Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-01-30 · 4 (30.1.1920) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
4 (30.1.1920)
Date
1920-01-30
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/3020846-3022397-3022402--28242-3053685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

iTr. 4 f Dr„ BIocfTs Wochenschrift S«it« i>l, tilQ^W;Meii^chWiÄä€;._ .Qaö^mr dem" „guteS; tfrieb" 4 (jetser tob) in jedem Falle, und wäre es selbst unii den« Preis der physischen Selbstvernichturig^ zum Siege fber den;,Trieb des Bösen" (jetser hä-ra) verhelfen 1 können^ d^Ss erhebt uns,- wie die alten Bibelerkläre» 1 lehren, über die Engel; darin liegt unsere Gotteseben- \ . &ildhcrxkeftt.. In der Nätu'r' ist es1 Gott allein, idep, nach | uns unbekannten GesichtspiinkteR, den Sieg des einen ,pder des anderen Lebensdrangfes' eiitRcheidöl;. Im Reiche der Sittlichkeit liegt die Entscheidung einzig lind allein in unserer Macht. In keinem Falle stehi Gott selbst im Kampfe mit einer ihm feindlichen ebenbürtigen Gewalt. - Er ist es-nur, der im'fKampfe zweier einander feindlichen- Faktoren Sieg oder Niederlage bestimmt; UnverbrücHlrcis; waltet in allem Seienden ein Ge- _ setz: keine Ursache ohife .Wirkung, keine Wirkung ohne Ursache. In diese unlösbare Verstrickung treten wür mit jeder Tat; mit jedem Schritte ein. In jedem,' Augenblicke stehen wir, wie Herkules, am Scheide- Vrege. In der Richtung aber, für die wir uns! entschieden haben, werden wir von Gewalten fortgezogen, gegen die wir machtlos sind. Der, Weltkrieg und seine maßlose Verlängerung S^t. tins ja grell genug gezeigt, wie der Mensch; einmal auf verkehrtem Wege, zum willenlösen Sklaven »einer, eigenen Erfindungen wird., „Das Eiserl zieht den. Mann an." Die Mordwaffe, die er geschmiedet, kihrt sich gegen ihn selbst. , Wie Schiller sagt: „Der Mensch verarbeitet, glättet imä bildet den rohen 'Stein* den die Zeitefi herbeitragen; ihm gehört der Augenblick und Her r^tö; aber die Weltgeschichte, rollt <ler Zufall. . ," -o<3er"wi^-§c^iIl'«r selnst sich sogleich berichtigt: „ein höherer'"'.3f>£3tand.'r Das Herz eines, Pharao wird ,,veifliSrtet" und 'i^feiis't'flin.lüiatiftotSäin^ wie in Stromschnellen*, seiner Strafe zu. UncLwenti auch ^Gottes Mühlen" mit- ..tinter jilärigsam mahlen"> jede Tat löst die ihr sittlich entsprechende Wirkung aus nach demselben Gesetz, tiäch dem kein Sandkorn seine -Lage verändern kann, Önne; daß-von dieser winzigen Umschichtung Wirkungen ausstrahlten ins ganze Weltall. „Die Welt geht Ibrfcn Lauf." „Alles wird vom Schöpfer bestimmt, fetife — der TaF des freiheitbegabteri Menschen." "Auch & wird Schöpfer, wird Herr über die Natur, indem er sich überwindet/ indem er eins wird mit dem Willen Gottes und. damit die Einheit der Schöpfü'ng wiederherstellt, die er einst gestört durch den Abfall von Gott. Ob es ihm je gelingt? Öäs Judentum erhofft ^Sin dem Glauben an die Zeiten desHMessks, Das!4 Judentum träumt noch immer von einem P a r a d i e s de'r Z u k u nft. Es bleibt, trotz Schopenhauer, die fröhliche Religion mit dein „lachenden Gotte" (Psalm 2, 4), mit dem unverwüstlichen" Optimismus1, mit der Förderung jedes Fortschrittes zum Menschheitsideäl. Es hofft, daß mit der .Zeit doch, um Li eilte nnergs Ausdruck zu gebrauchen, die lebendigen* Heiligen in' der Welt mehr ausrichten werden; Eis die geschnitzten. Bis dahin, lieber Ernst, müssen wir uns damit begnügen, bis zum äußersten an der Erreichung dieses - Zieles mitzuarbeiten. „Der Menschheit ganzer Jammer" muß uns nicht nur „anpacken", sondern auch zu Taten treiben, um ihn zu lindern und einzudämmen. Ihn aufzuheben, bleibt der Zukunft überlassen. :Unser persönliches Lebenziel und unfere - Seligkeit erreichen vwir aber schon, wenn wir. „strebejnd uns bemjiht". ^N.icht an uns ist &e Vollendung", heißt es in .den: „Sprüchen der Väter", Oder mit anderen Worten, so ungefähr lautet ja wohl der Trost des . Dichters : „Nichts Yolieirdetes hieniedan;. Ward .je dexa" TolJ^ndtmgsdrang. Doch gibt das Herx sieh nur zufrisd^a, Wen» *s nach Vollendung rang . . .