Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 3 (16.1.1920)
- Date
- 1920-01-16
- Page
- Seite 47 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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&>, ß. tk. BUOm% ViQm&mGÜ&iBX. amtW*"1 sehen." -Alse diese Präge «ei Euch-geschenkt. Nun aber die zweite Frage: -Wie schwer ist der Mond?" j,Er wiegt genau ein Pfund/' erwiderte Herach, v.wenn Ihr^es aber nicht glaubt, dann geruhen Euer Gnaden, nachwiegen jsu lassen und Ihrwerdet Euch gleich von der Bichtigkeit meiner Antwort überzeugen." Der Fürst lachte. Und es war das erste Mal seit seiner Gebuit, daß der Fürst lachte. , „Nun", sprach er, „sage mir noch, wieviel bin ich wert?" „Soviel als unser Erzvater Abraham", antwortete Hersch gelassen. Der Füret fühlte sich damit sehr geschmeichelt. Doch sprach er: „Und-das .wäre?" j,Es stsht in ..der Heiligen Schrift," erwiderte Hersch, „daß Abraham: zfu Gott sprach, er sei Erde und Asche. Es steht nicht, wieviel Erde und wieviel Asche, doch da wir die Bescheidenheit Abrahams kennen, so müssen wir annehmen, daß er dabei an die vier Ellen Erde, die sein Eigen sein werden, wenn er *ur Asche ^werden wird, gedacht habe." Dem Fürsten gefiel die Antwort varzüglioh und gab sich mit ihr zufrieden. - Schließlich kam die vierte Frage: „Wae glaubt der Fürst?'* . Hersch; antwortete: , „Ihr glaubt, der Eabbi von Miedziborz siehe vor Euch, in Wirklichkeit aber steht vor Euch nur sein niediigsterj Diener, nämlich: Hersch Ostropolski." £-■-£?" < .'" yWSKs' "^7E>- E5i v -'.v, ,*- ■ ■ ■ ^>5v3 . .V «»«WS -.X**-"**? * **--«3it i£s£*,z f¥misrm§!«, Coüni4' . Ia der vorigen Nummer inaben wir in dem Artikel „Zum hundertsten Geburtstage Theodor Fontanes" eint kla^isches Beispiel :angefüh£t; wie - der "deutsche . Adel .seine Dichter . lehrt. Es mag. ergänzend daran erinnert werden, daß Fontane selbst diese „Dankbarkeit'' de3 deutschen Adels seinen Dichtern gegenüber "in einem bitterbösea Gedicht gegeißelt hat. Wir meinen jenes viel besprochene Gedicht, das der Dichter gelegentlich seines -75. Geburtstages geschrieben hat und dessen .Schlußvers „Kommen ~ 8ie, Cjöhnl" beinah zum geflügelten Wort geworden ist. Der -Dichter schildert darin, wie er an - seinem Geburtstage Idie Besuche und Huldigungen des deutschen Adelst den pr In seinen Werken verherrlicht hat, erwartet. Er wartet auf die Arnim und Kracht, auf die Bülow und Bochow, die Itzenplitz und Zitzewitz; aber keiner von allenv diesen kam. Aber — „— die zum Jubeltag da kamen,' i Das waren dochsehr andere Kamen, Auch! Iifsans peur et reproche' onne Furcht und Tadel, Aber fast schon ivon prähistorischem Adel: Die auf ,berg' und ,heim' sind gar nicht zu fassen, Sie stürmen ein in ganzen Massen, Meyers kommen in Bataillonen, Auch! Pollacks und die noch östlicher wohnen; Abram, Isaak, Israel, Alle Patriarchen sind zur Stell*, Stellen mich freundlich an ihre Spitze, . Was sollen mir da noch; die Itzenplitze?; Jedem bin ich was gewesen,? Xlle haben sie mich gelesen,"; Alle kannten mich länge schön Und das ist die Hauptsache* . . . Kommen Sie, Cohn!""- Fritz M a u t h: n e r erzählt anläßlich des 100. Geburtstages Fontanes in -einem schweizerischen Blatt folgende reizvolle persönliche Erinnerung. Er schreibt: „Die Nachfeier beim Geburtstagswein (bei Fontane) brachte uns noch eine besonders frohe Ueberraschung. Ich glaube, es war; Fontanes Tochter, ihm geistig so «vertraut, die es uns verriet, daß der Vater-inden letzten Tagen neue Verse gemacht hätte. Der Dichter schmunzelte vielversprechend^ Wir baten, Fontane holte einige Folioblätter aus der Nebenstube, fackelte nicht lange und las vor. „Nichts für die Oeffentlichkeit", hatte er nur mit einer uns ehrenden Verbeugung gesagt. Es war das Gedicht, dessen Schluß seit* dem für alle Fontane-Verehrer beinahe zu einem LgefIiV gelten Worte geworden ist. „Kommen Sie,'Cohn!" Man kennt! das .bittere Gedicht; ich habe, es nur nicht bei der Hand, um: es abschreiben zu können. An seinem Ehrentage erwartet dar 'alt? Fontäne mit Bacht, der altpreußische Adel werde ihm zum Dank für seine Ballade» and für sein»' „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" huldigen, we« v : nigstena einer der Herren auf -itz,J auf -wätz, -lite un*| -ow werde den jäänger der Mark und des .märkischen Adel» feiern helfen. Sie versagen alle; sie wollen nichts vöa " ihm wissen, wie die Hohenzollern nichts von ihm wissen- Da faßt Fontane den Arm seines bürgerlich-jüdischen 'Befc- Wunderers: „Kommen ßie, Qohhl" Man kann sich vorstellen, wie das Gedicht, vom > Dichter mit kaustischem"... Humor vorgetragen, auf den engen Kreis seiner jungen. Verehrer wirkte. Wir waren alle entzückt. Er aber wehrte ängstlich; ab; die ganze. Ohose dürfte nicht bekannt wervj den, sie würde ihm Unannehmlichkeiten von beiden Seiien-. zuziehen. Wir hatten Mühe, ihn. vom Gegenteil zu über» , zeugen, ihn zu einem Abdruck der keckenVerse zu. über- . reden, fch brauche den'ialten Fontane, der eich kaum' irgendwo so wohl fühlte wie in dem <Hause eines jüdische^ Bankherrn — eine3 von der jetzt, ausgestorbenen Schule —• und seiner feinen, unvordringlichr ammitigen Frau, nicht gegen den Verdacht eines dummen Antisemitismus zu verteidigen." * _ Däate unti Immanuel. Unter diesem Titel erschien im „L'univer» Israeliten {7. novembre 1919) folgende bemerkenswerte Notiz: „©&- schon uns. noch zwei Jahre vom sech shu n de r fcs tsta; Todestage p a n t e's trennen, kündigt man uns schon an, daß die Kirche zur Feier dieses "Gedenktages besondere Anstalten treffen wird. Sie verzeiht ihmdemnach die Seitensprünge -meiner- 'Theologie, die nicht immer orthodoÄ war, wie die blutigeni .Hiebe, mit denen ~er gewisse Päpstehund-, Kardinäle regaliert hatte. Sie vergibt ihm also" gleichfalls^ die* Freundschaft eines Juden, dei Dichters Immanuel di Borna (geb. ungefähr 1265, gest. um 1339^. Er »taria iin ^herzlichen Beziehungen zum unsterblichen. »Sänger der^. „Divina Gommedia"; er ließ sich. in. seiner Beschreibung' der Hölle und des Paradieses von ihr inspirieren. Man hebt zwischen dem italienischen und dem hebräischen Dichter einen Unterschied hervor, der den Abstand; zwisehoo ■' Katholizismus &nd Judaismus kennzeichnet^ Im Werke Dante's sind sämtliche . Heiden aua dem- Paradiese ausgeschlossen; da sie" Jeaum nicht /fcahaterit," können "sie nicht der r ewigen Seeligkeit teifhafife "werv * -den. Der jüdische Dichter dagegen begegnet in^aeinem - Paradiese tugendhaften-Menschen als der heidnische» Welt, : die dank ihrer weisen Einsicht den einen Gott als Schöpfer und Vorsehung der Welt erkannt haben. „Im gleichen i. Geiste der "Toleranz werden auch wir uns den Huldigungen alm Gedenktage Dante's gesellSn", sagt zum Schlüsse der Autor. Esthj-er». Literatur. Di« Gesetze der. Sehrt :tgej«hic!iie. Konfession, und Alphabet im Leben;der Völker von Matthias Miese». Verlagr der ünivordät>Bjcnhandlung Wihe'm Braamül 1-6r, Wien-Leipzig 1919. 506 Seiten. Preis K 5$.—» M. 88—, Der Judaist Matthias Mieses, Verfasser der .,Ent* stehungsursaehen der jüdischen Dialekte" (Wien. 1915, Yer- ■< lag Löwit), wte auchzahlreicher änderer Publikationen in deutscher, polnischer, hebräischer und jiddischer Spritehe/ leistet sich hier kein judaistisches Buch, aber doch ein. Werk, das von erstem Intersse sein soll für alle, die aichr für kulturgeschicht.iche Probleme des Judentum» irgendwiein teressieren. Im Zusammenhange mit Schriftfragen der diversesten Völker werden hier auch die Erscheinungen des Schriftgeschehens des Judentums ausführlich behandelt — aie machen beinahe ein Fünftel des Buches aus — und •werden so manche Absonderlichkeiten der jüdischea Schriftverwendung und -wertung einer Lösung zugeführt. Maa lernt hier, wieviel die jüdische Kulturgeschichte gewinnt, wenn sie aus ihrer Isoliertheit herausgerisisen. und als eine Partie der allgemeinen Kulturgeschichte im engsten Konnex mit den Phänomenen des Geisteslebens aller «Völker be> handelt wird. - :' Die Frage, warum die Juden «ehr oft bei Sprachwechser auch ihre Schrift nicht vertauschten, kommt hier zur" Br^' örterung, wobei Eevue über fünfzehn, meist unbekannte»^ fremdsprachliche Literaturen in jüdischer- Schrift pasisferS' wird! Dem Leser geht ein Licht auf, wenn er eine groCfe*; Anzahl von Analoga bei KahlreicMii' Völkera *»g«lunrt*