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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-01-09 · 2 (9.1.1920) · p. Seite 21

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
2 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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Nr. S. Seit« 21 tien beredtesten Koniirnentax. Das Tierpahth'eon wird vom1 Olyinp, dieser von der Apotheose abgelöst: Von dem- Ableben der Stammväter und späteren Frommen — von Elijah' ganz abgesehen — wird aber der Ausdruck „er1- £tarb" entweder, wie bei Jakob, gar nicht gebraucht oder in Verbindung mit der Wendung „er wurde versammelt zu seiner Sippe, zu seinem' Volke". Die Verbindung mit Familie und Stamkri war das1 Mittel der Verbindung mit Gott. Mit Gott verbunden sein, bedeutet aber, wie erwiähnt, an Gottes ewigem' Leben teilhaben. Die Erz.ählung vom' Paradies ist ein weiterer Beleg 'dafür, wie das Judentum1 volkstümliche Vorstellungen ins' Ethis'che umbiegt. In Wirklichkeit projiziert es ja das1 Paradies1 in die ferne Zukunft als1 mes'sianische Zeit. Die Reminiszenz eines! seligen Zustandes der Welt, da sie frei von jedem! Fluch, des Segens und1 Friedens1 voll war, sie soll nur betonen, daß an jenem' m'essianischein Glück jeder Mensch als solcher teilhaben kann, als' Nachkomme Adams, dessen Schicksal lehrt, wie Fluch und Segen in der Hand des Mens'chen liegein, der zur Gottähnlichkeit geschaffen worden. Das1 Paradies1 der Genesis1 ist das Diapositiv in dem1 gewaltigen Skioptikon der Weltgeschichte, i I Aussprüche der Heiligen Schrift, die wie ausdräcklich, gegen die Idee einer „Erbsünde" gerichtet lauten, kannst Du in jedem1 Lehrbüch der jüdischen Religion, der jüdischen Theologie, der jüdis'chen Ethik zusammengestellt finden'. Hier galt es mir nur zu zeigen, wie diese Vorstellung der „Erbsünde" jedes Anhaltes in der Erzählung vom1 Sündenfall selbst entehrt. ■ Wohl finden sich im' jüdischen Schrifttum auch Anklänge an' diese Idee, doch bleiben hier die Sünden der Väter („abhon ahhbth") nur als1 eine Tendenz warks'airi, ein Nachklang, gegen den, wie gegen den Jets1 er Ka-ra überhaupt, der Gegenstoß sittlicher Kräfte erfolgen muß. Diese wiederum werden durch' eine günstige Tendenz, das „Zekhüth abhoffi", die „Cfrasde abhoth", Tugenden der Väter" verstärkt. Beachte nur Gen. 8, 21, wo „Gott zu seinem1 Herzen spricht: ich will nicht mehr den Erdboden verfluchen um1 des Mens'chen willen', denn böse ist der Herzenstrieb des Mens'chen von seiner Jugend an". Von* Gehurt ist die Menschenseele rein. Der böse Trieb regt-sich erst in den Jahren' der Entwicklung. Es wiederholt sich der Vorgang, der prototypis'ch in Adams' Sündenfall gezeichnet wird. Wie lange vor unseren Psychoanalytikern würdigte unsere Bibel bereits die weitreichende Funktion der Sexualität! Sie beherrscht nicht nur das Menächeridasein. sondern greift stogar auf die unbelebte Natur über und breitet Fluch selbst über den Erdboden. Dieser „Fluch der Natur oder der Sünde Einfluß auf die unfreie Welt", wie durch den bösen Menschen selbst das Anorganische leidet, — nicht erst der Weltkrieg miit seinen Operationsgebieten in Belgien und Nordfrankreich brauchte esuns erschütternd vor Augen zu führen. „Schon wenn-man durch! eine Landschaft fährt, kann man sehen,, wo haßerfüllte, geizige, faule, böse Menschen wohnen. Man kann es am1 Wald sehen, an der "Weide, der "Wiese, vor allem' aber am1 Acker; es ist am' Haus, am Stall zu sehen, an Vieh', Gesinde, Kindern. Und sähe man