Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 3 (16.1.1920)
- Date
- 1920-01-16
- Page
- Seite 48 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 48 Dr, BLQßH'S WOCHENSCHRIFT. - sieht und er jüdischen Seariftkonservatiamus bloß als eineu iä^lfall jdin.es aUgememen, unter gewissen kulturgeschiclitlicfien Uinständen immer und überall mit physikalischer Notwendigkeit «intretenden Gesetzes beobachtet. Die Einführung der Quadratschrift bei den alten Juden anläßlichdes samaritanisehen Schismas gewinnt in diesem Buche ganz neuen Sinn, im Zusammenhang mit der allgemein» festgestellten Norm, daß jede sakral-konfessionelle TM-.. ferenzierüng allerorten auch eine Scheidung; hinsichtlich der Schriftform herbeiführt. ..........Der Mangel an Analph'abetfemus bei den Juden, der sich' aus dem großen Kulturalter nicht erklären läßt — im" Griechenland, im Italien fLer Gegenwärt wimmelt es von Analphabeten r—. wird auf allgemeine konfessionelLpsyjchoiogische. Gesetze zurückgeführt. Das Bätsei der Heiligkeit der Schrift bei den Juden wird nach, einer -möglichst vollständigen, erstmaligen Heranziehung des ganzen bezüglichen altrabbinischen, wie auch zahlreichen - jüngeren kabbalistischen Materials, der Sonderstellung entzogen, in eine Beihe ähnlicher Weihephänomene ^bei den diversesten Kulturkreisen eingegliedert und auf Grund eines umfangreichen folkloristischen, religions-, literatur- und schrifthistorischeh Materials auch erklärt. *_ ,.: Das Problem der Schriftlichtung wird hier zum erstenmal gestützt auf einen weitschichtigen, konkreten' Quellenappa- - rat-untersucht und -einer höchst originellen Lösung zugeführt. Die Bechtsfrage der jüdischen Schrift seit der Emanzipation kommt hier unter Heranziehung einer großen Anzahl längst, zumeist vergessener, östex'reichischer, preußischer, schleswiger, hanncveranißcher, polnischer und algerischer Verordnungen zur Behandlung, in * Gesellschaft einer Menge ähnlicher Rechtsfragen be;i anderen schrittverschiedenen Minderheiten. . . .! - .Das * Buch) üst gelehrt, aber nicht -schwerfällig, fußt auf ganzen BibHoth'eken,^.a1t>er ddcbJauch? rux Laien zugänglich^ löst zahlreiche jüdische kulturhistorische Fragen, ist aber <dennoeh!. für■-■ den allgemeinen Leser .bestimmt, dem es" Entwirrungen für eine kaum übersehbare Fülle von Problemen in der Schriftgeschichte, die doch einen bedeutenden Teil der Kulturgeschichte bildet, bietet. Die neuen jüdlsidbJe.n Monatshefte haben als ihr Heft 2 bis 4 ein Sonderheft herausgegeben, weldb.es dem jüdischen Birtjh gewidmet ist und eine, Beihe ausgezeichneter jAüfsätze enthält. Es genügt, einige dieser Beitrage* anzuführen, um die Bedeutung dieser äußerst begrüßenswerten Publikation zu charakterisieren: Chaäm-Nachp man, . Bialik:. Das' liiehrajisclhe Buch. Prof. Dr. Hejrm. Piek: JüdisjcfK£ Druckstätben; Prof. Dr. A. Ereimann: Der gegenwärtigef^Stand der;-jüdischen Bibliographie. Prof. Dr. Heinrich' iibiwe- Jüdische Bibliotheken im Lande Israel! Dr, Nahumi Goldmann: Ben Awigdor, der Schöpfer des modernen hebräischen Buches. Dr. S. A. Horodetzky: Das erste Buch' des Chassidxsmus. Dn Elias Hurwicz: Das Buch der Bücher. Berichte über die jüdischen Verlage u. a, Preis .des Sonderheftes 2.10 Mark. „Sang- und Klang-Almanach 1920. Herausgeber Adolf WeiBmann. Beiöh illustriert, mit Beilagen von Wein- , gartner, - Nikisch, Humperdinck, Bie. Neufeld und Me- .nius, Verlag, Berlin S.W., Preis 3.50 Mark. -Eine auserlesene Gabe für jeden Musikfreund und Buch- . ßebhaber, sowohl durch seine Ausstattung, als durch sei-' neh Jjahalt. Der künstlerische, prächtige Einband, die vollendeten Beproduktionen der alten Stiche und der 4x'eff: lieliieInhalt gereichen dem Herausgeber und dem Verlage zur $asre... . :" '■" ' , ' ... " - Ä Briefkasten. ,Ejandidat 45. B.l. Da Dornbach^euwaldegg, Sievering, rH$tteidorf usw." gibt es keine > Betlökale. In Sievering : pflegt im Sommer von den Sommergästen ein Minjan veranstaltet zu werden. 2. Unsere „Wochenschrift'' ist nicht in" der Lage, solche Minjanim xu organisieren. Auch' ein Abdruck eines Verzeichnisses sämtlicher Öffentlicher, pri-; vater Bethäuse^ "Wiens is$ ••tech^eh.