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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-01-16 · 3 (16.1.1920) · p. Seite 46

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
Seite 46 (sequence 14)
Language
German
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Dt ftfcoers woosÄSscflKm v .- -. , L«lUa-a ex, ~-,der Präsident der hauptstädtischen Gewerhekorporatson der Fleischhauer und Repräsentanzaiitglied der'Gemeihäe — hat nun au3 eigenem Aatriö^e -diö schlierige Au^äbe übernommen, eine Sankhlung zur Dedkung des~Öe5zita der obgenannten beiden ^täier, aber auch der übrigen, durch die Verheerungen des Bolschewismus" in Mitleidenschaft gezogenen humanitären Anstalten der Gemeinde einzuleiten, vöie Opferwilligkeit der Pester Judenschaft versagt auch diesmal nicht: schon in den ersten Tagen hat Herr Leßlaüer -aber 200:000 Kronen aufgebracht und liegt die Hormung, die ganze erforderliche. Summe aufbringen zu können. v . Kinder nacfc ScMeste». 15er F«reiß ^Ferienheim1" in Wien wurde? aufgefordert, 500 israelitische Kinder _aus dem' Wiener Mittelstand in zwei Gruppen' zu sechswöchigem1 Aufenthalt in Schlesien, zusammenzustellen, Die Kinder finden daselbst in Priyathäusem Aufnahme und gute, kräftigende Ernährung, welche von den Behörden gewährleistet wird^.sie haben 'überdies) Gelegenheit,: deutsche Schulen zu besuchen. Da die Ahueise für Anfang Februar beabsichtigt ist,, sind umgehende schriftliche Anmeldungen für Knaben und Mädchen von 10 bis 15 Jahren zu richten an den Verein „Ferienheim1", IX., Türkenstraße 1? (Telephon 17705). B^Sö, im Dezember. Dif» Besetzung des Lehrstuhls Emil Fischers, des berühmten verstorbenen "Chemikers, bildet das Tagesgespräch der interessiertenakademischen Kreise. Als erst i Kandidat wkr■' Professor; Dr. Richard 'fti 1 lstätfer genannt, ein Schüler:A. v. Baeyers, der im Jahre 1915. mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Profes-/ sor"i]Jr. iWiflstätter, ein geborener Karlsruher, hat tt'<^-lntZ'-^'£]iorachung.der Alkaloide, sowie um die Änälärung%der chemischen- Vorgänge in der Pflanze sehr verdient gemacht. Der Gelehrte war Dozent am Baeyerschen Laboratorium in München, wurde 1898 Privatdozeöt, 1902 außerordentlicherProfessor und 1905 als Ordinarius für Chemie an die Universität in- Zürich-i berufen. - Nach dreijähriger Wirksamkeit anir^Chemischen Institut der Kaiser-Wilhelm-Gesellcchaft in Dahlem" übernahm Dr. Willstatter den Lehrstuhl r. Baeyers in München. Das Gerücht von seiner Berufung nach Berlin gab Anlaß zu einer Interpellation im! Gayensehen Landtage, in deren Beantwortung de: Minister erklärte, daß die Unterrichtsverwaltung bemüht »ein * wird, den ausgezeichneten Gelehrten der Münchener Universität jzu erhalten. Professor Df Wfllstätter ist ein Jude, der für .alle Fragen großes in-' twesse und warmes' Empfinden hat ^Feuilleton.;' 4>efc "Wert eines PUr^ieB.1) i , „:Von\G!^jfaB Bloch, Atrgeradprf. In Luck wohnte ein mächtiger Fürst,", ein kr^Sklicher Haan von finsterer Laune. Alle, selbst' seine Hoßleute, für&teten ih&,:;?}" :Aus dem. demnächst erscheinenden Buch: „Herseih Töte .Östnopole;- ein jüdischer Tili Eulenspiegel des 18/; Jahr-*, itangerts« 'Seine Geschichten und Streiche," Hersch von PBt^pole" war. eis t^iüh^ter. ipoßtofel?