* ] Yom Jahrmarkt #s LebeBS. ]' Wetterwendisches Deufschtunr. I ' . Bekanntlich haben wir Juden eine solche An- \ zahl von Fehlern, daß man ganze Jahrgänge anti- ' semitischer Blätter braucht, um sie halbwegs anzu- . führen und zu beschreiben. Einer unserer Haupt- ,: fehler aber ist, wie die Antisemiten (natürlich mit " Nachdruck) betonen, Gesinnungslosigkeit. Muß es ' nicht einen echt deutschen; unentwegten Germanen in; tiefster Seele bitter "verdrießen, \ wenn er sieht, mit \ welcher unheimlichen Geschwindigkeit wir Juden.« den [ Mantel nach dem Winde.,zu drehen verstehen 1 Wir t wandern aus Deutschland aus und sind' in wenigen; Jahren Ulträ-Amerikaner. Wir sind heute Monarchis- 1 ten und morgen Republikaner. Wir wittern, was politisch in der Luft liegt und machen sofort Geschäfte daraus. Das alles; .muß einen treudeutschen Mann bitter kränken, der lieber zugrunde geht, ehe er von Seiner Meinung und Ueberzeugung etwas opfert. In dieser felsenfesten Ueberzeugurtg von der festen deutschen Gesinnungstreue werden wir jedoch durch folgenden Bericht gestört, den wir m der ./Beichspost" finden und der lautet: W«>tcrvrtitfHieaas Deutsch a*. Was eis gewisses,: mehr im Mund« 'als itt Hsrxani gairagtnss Deütsci>ta<c, das sich eelagenthch »ich b-i «at si&.ande wieder meldet, wert ist davon wssen di* bedrängten Sudeniftutschen j-trt einiges zu erzählen. So berickUt jtwjat im ,Zo«i»er Wochenblatt" ein feinsendor: Am *«uja«r»morpen ' begegnete. ich vor der Kapuzinerkirche '•in«r Örupp«. von drei "alt n Bekannten, die ich? mit einem herrücken „Prosit Neujahr!" begrüsste. Leid-r verstanden sie die deutsche Spsack* jnicht mehr, m deren Wohllaut sie früher schwelgten. Sie «ähUeu »or dem 'Umstur/, zu unseren „Unentwpft«st«na, w»hnte'n am 15. Dczetober 1918 nch der denkwürdigen Uaaif«sta!ionsT«rsammlung im. Deutscheu Hause b<-it vro s'i9 i«m damaligen Staatsrat Oskar Teufelam stürmischestes zujubelten. Ais aher am nächster» Morgen die am Oberen Platze a-«fgest lltek* sehmuckea KriexeTgestalten -ihres erb banden Gesas; erschallen Hessen (d*r Verfasser meint den' Aufzug der tschechisch«»» Trupp»n;in Zneitin. D. 8.), da verschlug es meinen •drei Freunden.die — deutsche Sprache! Aus war's! Ich*'fragte den einen" um . seinen Namen. „Mon ' nome-_ je Zfjdll" erwiderte er im schönsten Französisch, wie er es von d-n Sen<*galssen in Flanoern gelernt hatte. Und ich Verblendeter glaubte, er «ei mein ehrenfester Volksgenosse Seid!. Ich war daher sprach* und ratlos vor solchem Mysterium. — Der zweite, den ich fragte, ob er den nicht mein Fieund Brauner 3«i, antwortete mit einer Sicherheit, die mich entwaffnete, *r wäre seit mindesteus draissi? Jahren in Rom ansässig. n-3o sonö il maestro Brounr!" belehrte er raichf verschwieg aber, wie u> d als was er nach Italien gekommen war. Ich glaubt« mich erinnern zu können, dass er noch im letzten Jehre vor dem Kriege in verschiedenen Gastwirtschaften als „Maurerklaviervirtuo eu auftrat. — Der dritte war einer meiner Schulkollegen. Ich kannte ihn —- er mich aber nicht mehr und stellte sich mir als ,Karet Sneperk.* vor; in der Schule und auch noch uumittelu.tr vor drm Kriege hiess er allerdings Kar. Schneqberg-. Er leugnete difs .... Aus dem Briefwechsel Wilhelms II. mit dem Zaren. Die Privathriefe, die der frühere deutsche Kaiser Wilhelm II. an den ehemaligen russischen Zaren Nikolaus, seinen „lieben Niky", geschrieben hat, füllen jetzt die Spalten der deutschen* Tagespresse. Man kann nicht sagen, da& £urch diese „Sensationen" unsere Kenntnis der früheren Ereignisse und der damals maßgebenden Personen wesentlich bereichert würde. Nur unter dem Gesichtspunkte äer Machtfüile und. der Ausnahmestellung des; Brief-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.