Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 4 (30.1.1920)
- Date
- 1920-01-30
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5ö Dr. ßloch's Wochenschrift Nr. 4 im Heere das Andenken unserer gefallenen Glaubensgenossen noch im Grabe zu schänden, indem sie die Juden der „Drückebergerei" bezichtigen. Die von den Antisemiten aufgestellte Behauptung, es hätten nur 11 Prozent deutsche Juden am Kriege teilgenommen, ist erlogen. Die Zahl der Kriegsteilneh-_ iner unter den deutschen Juden beträgt etwa 20 Prozent, die Zahl der. Frontkämpfer über 80 Prozent,, die •Zahl der Kriegsfreiwilligen über 21 -Prozent, die 'Zahlen der zu Offizieren Beförderten und Kriegsdekorierten, verhaltensich dementsprechend. Jn der ehemaligen - österreichisch-ungarischen Monarchie ist der Prozentsatz noch größer. Es muß betont werden, daß alle diese Angaben namen- und ziffernmäßig belegt werden können. Berücksichtigt man hierbei noch den Altersaufbau der Juden, deren höhere Altersklassen stärker besetzt sind, so wird man mit Fug -und Recht behaupten können, daß die Juden an Mut und Tapferkeit ihren Kameraden anderen Glaubens in keiner Beziehung nachstanden und man wird an, Hand dieser unumstößlichen Tatsache die Pflicht haben, jeden als Lügner zu brandmarken, der wagt, die,|Juden der „Drückebergerei" zu bezichtigen. . . Monisfiscae MärcheiL Aus einem Briefwechsel Eon Dr. Max Grunwald. Mag sein, daß es bis vorbehalten bleibt, menheit zu entdecken, Und da sagt das Judentum gerade " heraus:': Ja, Giott selbst ist, von dem das' Böse und das: Gut« kommt (Klagelieder 3, 38)?! „Ich bin es und keiner außer mir, der das Licht, bildet und die Finster-!nis, der das' Uebel schafft und den Frieden stiftet" (Jes. 45, 5)?! der fortschreitenden Erkennfcdort eine herrliche Vollkomwo uns jetzt klägliche, blöde Unzulänglichkeit entgegenstand. Gewiß ist alles Vertagen der Moral nur eine Anklage, die sich gegen die Menschheit selbst richtet und sie anspornen sollte, ihre Wegzeichen anders zu richten.- Selbst den physischen Schmerz gänzlich aus1 der Welt m schaffen, wird man vielleicht einst Mittel finden1. Und meines Erachtens hätte man sie längst gefunden, man hätte vor allem den Bereich des Menschenelends, eingedämmt, wenn die Menschheit Geist und Kraft, statt auf Kriegsrü^tuhgen ünd. Mordwerkzeuge, auf Mittel der Lebenserhaltung, auf Laboratorien1 zur Bekämpfung .verheerender. Krankheiten, auf gesunde Volkserziehung, auf Volkswohlfahrt im weitesten; Sinne »des Wortes verwandt hätte. Man hat gesägt^ die Medizin sei ein Unglück für die Menschheit. Sie konserviere minderwertige Individuen, die dann' immer-« elendere Generationen erzeugen müßten. Heißt das aber nicht, die Ursache mit der Wirkung verwechseln? Liegt der Grund einer solchen, vom Rassen- und Menschheitsstandpunkt unheilvollen Wirkung der Medizin nicht in. dem Tiefstand der allgemeinen Kultur? Kann auf krankem- (Schlass.) t Gegen die Ahnahme einer solchen Einheitlichm__________________________________________„ kät wiegt freilich schwer der Kampf, den der Geist j Boden überhaupt* Gesundes gedeihen? Trifft1 v der mit dem Widerstand der Materie zu führen hat. 