Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 2 (9.1.1920)
- Date
- 1920-01-09
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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s»iu 2* r »r. IL©6H-S wwtäe% wie Kom^-Weia, Soviel ups. aber bekannt ist, vei^Chiert; die christliche Huszaimregierung jeden Tag, daß sie die Ordnung vollkommen beherrscht und jeder Gewaltigkeit und.jedem1 Unrecht mit Schärfe entgegentreten will. Wie es' scheint, sind die Juden von diesen edeln Ahsichten ausgenommen, sonst hätte man doch nicht so sonderbare Beruhigungsmittel für den Pöbel gebraucht und es wäre nicht zu der überaus edeln und zeitgemäßen Behauptung gekommen, daß man einige Juden habe hinrichten müssen, um andere Juden zu retten. _ . . Liecbtensteifische Logik. Seit, einem1 Jahre erscheint in der Verlagsanstalt Tyrolia unter dem1 Namen „Das Neue Reich" eine Zdtschrjft für Kultur, Politik und Volkswirtschaft. Dieses OJNeue Reich" ist von einer alten Welt, von einer Welt, die wert ist, daß sie zugrunde ginge; es' ist dies die Welt des altbekannten, fanatisch-gehässigen, skrupellosesten Antisemitismus. i , Einer der Hauptmitarbeiter an diesem Neuen Reich' äst der gewesene Prinz Alois Liechtenstein, vormals Chef' der chriöttichsozialen Partei Oesterreichs und Landmarschall von NiederösterreichL, Im ersten Jännerheft der genannten Zeitschrift hat nun Herr Alois Liechtenstein, gleichsam1 als Neujahrsgeschenk für seine christhchen Leser, einen höchst, kurzweiligen, historisch sich gebenden Artikel über 'Ursprung und Wesen der Freimaurerei beigesteuert, i i Die Freitoaurerei, so erzahlt uns Herr Alois Liechtenstein, ist ein ursprünglich von den Ahden (durch eine unerhört großartige, das ganze Gebiet des Islamfe von Persien bis zur Südspitze Arabiens durchsetzende Propaganda). geschaffener .Geheimhund, der später durch die Kreuzzügler in das christliche Aüjendland verpflanzt wurde,!wo er derart Verbreitung und Ansehen fand, daß selbst christliche Monarchen die Großmeisterwurde angenommen haben. Nun wissen wirs, was' die Freimaurerei ist. Sie ist, wie wir soeben belehrt wurden, ein aus1 religiösen und nationalen Motiven der Ahden hervorgegangener, später nach Europa übergesiedelter Geheimbund, dessen Großmeister christliche Fürsten und Monarchen sind. * ' Ergo —r so folgert Herr Alois Liechtenstein mit eiserner Konsequenz — ist. die Freimaurerei eine jüdische Erfindung, ein „Werkzeug des internationalen Judentum^', dieser „ewig fremden Minderheit, die sich' nicht begnügt mit der ihr großherzig gewährten Gleichberechtigung, sondern ihre Emanzipation nur als Vorstufe.1 zur Knechtung der Völker betrachtet, welche sie beherbergen". Liechtensteinsehe Logik 1 Sehr dunkel, fürwahr — was allenfalls1 erklart, Warum dieser Alois' „Liecht" (mit ie) schreibt. S. M. Aus Trauer über die tiefe Sehmach unseres Volkes. Halle a. S. Adolf Weißler, der Begründer und Lriier der „Zeitschrift des deutschen Notariatsvereines, der Ruhegehalts-, Witwen- und Waisenkas'sen für deutsehe Rechtsanwälte", dessen großangelegte Werke über das preußische Notariat und über die Geschichte der Rechtsanwaltschaft berühmt sind, ist freiwolhg aus* dem Leben geschieden. Die Beweg-} giüüde gibt er in seinem1 Ab'stehiedsbrief an: „Ich nab-3 mit diesem Entschluß seit dem Oktober 1918 gerungen: aber was zu vieT is^fc, ist au viel. Ich' kann *®^mmm$. : r;;!S2 ■ " ■ ' . Mr-2 das Leben nicht J$ngßr. srfcagsn,.. §.ei.a\ ftbersevigt, -ini# hat ktiii anderer Grund getrieben, als die Trauer über d.ie tiefe Schmach unseres Volkes^ durchaus kein anderer. Es' ist besser, gestorben zu sein, als zu leben, Ihr Kinder könnt noch bessere Tage erleben, wir Alten nicht, Ich kann nicht anders. Gott helfe mir!" Als letzte Bitte hatte er den Wunsch ausgesprochen, auf seinen Grabstein die Inschrift zu setzen: „Er wollte die Schmach seines Volkes (nicht . überleben 1" — Weißler war Ixte zu seinem Tode Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde. Die Nächstenliebe fort Judentum. Ein österreichischer Geistlicher, Dx. Robert Klim'sch, hat* soeben unter den* Titel\JDie Juden ein Beweis für die Gottheit Jesu und ein Mahnruf für (die Christen, der Gegenwart" (Regensburg 1920) ein antisemitisches Machwerk elendster Art veröffentlicht. Das Buch ist vom' katholischen Klerus' mit dem1 kirchlichen Imprimatur versehen. Wie alle Antisemiten, äb schöpft auch Herr Ktimseh! sein Wissen über Juden und Judentum' nicht aus dem1 jüdischen Schrifttum1, sondern aus1 antisemitischen Machwerken, die von Fälschungen und Entstellungen strotzen. Es lohnt sich wirklich nicht, auf dieses aus1 antisemiti> sehen Sudelschriften zusanniiengebraute Buch näher einzugehen. Nur eine Stelle .möchten wir zur Kennzeichnung der Wahrheitsliebe des Verfassers1 herausgreifen. Seite 108 heißt es: „Als' guter Christ muß ich es aussprechen, daß das1 christliche Gebot der Nächstenliebe bei den Juden keine Gegenseitigkeit findet. Wir sehen in jedem1 Menschen unseren Nächsten, die Juden aber nicht." Der Dr. Klimkeh weiß es nicht (oder spricht es' wider besseres* Wissen aus), daß'das Gebot „Liebe, deinen Nächsten wie dich selbst" im 3. B. M. c. 19 vn 18 steht und als eine Aufforderung zur allgemeinen Menschenliebe zu begreifen ist. Wir möchten Herrn Dr. Klim'sch auf ein Schreiben des Papstes Benedikt XV. hinweisen, das ihn hbffentligji eines Besseren belehren wird. In Paris wurde jüngst eine Kirche eingeweiht. Bei dieser Gelegenheit richtete der Papst ein Schreiben an den Erzbischbf von Paris, Kardinal Am'ette, das dieser bei der Schlußfeier vor ungefähr 200.000 Personen, die die Hallen und den freien Platz füllten, öffentlich' vorlas. In diesem' Schreiben sagt Papst Benedikt XV. u. a.: „Aber Liebe muß mit Liebe vergolten werden. Nichts wird im! Neuen wie im Alten Testament "nachdrücklicher betont als das Gebot für alle Zeiten und alle Welten, worin das ganze Gesetz enthalten ist. Jesus hat gesagt: „Du sollst Gojtt, deinen Herrn, heben mit ganzem! Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Geiste!" (Siehe 5. B. Moses 6, 5.) Das ist «das erste und jgrößte Gebot; aber es gibt noch ein zweites, * das" dein! ersten ähnhch- M: „Du sollst deinen Nächsten heben, wie dich selbst." (3. B. Moses' 19, 18.) Daß der Papst hervorhebt, daß im! „Alten Testament" die Liebe zu Gott und die Njächstenliebe nachdrücklich betont wird, ist besonders in der gegenwärtigen Zeit der Judenhetze von ^Bedeutung. Es hat übrigens einen Stich ins Komische, wenn Dr. KHtok'ch1, der offenbar Menschenhaß predigt, die Betätigung der allgemeinen Menschenliebe für sich in Anspruch nimmt. Das Judentum lehrt: Die Frommen aller Völker haben Anteil am' ewigen Leben, im Gegensatz zu: Nulla salüs extra ecclesiam'. ein Wort das die Allgemeinheit ausschließt, /