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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-01-09 · 2 (9.1.1920) · p. Seite 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
2 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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Seite 20 Dar. BLOGH'S ,W idjer Mensch „Gott ähnlieh". .Wie sich Gott in der physischen Welt manifestiert, so die Seele im Menschenleib, Und wie Gott rein geistig bleibt und die Geschöpfe nur 'als Werkzeuge seines Wullens gebraucht, so soll dieser Organismus nur Organ unserer Seele sein. Sie hat (den Primat. Durch die göttliche Herkunft seiner Seele hat der Mensch naturgemäß Teil an Gottes „ewigem Leben". im Garten Eden stehen nebeneinander der Baum des Lebens, das erhalten wird durch Erkenntnis Gottes (Deut, 4, 35,. Jer. 9, 23) und Festhalten an ihm (Deut. 4, 4), £je Treue gegen seine Lehre (Spr. Sal. Kap. 3 u. 5, 23), und der Baiiin der Erkenntnis des Guten und B ö s e n, oder, wenn wjr die Wirkung jdes Genusses seiner Frucht betrachten, der Kaum des Todes. solange der Mensen üer öimime Gottes gehorcht, kennt er kein gut und kein böse, kennt jer nur den Willen Gottes. Der ungebrochene Lichtstrahl jsjttiicher Reinheit, 4ie in sich geschlossene Kraft der-Unschuld durchdringt ijtti. Er ist moralisch neutral, gegen gut wie gegen böse -indifferent. Er ist nicht tugendhaft; denn er tut das1 Gute nicht mit Bewußtsein, mit Kenntnis des Unterschiedes' zwischen gut und böse, daher auch ohne Verabscheuung des letzteren. Kein sittlicher Maßstäb paßt. auf ihn- Was er tut, tut er aus Religion. Seine Erkenntnis ist Erkenntnis Gottes, gepflückt vom' Baume des Lebens. Sein Wissen kein totes, kein Wühlen im Staub, kein unfruchtbares Grübeln und Forschen, nach den letzten Dingen, sondern Wissen, das gottgefälliges Tun erzeugt, soziale .Werte, Leben für das: Gemeinwohlschafft. Ahe ethischen Gesellschaften und alle humanitären Vereine zusammengenommen, können] nicht so viel Ijmpuls: (zu {weitherziger, altruistischer Betätigung hefern, wie ihn eine einzige größere jüdische Gemeinde aufweist. So stark, so urtwjüchsig, so elementar wirkt in (diesem „ajbgesahnten" Judentum.! noch heute, selbst in vielfacher Verdünnung, das Lebenselixier der Religion. , Diese Art Sorge um1 das Seelenheil, die bei uns Juden die Stelle des Messelesens vertritt, wurzelt durchaus nicht etigra in der Furcht vor dem' Tode und ihm1 etwa folgenden Höllenqualen. Aus ihr spricht vielmehr jene Seelengröße, von der V a u v e n - argues sagt: „Um.große Dinge zu vollführen, müssen wir so leben, , als sollten [wir nie sterben-" Nicht den Tod fürchten, sondern auf ihn vorbereitet seinl „Lebe, wie du, {wenn du stirbst, jwjünschen wirst, gelebt zu habenl" _ . i ■■ ■ Solange die Religion den Menschen leitet, solange er mit Gott eingeschaltet ist, kann er naturgemäß nicht unsittlich handeln.. Er kann es' nur, wenn er sich von Gott ausschaltet. Wie aber |das Ausschalten Gottes, trotz allen •Hochstandes nüchterner „Erkenntnis" und allen Fortschrittes der Technik, das Untergehen im' Stofflichen, das Versinken in roher Sinnlichkeit, den Verzicht auf jede seelische Erhebung, die Verachtung aller Geisteswissenschaft und Kunst, den krassesten, gewissenlosesten, jeder sozialen Regung baren Egoismus, die Verengung des' Gesichtskreises auf rem animaüsdne Interessen nach sich' zieht, welches •.Beispiel könnte uns! djes deutlicher, beschämender, entmutigender zeigen, als unsere Gegenwart? Sobald Adam: die Einheit mit dem Wpen Gottes löst, ]der Stimme Gottes1 nicht folgt, folgt, er der Stimme Ider Schlange, den Lockungen des Tieres in seiner Brust. „Ihr laßt den Armen schuldig werden." Der Mensch entkleidet sjch seiner Gottä&lichkeAt, ver-. liert seine Unschuld. Vorher hatte er einen Körper, jetzt Iis t er ein Körper. Er wird Fleisch, von der Sink- 3CHENSCHRIFT. " tffr. liehkejt beherrschte, infolge sittlicher Unterernährung für deri Bazillus der Sünde mit allen ihren physischen Folgen disponierte Materie, sterblicher Staub. In jdem'selben Äugenbück erwacht auch das Bewußtsein. 