nach', so fände man Keine Singvogel im' Garten, keine Blumen vor der Hütte; aber Unkraut auf den Beeten, Ungeziefer in den Obstbäumen." . l (Strindberg.): Oder um nüchtern volkswirtschaftlich' zu sprechen: „Der Wert des Bodens steht .im! Verhältnis zur, .Tätigkeitder Menschen, die. ihn bewohnen." Nun, spricht die Gottheit in ihrem Erbarmen, soll der Fluch von der Erde genommen sein, da ja doch die schon an Adam» und! Eva exemplarisch vollzogene Bestrafung, ' die Folgen der Abwendung von Gott auf den einzelnen Menschen keinen Eindruck machen. An die Stelle der Abschreckung des* einzelnen mit physischen Strafen tritt, durch die Stammväter vorbereitet. amf Sinai eine positive Leistung, die Schöpfung eines Volksganzen. Der einzelne kann für seine Person der Macht des Bösen schwer widerstehen.. Selbst ein Mose bleibt nicht frei von Schuld. Aber das'Volk Israel als Ganzes! kann' und soll ,,h'eilig" sein. Als solches ist es ewig und an dieser Ewigkeit nimmt jeder seiner Söhne teil. * ' ■ Auch hier spielt der Erdboden, und zwar das Land dieses1 Volkes, eine Rolle. Es" ist rein, weil in ihm1 'das Haus Gottes1 steht (Jos:. 22. 19), und es1 sueit seine Bewohner aus1, wenn ttiese durch sexuelle Perversitäten es1 beflecken (Leo. 18. 28. 20, 22). Ohne auf die folkloristische Beziehung zwischen Geschlechtsleben und chthbni Stehern' Kult einzugehen und die Opposition zu betonen, die in diesen Aussprüchen der Thora gegen hiermit zusammenhängende kultische Ausschweifungen erhoben wird, sei hier nur an die alte hebräische Vorstellung erinnert, die der Skepsis' K oheleth g (3, 21, vgl. 12, 7) unterzogen wird, daß der Geist, des* Menschen zu Gott zurückkehrt, während der Geist des1 Tieres', wie der Leib, wieder Erde wird. Mit ihr bleibt ja das' Tier in unlösbarem1 Zusammenhang. Der Mensch überwindet ihn nur. indem' er kraft seiner Seele sich" mit Gott in Verbindung hält. Das1 ist der .polare Gegensatz zwischen Mensch und Vieh1. Daß unsere Unsterblichkeit nach altjüdischer Auffassung nicht in einer Fortdauer der Seele nach dem1 Tode, sondern in dem! A n dauern unseresL Zusammenhanges1 mit Gott besteht und nur dadurch verbürgt wird, kommt, wie ich schon neulich1 erwähnte, am1 klarsten zum1 Ausdruck im 49. Psalm(. Ich setze ihn, seines reichen, vielseitigen Inhaltes1 wegen, in sinngemäßer Uehersetzung hierher: Dem Sangmeister von den Söhnen Ebrachs ein T/ied. Vom "Weib Gebor'ne, komm€ zu Häuf*, Höret mich', Kinder der Zeit; Ob hoch', ob niedrig, merket auf. Ob reich1, ob arm1, euch; allen gilt es heut! Mahnend meldet mein Mund, "Was ich! erlebt auf dieser Erde, "Was "Weises ich! erlauscht, es werde Beim Klang der Zither euch nun kund. "Was bange ich' am1 Tag der Not, "Wenn mir der Feind mit Frevel droht, Pochend auf Reichtums Macht, ' Prahlend mit Gold und Pracht? Sein Gold erkauft ihm! keine Huld Bei Gott, zu sühnen .seine Schuld, Seiner Seele zu geben Ewiges Leben. Sie zu retten, isu bewaihren vor dem' 'düstern Reich', Dem1 sie verfallen dochf alle gleich, Ob man sie weise heißt, ob Tor, — In ihr Gut teilt sich' der Erben Chor! Stolz Wähnen sie: „Mein Bau steht stark Bis zu der fernsten Zeit Gemark. Mein Name wird genannt, "Wie-heut, so einst im! Land!" Fährst hin in deiner Pracht, du Tor, Dem Tiere gleich1, dess* bleibt nicht eine Spur, Hüllst dich* in eitler Blendung Flor Und nach! dir kommen deinesgleichen nur. Setah. Der Herde folgend, steuerst du In Grabesnacht. .— Dem Morgen zu Der ,FKomme wacht.

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