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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-01-16 · 3 (16.1.1920) · p. Seite 39

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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*#. § Dr. BtÖCtm W0C»ö«€5ßari\ äff . ßiif^ezeg^n. wie Sölbsir^r^tä^d^icfa, Antisemit wnide, ohne geeilt die Juden z'n kennen* „Sie kennen zu lernen;?* sagt er, „hinderte mich der obers te Gruadsatz eres Vereines? deutscher Studenten und der anderen antisemitischen Organisationen, denen ich mi ch angeschlossen hatte: Der Germane hat d?« kofhira- - pierenden Umgang iriit dem minderwertigen Semiten zu meiden!" Um ©o besser lernte er dfo Antisemiten und ihre Föhrer, bei denen er bald als große Hoffnung galt, keimen. _ ________; „Je infmier", öagte er, „ich mit den Führern des1. . Antisemitismus! wurde, um so mehr stießen sie mich ab. ich lernte sie zum' großen Teil ^9 selbstsüchtig, als pharisäerhaft und als unglaublich ungebildet erkennen . . " , Erst als ihn die Antisemiten vom Antisemitistaus' abgebracht haben, lernte er dfe Juden kennen. „Ich tvill nicht verschwie^g^n. dnß mich \in meinem nngünstiiTen toendurt'il über die Ju^ei die pa^r Jnd-~n " bestärkt hatten, mit denen ich damals in Berührung; gekommen war. Es Waren getaute Juden, die sollst : in Antisemitismus machten uind mir immer als der Inbegriff der VerächtScbkeit erschienen. Was ich in ../meinem Leben am wenigsten vertragen hib^. d^s war Charakterlosigkeit. Und gerade che*© jüdischen Antisemiten, die ihren Glauben, ftiren Namen und ihr Volk verleugneten* und sich seiner s^hÄmt^n die die Mächligen umtechme^cheHen und um äuße~et Vorteile willen zu jeder Niedrigkeit b^r^it waren, sie waren in mä°inf_i Augen der Tntbeweis für dfr nvralische Minderwertigkeit der Jüdischen Rasa© gewesen." Erst als er die Juden wirklich kennen lernte, wurde e_ ihm! sonnenklar: Es vfar bod^nlooe Ijrno- " ranr, wo nicht bewußter Schwindel, wenn die An+i- -"■;'" sfemiten. behaunfeten. dVjfidisfche R^sise;*H mm^er- -';"wertigj Sei:: ein Schödling, der aW dem1 'Volkskörper . Äusgemerzt werden müsse. ''■ ,.Ber Antfsemiti^mits'V so 'seh •vist keine Geistesrichtang;. sondern ein Ausfluß der GeistesVezwiriung . . Cr»stetit imtf KopemToi». v Die Nnch'richt von der Bestätigung. de£ Eirrtein- »chen RelatiVitäteprin^ips. die vor einigen Woctrn ' als einer dar größten wis^enscha^tHch^n Trfrmnhe der neueren. Zeit gere.*ert wurde hat in weiten Frersen iflen TtUnscn erweckt, diese bisher nur im en~e^en Kreise der Physiker und Mathematiker gew^rdh*© Entdeckung von weltumlwäl^ender Bedeutung Venrenzu*ern?n. Leider ist. dieser Wunsch nur teilweise erföllbar, da das genaue Verständnis des: Relativitätsprinzjps umfangreiche physikalische und mathematische Kenntnisse voraussetzt. In der „Kölnischen Zeitung" veröffentlicht ein. bekannter Physiker e:nen längeren Aufsatz über die Einsteinsche Theorie dem wir die folgenden interessanten Stellen entnehmen :' „Einstein stürzt den (bisherigen . physikalischen Zeit begriff um. An die Stelle der „absoluten" Zeit setzt er die ^relative" Zeit. Was hat dies zu bedeuten? Versetzen wir uns etwa 400 Jahre zurück, in die Zeit. des. Kopernikus. Damals stand. die:Menschheit .einem netten ,?aumbegriff. -ebenso verständnislos gegenüber. "Was war die ErdeT Ein un-. geheurer, seitlich ins Unbegrenzte ausgedehnter Klumpen. Aber es mehrten sich die Beweise für die .Kugelgestalt der Erde. Es kam das Kopernikussche Weltsystem, der der Erde die Bolle eines kleinen kugeiförmigen, die Sonhe umkreisenden Planeten .zuschrieb. Es kam ..die. Kenntnis von den Antipoden, Menschen, die uns gegenüber auf der andern . 8eite der Erde wohnen, die nicht von ihr ,;herunter"fallent - die mit den. Beinen ^näch.oben*' _»hen, wie. fliegen an der Zlmanordecie. _fcsa 'rarjj©g.