Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 3 (16.1.1920)
- Date
- 1920-01-16
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
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Är. 8 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT. Seite 3T natürlich1 Jin Polen-!eiiri schreckliches Ghetto entwickeln/ Idas noch ärger ist als1 das' frühere. Das' 'bedeutet eiam/njed!ertT,ächti|geiQ historischen Worthruch, einen von den vielen, an denen die Geschichte .Polens' so reich' ist. Zur Siegesfeier für einen Triumph der Menschlichkeit und 'der Freiheit, als1 ein Hort des1 Rechtes^ wurde Polen von der Entente gegründet und hat die Pflicht übernommen, die Menschenrechte in . Wort und Tat zu beschützen. Seine ^Gründungsfeier warein jedoch1 jene entsetzlichen großen Pogrome, welche eine neue Märterer^eit für idie Juden bedeuten. Nun kommt als „Fo^-teeteung eine unblutige Abschlachtung wirtschaftlicher Natur, eine Verfügung1, deren Folge die Verelendung und der Hungertyphus in der Judengasse sein müssen. Wie verhält sich, dazu die feierliche Verpflichtung Polens zuni Schutz der Minderheiten, wie die Tatsache, daß unter dem' Vorsitz amerikanischer Delegierten beschlossen wurde, daß für die Juden des Staates' nur die Samstagsruhe und nicht auch die Sonntagsruhe izu (gelten habe? Wenn die Entente nicht w^ns^lrt. daß nach' .dem' großen Vo^kerringen ein Skl.avenstnat innerhalb der polnischen' Grenzen mit den . Juden als1 mißhandelten Heloten bestehen bHbe. so muß sie jetzt darangehen,, den Polen zu 'beweisen, daß sie Recht und Gesetz nicht mit Füßen treten dürfen. Es1 gibt Mittel genug, der Schlachzizen Herr zu werden, welche den ganzen Krieg über daratif gewartet haben, wer eigentlich gewinnen wted, um' diesem darauf ein herzliches1 ,,koc!bajmv sie;!" zuzurufen. Diese edlen. -skis' und -zkis werden doch nicht aufhören, vom' Ausland Geld zu verlangen, das in ihre ebenso hungrigen als1" unergründlichen Tas'chen fließt. Das gibt eine gute Gelegenheit, sie zu erziehen und sie zur Anerkennung jener Grundsätze zu zwingen. Weichte ihrem1, asiatischen Barbarennaturen so heftig wid^rsprechten. Man sieht abter wohl fast jeden Tag, daß die -Gründung des1 polnischen Staates ein großes; Unglück für die drei Millionen Juden gewesen ist, die ihn' bewohnen. * ' * * Vorstehend haben wir min' das ,, Vaterland" ein bißchen geschildert, in das' die in Wien .befindlichen Flüchtlinge nach dem; Geheiß der Wiener Antisemiten so rasch als1 möglich zurückkehren sollen. In einem Ausschuß der Nationalversammlung wurde erst kürzlich der Staatssekretär des? Innern von einem1 Abgeordneten dringend interpelliert, der es gar nicht erwarten kann, daß der letzte Flüchtling Wien verläßt. Der Staatssekretär hat darauf geantwortet, daß man diese Frage offen-kundig übertreibe, denn man könne übterh'aupt hur mehr von <?4.0Ö0 Flüchtfingen in Wien gerechten. Wir wissen nicht, ob in - dieser Aufstellung nur die jüdischen Flüchtlinge enthalten sind oder auch' alle anderen, deren Wöhustätten unter feindlichtem Feuer gestanden sind. Wenn: es sieb auch nur um' Juden handelt, so bitten wir die Christ- Ii chsoziaien sowohl wie die Großdeutscben. v-e^en ^'hrer Existenz um Entschuldigung. Aber beide Parteien müssendoch' t gütigst bedenken, daß sie den Krieg heraufbeschworen habenj daß sie nicht aufhörten, für das „Durchhalten" zu s'chwärm'en und daß sie daher nichts dagegen haben können, wenn die Leute - aus der