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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-01-16 · 3 (16.1.1920) · p. Seite 34

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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& .&kimÜ WG^ - " . "* .. Verfügung"/die j«*** w stümj3si?!h verlangt wird, »hätte psycnologie begründet haben; hätte, über den genur die Wirkung, daß die seMeohien und schädlichen Bchichtiich en^Jeknüpften Zusamlmeinhang zwischen Elemente im Lande bleiben, dagegen dl-e arbeitswilfi-);: Dreyfus-Affäre -und Zionismus eine feinsinnige völgen ins bitterste Elend und yjar Verzweifiung^'getrieben kerpsvchologi3cha Betrachtung ßchreiben können., werden. Wir aber wollen diesen Gedenktag lediglich dazu Das Gewissen der ÖeffentSchkeit ist gegen die benutzen, um eines Mannes zu gedenken, dessen Auf-i Mahnungen zur Menschlichkeit so abgestumpft, daß treten in' der-Dreyfus-Affare für uns e*.n Trost. und eino' feie das {entsetzliche Unrecht, auf das' hier ^hingearbeitet Lehre war. Wie war's denn damals? Wahrheits- und ge- •.. wird,: nicht meto: unmittelbar empfindet Ich unterreehtigkeitshebeiide Männer Frankreichs taten sich -; lasse »s, darauf näher einzugehen. Aber befrem*- zusammen zum.gemeinsamen Kampfe ge^endas began-_' dend ist es, daß selbst fuhrende Pöiitiker nicht übergene Unrecht. Man muß sagen, sie fochten tapfer, Mci- legen/ wie schwer durch die von ihnen , gewünschte . ster des Wortes, wie die Franzosen nun einmal sind, Behandlung der Ostjuden die politische und wirthielten die 'der Unschuld die schönsten, Vertoidi-i Bchafiliche Stellung Deutschlands beeinträchtigt wird. £ungsreden>; Ein stilistisch tadellos abgefaßtes Plai- ' Hat man schon vergessen, wie die~Deportierung beidoyer nach dem anä>rn 'sandten sie hinaus in die K gischer Arbeiter den moralischen Kredit Detschlandis : gespannt aufhofi^ende W.elL Al$ediese wackeren '.Ä untergraben hat? Und heute ist Deutschlands Lage .Männer fca%$ien für die Unschuld, indem sie sie; unvergleichlich ikritischer. Trotz aller Bemühungen ohne\lMter^^'yer^digi^i. Nur. einer beteiligte, sicti-;- ist es überaus schwierig, die unterbrochenen interan diesem rVerteidigungswerke, nicht — Emile Z o- ~ nationale!*' Beziehungen wiederherzustellen; wenige ,; Ja, Er hatfe ein anideres; weit sichereres Verfahrender-] geistige Menschen in allen Völkern mächen erste gönnen, die Unschuld zu retten. Er klagte^vä5n.' Versuche; die Hoffnung auf neue wirtschaftliche Ver- .?1J'accusejV rief er hinaus in die Welt. Diese mannr bindungen (z. B. die materielle Hilfe Amerikas) -ist hafte Anklage war die beste Verteidigung, heute noch sehr schwach. Die Austreibung der öet- , Der Fäll Zola lehrt uns, daß ei n e Tat des Men- ' luden, welche namenloses Elend zur Folge hätte, ischen mitunter fünfzig Werke des Künstlers1 lüberwürde aller Welt als ein neuer Beweis, „deutscher wiegt Edle Mensclilichkeit undFittiche Größe habend Barbarei" erscheinen und leinen Anlaß bieten, im - <yon jeher in ihrer leuchtenden Kraft die glänzend^ Namen der Menschlichkeit de%WieBeraufbau Deutsch-: . sten. Schöpfungen der Kunst in Schatten gestelltj; landsi zu erschweren. ' : tfn ihrer emehtichen . Wirksamkeit mehr Nutzen ge- ~ Die Gesundung Deutschlands kann wahrlich nicht stiftet und herrlichere Früchte getragen, als sei man?t durch Anwendung von Gewalt gegen einen kleinen .{ che von den edelsten Inspirationen erfüllte künstle-; rische -Werke. Der Name Zola bringt nicht wife der Naine^irgend eines anderen bedeutenden Schrift-.' stellers 'ytn]; erster r Linie Gedrucktes-: und. jGelesene?