>a«_kr^g« »fch <tte aevt>4iitkm, die dies©: Erörterung ia den Köpfen der MenacSheit zurichtete, die erbitterten. Fehden» die man über den Begriff oben und unten führte, bis man — gan* langsam — einsehen lernte, daß es im Baume kaeiae „absolute Bichtung oben" und keine „absolute Kiohtung unten" gibt, sondern daß alle Richtungen im Baume gleichwertig sind; -daß oben und unten relative, daa hei3t vom Standpunkt d'-* Beobachter» auf der Erde abhängige Begifi sind. Heut» erscheint - uns das alles selbstverständlich; wir verstehen;, nicht, warum die Menschen damals disse „einfache Sache", nicht verstehen konnten. Genau so werden die Menschen, in einigen hundert Jahren sich, über die Unbeh Iflichkeit amüsieren, mit der wir dem Begriff der relatives Zeit gegenüberstehen . . . Einstein ssi^t, daß wie beim Begriff des räumlichen oben und unten, so kommt es auch beim Begriff der seitlichen Folge auf den Standpunkt de» Beobachters an. Daß die Physiker dies erst {etat entdecken, liegt daran, daß es sich um ungeheuer geringe Unterschiede handelt, die in allen Fragen der Praxis bisher keinerlei Bolle spielten. Ob sie noch nach 10O Jahren diese Bolle spielen werden, ist nicht wahrscheinlich.. Denn die Folgen der Einsteinachen Entdeckung, rieht nur für die Beurteilung der bekannten, sondern auch für die Auftindung; noch unbekannter Naturerscheinungen, sind unermeßlich. Die klassische Kewtonsche Mechanik lehrt, daß es unmöglich ist, durch irgendein auf der Erde angestelltes mechanisches Experiment die „absolute" "Geschwindigkeit de$ Erde im Weltenraum zu messen. Wir können nur feststellen, wie sie sich „rela'tiv" zur Sonne oder zum Fixaternhimmel, aber nie, wie sie sich wirk* ich, absolut, bewegt. Oder, umgekehrt und abstrakter ausgedrückt: Mechanische Vorgänge sind abhängig davon, mit welcher Geschwindi^ keit das „System", auf dem sie Bich abspielen, sich bewegt. Diesen Satz nennt man das klassische Relativität*- prinzip.. —- -Aber dies alle« gilt nur für mechanische Vorgänge. Nun besagt die Lehre vom LichtA daß das it:ht unzweifelhaft eine« Wellenbewegung fct. Eine solche muß einen . Träger haben. Das ist nach der Annahme der Fhy tker der den ganzen Weitenraum erfüllende Aether, ein Körper von größter .Feinheit. Die Geschwindigkeit dea Lichte» im Weltenraum (Aether) ist 300.000 Kilometer in der Sekunde. Man lasse einen Lichtstrahl von ei iem Erdpunkte A nach einem Funkte B fliegen. Er wird dazu eine längere Zeit brauchen, als wenn er von B nach Ä flöge. Die Physik stand damit vor einem der schwersten Rätsel, daa ihr je aufgegeben war. Einstein hat den Widerspruch gelöst, indem er den absoluten durch' einen relativen Zeitbegriff ersetzt. Er gelangt zu diesem Begriff durch eine Analyse unserer Zeitbestimmung. Gesetzt den Fall, wir hätten auf der Erde in verschiedenen Orten eine Ansaht „richtig"; gehender .Uhren. Denke man sich ferner einen an der Erde . vorbeiiilenden anderen Planeten. Wenn seine Bevölkerung den WunscK hätte, tare Uhren cu regulieren, brauchte sie dann nicht einfach ihre Uhren im Vorbeieilen mit den Erduhren zu vergleichen? Fälscht sagt Einstein. Denn das würde bedeuten» daß die Zeitmessung der Erde verbindlich für die andern Weltkörper wäre. Es würde etwas Willkürliches, von außen Aufgedrängtes in deren Zeilmes3ung hineinbringen. £3 ist offenbar richtiger» wenn jeder Weltkörper seine Uhren, zwar : nach. derselben Wissenschaft ich einwandfreien Methode, aber selbst, ohne Bücksicht auf die Erduhren, reguliert. Eine mathematische Analysezeigt dann, daß die Uhren des andern Wel&örpers, von der Erde aus betrachtet, andere gehen als die der Erde, daß also die Zeit auf .»verschieden, bewegten Systemen" verschieden abläuft, daß dfe Zeit keines Systems einen Vorrang: vor den andern „Zeiten^-hat, ebenso, wenig, wi» irgendeine Richtung im Ba_une das Vorrecht hat, „nach unten"' genannt zu wer&ent daß die Zelt aomit relativ, nicht ahsofot ist,"

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