Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 3 (16.1.1920)
- Date
- 1920-01-16
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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*f. i 5fc. jtßMßfS. WWCttürföUHKÜT *s«tt# 50 ~- - An« etnem Briefwechsel j Von Dr. Hax ttranwatt. (Fortaetiiuag.) . „Dfe Sllwteii Gottes." Verstehen kann ich.- es wohl, daß sich in Dir, als wissenschaftlich, geschultem Denker, etwas dagegen sträubt, jan: Judentum ein Besonderes, ^userwähltes4', au& dein ethnographischen Schema Falleades anzuerkennen. Gerade erst im Rahmen der. allgemeinen Reling ionsgeschichte kommt das Bild der jüdischen Eigenart zur rechten Geltung. Nur wenn wir dieJEntwicklung der gemeinsamen menschlichen Vorstellungen fcu den ReHgienaformen verfolgen, in denen sieh das jüdische Volk von anderen grundsätzlich unterscheidet, genügen wir der Forderung Wissenschaft hcher Wahrhaftigkeit Sie aber ist es zugleich,' die uns verbietet, den Tatsachen Gewalt anzutun. "und aus: Vorurteil Identitäten sehen zu wollen, wo Kontraste vorliegen. Iii einem sinnigen Gleichnis erklärt R a a c h i (Ein-- gang zu Wajjescheb) die Auserwählung Abrahams. Jemand hat im Ufersrande eine Perle verloren. Er sieht nun den Sand solange; bis die Perle zurück-: bleibt. So bleibt auch, wenn man die Kategorien , der Religiönsgeschichte auf das Judentum anwendet, etwas Jnkoajtoensu^ Zurück, etwas, was! ohne Gleichjnis und Gegenstück bei den anderen Religionen, ist Das1 ist der_von allem Anfang an im jüdischen Volke herrschende Glaube ah eine über Natur und Mertsehenwelt waltende Gottheit. Er rst diesem Volke von Haus aus gegeben. Einzig und allein in diesem5-Glauben1 un d durch ihn werden die eint zeln^^'iia'ht-m,'ö'-lsracllä' zu einem Volke'. Einzig und allein durch diesen Glauben* werden sie verhindert;' in den ihnen an läußerer Kultur überlegenen Kahanaerh aufzugehen. Durch1 ihn allein gewinnen sie über Idiese v Autoehthonen -: die Oberhand. Nie galt der- Kult Israels; als-solcher, einem anderen Objekte als diesem; Gotte. Der Monotheismus' ist, wie es die Ueberijeferung durchaus zuverlässig bezeugt, nicht erst eine Tat Möses, .sondern ein Erbe der Stammväter, die Seele des Volkes, Beine ausgeprägte religiöse Eigenart, aus der . sich mit einer Art Naturnotwendigkeit der monotheistische Prozeß entwickelt : Diese Tätsache wird auch von allen unbefangenen und gerechten Forschern, von S t a d e^ S m e h d\ \V il de ho er, Sie g fr i e d, C o rn i 11, K ö nig u. a. rückhaltlos anerkannt - „Die ^vergleiclileQde^l^gionswissenstiia'tV, sagt II o b er t- .8 o n^ ^wifd unwissenschaftlich, wenn sie im Widerspruch mit -den Tatsachen alleT.zu nivelli-eran beflissen ist,. indem sie ein« Formel, oder Gleichung für! die Geschichte alier : Religionen aufstellt und dieser "die Religion Israels unterstellt." ' - ipDie ', Beobachtung . der Analogie , aller sonstigen Geschichte kann"» wie : . Klos termann betont, „dazu verleiten, den . Begebenheiten ,. eine Gestalt anzudichten, . welche zu der natürlichen. Gesamtbetraohtung _aufs. beste stimmt, aber, den biblischen Nachrichten widerspricht, und uns da« Unvernünftige, zu glauben zumutet, daß der aparte geistige Schatz, durch, den Israel, sich .'von aller. Welt _ unterscheidet,? auf einem Wege gewojjjien. sein, soll,' der „sich in. nichtjS vom Wege :«äler, Wei£j unterscheidet.", ., . >i; Eine religi8.se U n t e,r Scheidung. {Leyiticus 2ö, 26), mit deri durchaus nicht eine:allseitige> Scheid ung von allen anderen Völkern bedingt war,: wie "sie von den Judenfeinden alter Zeitan.. dlm Jsdentum. ang», dichtet wird,, als Echo der Wiorte. eines. Tacifos: „Moses, quo sibi in. posterumi gentem fkmaret, novos ritus contraiiosuue ceteris mortalibas mdidit**. Was den* naiven Glauben als göttliche Offen-, barung von vornherein unzwmfemaft feststeht, wird somit ä posteriori von d%? wissenschaftlichen Kri-» tik bestätigt Diese Wis^hsehaftK-chkeit besteht eben nicht im Verallgemeinern vereinzelter Analogien, sondern im strengen Unterscheiden des Unähnlichen im Aehnliohen. Wie in der Religionsgeschichte, gilt dies auch von der Naturforschung. Auch hier beugeich mich ] nicht vor Autoritäten und Theorien, sondern nur vor Tatsachen. Magis amica veritas! Und mag Dich dieses „Destillieren" auch unbehaglich" anmuten. In diesem Gedankengang fühle ich. mich, lieber Ernst, jedenfalls eins mit Männern * wie Pas teur, von dem das Wort stammt: „Weil ich T nachgedacht und studiert habe, bin ich gläubig gehlieben wie ein . Bretone. Und wenn ich mehr nachgedacht und mehr? studiert hätte, so 1 würde ich gläubig geworden sein, wie eine Bretonin." Man sieht, auch das" wissenschaftliche Genie erhebt sich in Betrachtung des Alls über den Standpunkt des Holzwurms. Die Schöpfung muß man eben mit den Augen des Schaffenden,, des Künstlers, sehen. Man muß aber auch den. Mut seiner"Ueberzeugung haben. Secchi sagt von einer astronomischen Erscheinung: „Es* ist unmöglich, zu glauben, daß eine solche Anordnung zufätüg seih kann." Strindberg in semem machtigen „BläuY buch" donnert ihn dafür an: „Warum! glaubt ihr es denn?,". Feige Menschen^ und elende, die sich ihres Gottes schämen P* Lies dieses',,31aubuch"l Du wirst Dirldann über manches Gedanken machen, was'Dir heut felsenfeste Wahrheit ist. So, wenn, darin die „natürliche Schöpmngsgeschichte" als „unnatürheher, unvernünftiger, unwissenschaitlicher Schund" gegeißelt wird. Oder wenn hier, wie mit dem Hammer Thor's, der Götze des Pahbabylonismus zertrümmert wirdi „Und äu3 diesem Schund soll das Volk Gottes seine Weisheit geholt haben?" Spricht nicht aus diesem Poltern die reine Wahrheit? Man liest dort: „Die Philologie wurde heidnisch, dem Christantuiea. feind; dämm haßte man/das Hebräische, während man absichtlich im Heidentum Indiens Gottes erste Offen* barung suchts." Welche Kühnheit atmen die Worte: „Der Sozialismus, der heidnische nämlich, der Entwicklung und Fortschritt predigte,. ging seinen Krebsgang zurück zu eben aufgehobenen Zunftordnungei^^eachränkte die Gewerbefreih'eit (Streikbrecher), führte ^^inqutition ■ wieder ein (BoykoUierung dessen, der Bich nicht von unehlichen Mägden bestehlen lassenwill); tat Ketzer in den Bann (bei dem großen Streik wurden Nichtsozialistea Wasserleitung und Licht, Brot t und Kindermilch verweigert). Sie -zwangen die Zufriedenen unzufrieden zu sein;, machten di« Menschen Wild. und verzweifelnd; verschlimmerten in Wirklichkeit, wo sie vorbessern sollten . . .. Ungläubig, glaubten sie an. alles, was falsch war . . Daß Du es aber imifc peinem {Gewissen fite .„Wissen-, schaftler", unvereinbar findest, meinen Ausführungen über eine Zwecjonä&gfeiL in der Natur, z-uzustim^ men, überrascht,jnich durchau^^eht, ija^jl^Utest gegen mich auch Schiller zitieren körnien: „Welche . Verehrung verdient der WeUensehöpfer, der gütig» als er den Korkbaum erschuf, gleich auch! den Stöpsel, ersann." Es sind hier eben zwei entgegengesetzte Standpunkte, vertreten- D u siehst tiberall das- Ueberwiegen des Anorganischen, dem .das* Qr^OJaiache nur