4es „Falles", das Wissen von gut und iböse, init Unterdrückung des ersteren. Diese moralische Umschaltung zieht aber Kurzschluß nach sich;. Das Ausschalten 4er Seele, das Aufgeben des' Gottesgeistes bedeute^: als Mens ch sterben. Ein fortgesetztes — seelenloses: — Dasein, ein Leben ohne Gott^ kann nur ein tierisches sein- Sein Ende ist völlige Vernichtung. „Glaubt ihr, man könne kosten vom Gemeinen? Maja muß es hassen,, oder sich ihm e^en." (Grillparzer,) •' . '. ,; ... L | :_Li ^L.i :_i_r iNacli 4em Rate der Schlange, der Stimme des Tieres, ist Adam! freilich gerade, .als «Wissender" durch die „Emanzipation des Fleisches" ein „Gott" geworden. Der hebräische Text ironisiert ihn. sehr fein durch die Antithesen: die listige (arum) Schlange läßt Adam und Eva „erkennen", daß sie nackt (e.rumim) sjnd. Die „Erkenntinis"4 dje sie gewonnen haben, besteht im1 Erwachen ider Sexualität; Adam „erkennt" sein Weih (Gen,.. 4, 1). Ironisch, die Weisheit der Schlange (3, 5) geißelnd, jst auch aufzufassen das Wort Gottes £3, #2): ^-Siehe, der Mensch ist nun wie einer von uns geSEord^en, wissend, was ,gut, was böse." ., Dieser Tier gewordene Adam, der vom Giftbaume der — nach den Erfahrungen der letzten fünf Jahre mochte, man sagen — der Zivilisation! genossen hat, —■ „er nennt's Vernunft und braucht's allein, um tierischer als -^jedes Tier zu sein" —t idiese gottentfremdete Maschine hat jdas Recht auf ewiges1 Leben verwirkt. Er, wird aus dem Paradiese verbannt. Die Arbeit,. einst ein Bestandteil seines paradiesischen Glückes, die Arbeit „nur ujn| des Brotes1 wegen",, iffiird ihmi nun zum Fluch., Ebenso jder Kindersegen zur. ßua 1 dem Weihe,. Sie, jd?e nicht2 wie der Mann, aus dem Staube geschaffen, sondern vomr Manne nach seiner Vollendung. gebildet, sie, die nicht zum1 Werkzeug seiner Lust geschaffen und nicht zu seimer Sklavin, wie nach der Herrenmoral anderer Völker, auch nicht als Kunstwerk im Spiel jder Laune eines1 Pygmalion entstanden, sondern von Gott bestimmt, dem Manne „als S tütze", als treue Gefährtin an die Seite zu treten, sie bringt Adam1 zu Falle, Indem sie ihn der Seele beraubt, sinkt sie selbst herab zur sichmerzgepeinigten Gebjärerin, zur „leidend en Frau"* Beide tauchen sie, wie Foüques Und ine* zurück in das Element, von dem sie genommen* * Alles dies wird nicht zum1 Fatum, zum Karma, zur „Erbsünde", zum' Dogma, sondern ^um warnenden Paradigma,, Gen. 6, 3, betont nochmals: dort, wo der Mensch dem1 Geiste Gottes sich entsagt und zum' Fleische wird, dort [wird seinem Leben ein Ziel gesetzt Üinmittelbar vorher war von H en o c h die. Rede, der nicht „stirbt", sondern nur eines Tages „nicht da war", weil er ebejn „mit Gott wandelte" und darum sich' sein Teil am; ewigen -Leben Gottes sKahrte, Noch eimdringhcher als das Einzelschicksal lehrt bald, darauf die Geschichte der Menschheit, wie Abkehr von Gott zum Untergang,, hier durch die Sintflut, führt. Die Erzählung vom; Turmbau zu Babel bestätigt. Gottes Ausspruch' (Gen. 3, 22), daß der Mensch in seiner Sinnlichkeit, (die das Gewissen in den Bizeps verlegt, sich zur äußersten Selbstvergöttsrung versteigt. Die Religions^egch^chte liefert hierzu

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