^unmö^liQh.'' -und -:mit';.. solchen Kosten verbunden,, welche die. „"Wochenschrift" auf-, zubringen nicht in,.der Lage ist.. . D, E. An Stelle von Man d e 1,. der zum Abgeordneten gewählt wurde, hat Clemenceau ebenfalls* einen Juden^ Worms er, zum Kabinettschef berufen. Außerdem ist iin seinem Privatkabinett auch1, der Jude Hagenau er tätig. Mandel ist der Sohn eines jüdischen * Schneiders namens Rothschild, er nahm aber den Familiennamen seiner Mütter ' an, um. zu keinen Verwechslungen mit der Millionärsfamilie Anlaß zugebend Man glaubt, daß Mandel Minister, des Innern werden wird.? - Kl. Daß der syrisch-phönizische Tammuz, dessen gewaltsamer Tod von den Weibern am . Tempel tore, die nach Sitte der Trauernden auf der Erde saßen," beweint wurde (Ez. 8, 14), nichts anderes war als Adonis, dem wegen des unglücklichen Todes durch den Eber des Mars alljährlichim Hochsommer eine Todesfeier gewidmet.war, haben bereits Hieronymus und Cyrillus '(zu Jes. 18) richtig bemerkt, . wie denn auch' die Vulg. Tammuz durch- Adonis wiedergibt. Zu denEfiaimiten ikam der Kultus aus Syrien (Zach1:12,11". Vgl/' Ohwolsohn, Sabäer>II. p., 27 und 201-, 459, 606. -Peters--' bürg 1860). üeber die Identität von Tammuz und Adonis: Liebrecht in Zeitschr. d. D. M. G. XVH. S, 397fg. Wenn Ez. 8, 14, darüber sich' entrüstet, daß " dem Eingang/ des Tores zum' Hause des Ewigen gen Norden Weiber sa- •fien und beweinen den Tammuz", so wird also mit diesen Worten der phönizisch-syrische Kultus gezeichnet. Zweifellos-;, hängt diese Trauerfeier mit dem Astralkultus der Babylonier und Phönizier zusammen. (Ezi. 8, 16, Schildert auch die Szene einer Anbetung der Sonne.) Ueber den Kultus" des zu Tode verwundeten Adonis in Alexandrien, wird gemeldet, daß sein Bild in einem- Prac'htkatafalke von .We>" bern in gürtellosen Gewändern mit aufgelöstem Haare umhergetragen, um schließlich unter Klageliedern und Trauer-. gesängeh in das Meer versenkt zu werden.. — Daß der schöne Jüngling Adonisden \Sommer, dessen tödliche Verwundung den Beginn des Herbstes vorstellt, geht schon,---wie Sie, mit Becht betonen, daraus hervor, daß Apb!ro di te, welche den. Ado nis liebt, von Z &u s zwar nicht dessen Errettung vom Tode, wohl aber" dessen zeitweiliges Erwachen bewirken konnte; A d o n i s sollte . nämlich! hür-die Hälfte des Jahres bei der ihn nicht minder -Hiebenden Perseph'on.ö im Schattenreiche, die andere "Hälfte,.des Jahres aber bei Aphrodite weilen. Ist somit Adonis als der Inbegriff des .ganzen Sommers anzusehen, so kann kein Zweifel darüber herrschen, daß der: ph'öhizisch-babylonische Gott Tammuz den schönsten m> ' ter den Monaten der sommerlichen Jahreszeit, somit gleichfalls einen schönen Jüngling vorstellt, dessen Ende ' die Weiber am JSingange "zum1 Tempel zu^ Jerusalem leweinten; In den Monat Tammuz fällt in der Eegel die Sonnen-- wende; sein Nachfolger ist der Monat Ab; der Vater des Monats, in welchem der Sommer meteorologisch seinen Höhe- - punkt erreicht, um sodann mit ".dem' Niedergange zu beginnen, denn schon, ist die Abnahme der- .Tageslänge merklich!." Somit konnte die Trauer über den Täm'mu'z nur in den Beginn des Monats A b verlegt werden. So ergibt sich, daß vor der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem im ersten Drittel des Monats A b ein.-heidnischer Trauer-s tag, vermutlich sogar ein Pasttag, dem heidnischen Astral-« kult geweiht, abgehalten wurde. — Ist es nur Zufall, daß dieser ursprünglich heidnische Trauertag des Tammuz nach' der Bückkehr aus . dem Exil, , nach: der Eesti--. gung des monotheistischen Gedankens, nach Ausmerzung aller heidnischen "Gebräuche mit' dem nationalenv Gedenktag des 9. Ab zusammenfiel? Die Zerstörung des Tempels durch Nebükadnezar hat (Jer. 52, 12) am 10. stattgefunden (H. Könige 25^ 8, wird der- 7. Tag angegeben)r Kt. Aschkenas (Gen. 10, 3; Jer.. 51, 27) bezeichnet nach! ethnographischen Forschungen in Uebereinstimmungj ' mit jüdischer Ueberlieferung einen Volksstamm,-, der teils über den Tanais, teils über -den Hellespont in^ frühester Zeit aus Asien , nach) Europa vordi'ang und seinen Wohnsitz ia skandinavischen und germanischen Ländern. nahm. Wir notieren gerne Düren Hinweis auf eine deutsche Üeber-, lieferung, welche in Form1 einer Volkssage in der bekannten Sammlung "Grimm-s -enthalten ist und der. zufolge der erste.König der Sachsen „Aschenas" (Axkanius) ge-. heißen haben soll. Daß der* sächsische Stamm für den, Gesamtnamen des deutschen Volkes aufkommen' mußte, ist um'so weniger ..erstaunlich^ .als noch heute' die Germanen; als D e u t s che (Teutonen); ...als Schwaben oder Sa c hsen bezeichnet werden. .8*auRsgei>*r: Dr. Josef 8 filoeb. — Ve»ntT?prt4ifl.f c Bidakteur: Maz Ed * S||W. - Bxwk?«Berk & fei r. Wi«B,TU>