'Sprechen die vielen offenbaren Disharmonien in der Natur nicht doch für einen Dualismus' weltbewegender; Gewalten?.: Hat Schiller wirklich recht, wenn er sagt:. "„Die Welt ist .vollkommen überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual"? Welche Unzahl von Lebenskeimen wird verschwendet, bis ein Samenkorn zur Reife, gelangt? Sollte darin nicht blinder Zufall herrschen? „Wenn, ein Mensch,", sagt Lange in seiner >,Geschichte des Materialismus", „um einen Hasen, zu schießen, Millionen Gewehrläufei auf .einer großen Heide nach allen beliebigen Richtungen abfeuerte1, wenn er, um in ein verschlossejnes Zimmer zu kommen, sich zehntausend beliebige Schlüssel kaufte und alle versuchte; wenn er, um eim Haus fcu haben, eine Stadt baute, Und die überflüssigere Häuser dem Wind und Wetter überließe, so würde wohl niemand dergleichen zweckmäßig nennen." Und immer wieder stehen wir vor dem Problem des Todes, vor dem " Greuel des Krieges1, den man für eine Notwendigkeit ausgibt, um die Welt vor Uebervölkerung zu bewahren, wie der Bauer die allzu fruchtbare Hündin erschießt und die Katzenjungen ersäuft. Begreift man nicht den Gedankengang jenes Spötters, der erklärte,. das einzige, was1 Gott wegen des Stümperwerkes seiner Schöpfung entschuldigt, ist,— daß.er nicht existiert? ( War es nicht der Anblick eines Mannes, der in Ausübung eines, biblischen Gebotes sich zu Tode stürzte, der Elise ha ben Abu ja, den .„Faust" des Talmuds, zum Gottesleugner machte? „Die Sünden Gottes" lautet der Titel eines Buches, das Max W i d m a n n einmal einer ausführlichen Besprechung; würdigte. Er beschließt sie mit den Worten: . „'Die stärkste Bejahung solcher peaeimist'ftclien Anschau ungeh über 'das All dürfte jedoch in der christlich-orthodoxen Lehre von den letzten Dingen liegen, da man wohl die Kritik am Weltgebäude nicht weiter treiben kann,- als dass man erklärt, es sei auf Abbruch gebaut und müsse «isera besser eingerichteten dereinst Plate machen.." gleiche-Vorwurf, wie die Medizin;, nicht ebenso die Rechtssprechung, die Pädagogik, kurzum alles, was gut geplant ist und heilsam wirken könnte, aber infolge der Verseuchtheit der Menschheit giftige Frücht© > üagen'mußi? Ich stand mit Freunden,ain Bosporus, als ein© Fliegerbombe in unserer Nähe krepierte und unschuldige Kinder in Stücke rißl „Wo bleibt (die.Vorsehung?" fragte man mich. Ich war um eine Antwort nicht verlegen. „Jetzt versteht Ihr, weshalb, wir Juden, so oft wir irgend eines Unheils erwähnen, das da oder dort, wenn auch noch so fern von uns geschehen, stets hinzufügen: „baawonöthenu ha-rabbim", „um unserer Sünden willen." Nicht ein: Fatum hat diesen Krieg'mit allen seinen zahllosen grausigen Einzelheiten erzwungen. Wir Menschen haben ihn verschuldet. Wir, jeder einzelne von uns1 sündigt jeden Tag und jede »Stunde, die er zu all der , Grausamkeit schweigt, die auf Erden geschieht Kein Mensch leidet unschuldig, solange hemmungslos1 schaltet und { waltet, was Menschen selbstverschuldeten Schmerz be- V reitet, und o^nn freilich' mit der WahHosigkeit einer Naturgewalt Unschuldige wie Schuldige trifft. , „Wehe, wenn sie losgelassen!" sagten schon unsere Alten von dem blinden Wüten der Elemente; „sie unterscheiden nicht zwischen Guten und Bösen 1" (Baba kamma 60.) Doch wehe denen, die die Lawine ins ELbllen bringen! : . , Sind aber , hiermit alle offenbaren Wider si n-, iiigkeiten in den Naturerscheinungen beseitigt? Augenscheinlich treten auch hier die beiden .Le.- bensjdränge zutage, die wir-. deutlich... wahrnehmen.1 in unserem Seelenleben,. in unserer Sittlichkeit. Der eine: treibt/uns . aus der geheimsten Tiefe unseres eigensten Ich heraus. Der andere bedrängt uns1 .in den Mächten!,: die von außen her "auf uns wirken'. Je nachdem bald der eine, bald der andere siegt, fallen unsere Taten aus : als gut oder böse. Zwischen beiden zu wählen, V2XL ejnt^chei^Le.n zwischen gut unxi böse", darin, liegt