wenn wir all die törichten und böswilligen iÄus&treuungen lesen, welche die sinnlose und ab'-« stoßende Rachsucht den verstockten russischen Gehirnen eingeimpft hat, so ängstigen und schämen wir unsl für (dasi Rußland eines'' Tolstoi, derder j JWelt 'dasi humanste Schrifttum geschenkt-hat. I Man hat mir eine P r o k 1 i,ai m a t i o n eingesandt, | deren provozierende Erdichtungen unglaublich, uns geschickt iund einfältig {stod. D'jle Anrede inderselben läutet: ,5,Vertraulich'. Ah den Vorsitzenden der lokalen .Organisation des' Internationalen- Israelitischen Verbandes." Die proklämlaition schärft dem Vorsitzenden ein, mit ider größten Vorsicht vorzugehen. „Wir müssen rücksichtslos und~ unbeugsam bei Zerstörung der fremden Altäre und Throne verfahren. Wir werden Rußland jaiuf das! Knie zwingen. Wir werden alles: 'dartan setzen, um' das1 mächtige Volk der Juden in die Höhe zu bringen, aber.-wir, dürfen die Sache nicht überhasten und müssen vorsichtig sein." . Wen wollen diese 'Idioten mit dergleichen. Eri findungen er sehr ecken?' Wenn- 'sie Wenigstens!- begriffen hätten, daß man ein so ungewöhhlichV-e.m' stes!, an die Vorsteher des' Internationalen ,• Juden verbandest gerichtetes.. Rundschreiben in s heb! r ä i s! c h e r undnichtin russischer Sprache herausgibt dann hätten sie hinzugefügt: ,{,UebersetÄing an; dem Hebräischen." Wie beschämend ist .doch .rdiesi ganze Geschichte f. , Fort mit idiesem. -dunklen Gelichter ("Wi r .Ware] es; die Rußland' die ' Freiheit erkämpft haber