Kampfzone sich nach Wten flüchteten " Was. nun; die Heimreiste auch der letzten Flüchtlinge anbetrifft, so 'möchten wir die Antisemiten vorher .verschiedenes' fragen: Es wird doch immer behauptet, daß die Flüchtlinge Wien verlassen müssen, weil sie den Heimkehrern hier Obdach und Lrbmsmittel wegnehmen. Da es1 nun feststeht, daß auß^r den iJuden auch1 noch vielefaustend andere Flüchtlinge nach Wien Kamen;, die auch nicht von der Luft lebten und unter den; Brücken wohnen, so fragen wir: Wird man nun auch gegen diese Flüchtlinge einschreiten, die aus ietzt jugoslawisch gewordenen Gebieten stammen und sie zur Heimreise zwingen? Oder handelt es1 sich bei der sozialen Fürsorge für die Heimkehrer ausschließlich1 um Le^te. für welche nur koschere Nahrungsmittel in Betracht kommen und welche vornehmlich in der Leopoldstadt wohnen? * * Was' jetzt in der politischen Welt vorgeht, ist die Fabel von den Fröschen und vom' Storch. Die Frösche wollten durchaus' einen König h^ben und da schickte ihnen der verärgerte Jupiter s,chlteß1ich einen Storch, der sie b aufpjiweise verschlang und vor dem' sie zitterten. Auch1 bei uns' wollen viele die Demokratie abschaffen und ein neues' „bürgerliches Regime" haben. Wer aber wird dieses1 Regime führen? Die Christlich sozialen, die schon im! Hintergrund lauem-und nur auf die Anleihe warten, um mit dem Kampf zu beginnen. Dann wird auf allen Gebieten der schwärzeste Rückschritt ein^eteeu. die alten Würdenträger" werden wieder aufteneben, d'^r Säbel wird wieder geschwunden und das1 Volk wirtschaften' ausgesogen und moralisch' geknechtet we^cl^n Das sollten viele bedenken, die heute ge<*en Renner in die Posaune stoßen und nicht bedenken, daß sich die Sozialdemokratie bessern und verändern kann, die Christlichsozialen abter niem'als. Es wird zu spät , sein zur Reue, wenn die Frösche den König haben werden. * — * Unfreiwillig verschafft uns der Feind das beste Renommee. Der jüdische Kopf, der das' Wunder des1 Durch-die- Wand-Rennensi vollbringt, die jüdische Intelligenz, die sich1 allen Hemmnissen zum Trotz überall Hahn brfcht, der jüdische Geist, der durch alle Poren der heutigen Gesellschaft dringt: kurz, die ganze, große, schier unüberwindliche Macht des Judentums wird von den Antisemiten immerfort in einer Tonart „gerühmt". Sie haben uns1 in den ehrenvollen Huf gebracht, die Mächtigsten des1 Landes zu stein. Alles ist uns untertänig und vor uns gibt es' weit und breit kein Entrinnen. Wir sind' die Herrscher von AnttstemitismüV Gnaden 1 Wir, Idas" winzige Häuflein vom' Stamme Juda (ins Teutonische übersetzt: Sems' SameV halten Millionen Deutschte fest umklammert und laden unser Joch! auf ihre Schultern; unser Geist "beherrscht die Söhne Germanias und macht sie allesamt zu unseren Vasallen. ' ' ' i j {■ < r 7 So steht's' geschrieben im Katechismus der Judengegner. Besäßen wir nicht durch1 Beligion. Tradifion und- Vererbung einen ziemlich hohen Grad angeborener Bescheidenheit, es wäre wahrlich nicht zu verwundern, wenn wir über die Machtstellung, die uns der Teutonen Söhne einräumen, ein wenig hochmütig würden: •' SSP ^_^ Der Warte Pau'mlgartteüt.___ Herr Ka rl P a u nr g a r 11 e n ist ein wahrha *t plücfclichter Mensch. Es wäre gar nicht auszudenken waV gesclfehen wäre, 'wenn ^r etwa nur Baum^a^ten hieße und in den Verdacht käme, ein Jude zu sMn. -Denn Paum^ärtten mit hartem p ist ein antisemitischer Schriftsteller, der unausgesetzt nicht-etwa -nur eine