^ in ^rmnerung,*; er deutet nicht ^gleich auf , soundso; viele iBücher hin. Belm Klange dieses Namens1 taucht.; vielmehr wie aus der Versenkung jene „Affäre" en>. por, jenes :Dreyfus-Schauspiel, worin Emile Zola als Held^ auftrat, gerüstet mit Mut und . Stärke, gewapp-f net pnit Wahih'^its- und- Gerechtigkeitsliebe. Am" 13. JSmher 189$ hat er sein „J'accuse" in die;. Welt; gerufen^ Das war der Tag, an. dem der Schriftsteller zum Kämpfer, der Dichter zum Helden, wurde. Die-Judenheit hat ganz besonders Veranlassung, Emile Zolas in Verehrung und Dankbarkeit zu gedenken. Denn. sein Schrei nach Gerechtigkeit war gleichzeitig eine äußerst^ wirksame Kundgebung für die Juden«' Indlem er der Wahiheit zum Siege verholten, ie"i3tete er dem Judentum einen, unschätzbaren Dienst.- Aller; ^Menschlichkeit hehnsprechender, die Wahrheit und Gerechtigkeit unterdrückend|er Haß hatte ja damals beinah nach mittelalte, l.chem Muster aus dem Mittelpunkt der „Aifaie" den Einzelnen ver» drängt und an dessen Stelle die gesamte judenheit gesetzt. Die, Dreyfus-Affäre. drohte zu einer Tragödie des gesamten; jüdischen Volkes' zu werden. Wir waren wie aus> einem -HaschischTausche erwacht und Volk sollte mit ihm.verurteilt, entehrt, der Verach-< sahen in dem Lande Rousseaus und Voltaires die tung der Welt preisgegeben werden. Und wie so oft, Rocheforts- und die Drumonts gemeinste Hetzarbeit halte Auch diesmal der Judenhaß sich als die Kraft verrichten. In dieser Zeit tat ein Mann der Go- •rwiesen die Böses will und Gutes schafft; dehn rechtigkeit, "ein Künder der Wahrheit not Da trat die DreyrasSAffäre" tat im Judentum "Viele verschüt» Emile Zola auf und rief uns die trostreichen Worte teten; Quellen auf, die frisch hervorsprudelten imol zu:' ,>La_verite est en marchel" Das klang wie aus das jüdische Selbstbewußtsein neu belebten. Die fürdem: Munde^eines jüdischen Propheten, den jüdischen Historiker gewiß wichtige Tatsache. „Die Warheit ist hn Anmarsch.4' In diesem Aus- $nag nicht unerwähnt bleiben, daß der Beginn der Spruch äußert sich jüdische Hoffnung, jüdische Zu- Dr^yras-Afiiäie die mit seelischen Wehen verbundene versieht. \MagBosheit uns ansx&wärzen und Haß um Geburtsstunde;jenef .großjüdischen Bewegung war, unsiseine Lügengewebe spinnen, wir zagen nicht; die heute unter dem]'Namen Apolitischer 5ipmsmu>" denn — die .Wahiheit ist im Aiimarseh und niemand; bekannt ist-Ein Steinthal .oder ein:Lazarus; :die frei- ' k^n-^. aufhalten! de gemerascliaftlk^ de*- Voiles-- ^- .; - ■ :. : " . ' wehrlosen Hructtieii der Bevölkerung i^rbeigeführt : werden.___ Ein Gedenktag, ■ •.- -.• ■ Rund vor einem Vierteljahrhuhdert —1 am ö. Jän-: ner 1895 — wurde die Gedenktafel der jü'daschen Geschichte um einen traurigen' Gedenktag vermehrt: an diesem Tage wurde der französische Artillerie-' hauptmann Alfred Dreyfus nach allen Regeln des vorgeschriebenen menschencntwünlig enden Verr fahrens degradiert und dann nach Cayenae deportiert. Damit begann der erste Akt-eines Schauspiels', das an spannender Handlung, verwickelten Situationen und tragischen Momenten selbst: die kühnste dichterische Erfindung übertraf. Fünf Jahre lang hielt die Welt den Atem an und schaute mit Enty setzen diesem verworrenen Trauerspiele zu; und während dieser Zeit saß die Lüge an ihrem Webstuhl und wob emsig ein Gewebe von tollen Schauermären, um die Wahrheit zu verdunkeln. _Die Wahrheit verkroch sich; 'demütig in einen Winkel und^die Gerechtigkeit band sich vor Scham die Binde noch fester um die Augen. Wie so häufig, achteten auch diesmal die Judenfeinde es gering, den einzelnen Juden (unschuldig) verurteilt zu haben; das ganze jüdische

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