- '--v* Einmal erfuhr der Fürst, daß in Miedziborz :'ein Kabbi?) «einen Sitz "habe; der ebenso "wieder ph'zornijgund; stets traurig sei. ■'■ « Da sprach der Fürst zu seinem Kanzler: „Gewiß tat es der Babbi, um meiner zu spotten, ich will ihn dabei« eines Besseren belehren." Er ließ seinen Wagen anspannen und fahr nach Miedzi* borz. :'' Als der Fürst in Miedziborz einlangte, ließ er den Babbi zu sich rufen. Der Rabbi -war aber seit einigen Tagen verreist und sein Verwalter begab sich zum Fürsten, um daa Nichterscheinen seines Herrn zu. entschuldigen. Der Fürst aber ließ dem Verwalter sagen: „Wenn Dein Herr von der Beise zurüokgekehrt sein wird, dann .hat er innerhalb dreier Tage nach .Luck su kommen, um mir auf folgende Fragen Bescheid lau geben: 1. Wie groß ist der Boden, den ich'mein Eigen nenne? 8. Wieviel wiegt der Mond? 3. Wieviel ist der Fürst wert? \! 4. Was glaubt-der Fürst? Wenn ich binnen drei Wochen auf meine Fragen keine Antwort habe, dann werde ich Euren Babbi und sein ganges Hausgesinde In. den KeUer werfen." Man kann sich denken, wie bestürzt die Leute des Babbi wurden, als sie von -dem seltsamen> Befehl des Fürsten hörten. Aber sie beschlossen, dem Babbi: davon keine Mitteilung zu machen, damit sich sein Gemüt ni^hfc noch mehr verdüstere und seine Seele ganz in. Trauer gehüllt werdej. Sie hofften, daß der Ewige ihren Meister vom Unglück bewahren wird. Tags darauf kehrte der Babbi von seiner Boise zurück. Kun , berieten die Leute nochmals, was sie da zu tun haben. i Da sprach - der;)Hofnarr?*v BerBchv:-"-08tropoler:.""-r':^clr- _ werde nach Luck fahren und mich dem Fürsten als unser Babbi vorstellen; ich werde ihm Bede und Antwort stet* hen." / . ■■ <. ., _ „Und wie würdest Da es anstellen?", fragten die Leute, über den närrischen Einfall ganz erstafiht. . ^Ganz einfach," erwiderte Hersch, „gebt mir einen Chalat^) . und einen Spodek4) nnd ich sage dem Fürsten, iehJ bin der Babbi von Miedziborz: ich werde auf seine dummen Fragen dumme Antworten zu geben wissen." Man kannte Hersch und man wußte, daß es ihm gelingen werde, dem Fürsten eine treffende Antwort zu geben. Schließlich hatten sie "doch keinen anderen - Ausweg. Hersch' zog einen Ch&lat an und setzte einen Spodek auf,: nahm einen silberbeschlagenen Stecken: in die Hand und trat die Beise nach Luck an. - s Er meldete sich' gleich beim Hofm«rschaU\ des Für» sten und dieser meldete seinem Herrn, daß der Babbi von Miedziborz eingetroffen s*i. Als Hersch vor dem Fürstan erschien, ließ er sich die Fragen vorlegen. iA*uf die Frage: „Wie groß.ist der Boden, den ich mein. Eigen nennen darf?" erwiderte Hersch: „Ich könnte das sagen, wenn ich . wüßte, wieviel an ' Wasserfläche dem Fürsten gehört: ich bitte daher, mir - früher ' genau anzugeben, wie groß die Teiche und Bäche in Euren Ländern sind." Da sprach der Fürst: „Das ist .ein jüdischer Kniff.. Ihr wollt Euch, Babbi, der Beantwortung dieser Frage ent* Rabbi Baruch von Miedzfbora; ein berühmter Ghassidimführer, Eckel des Baalschem,- starb 1815. Er war mfr lancholisch Veranlagt und Hersch wurde .als .„Hofharr" berufen, um ihn aufzuheitern. — - . ..; 9) Ein Oberkleid der Chaasidim. ' " "-. v Eine . 2?obelmütze, welche die jüdischen.; Heüiföö in Polen zii tragen pflegea.. . i. . ... " rf}

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