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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-01-02 · 1 (2.1.1920) · p. Seite 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
1 (2.1.1920)
Date
1920-01-02
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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äi. ,i Der jerusalemitische Talmud, der noch ganz in Palästina' webt üiid lebt, mit seinem heiligen Boden innig ver-. wachsen isl^ schildert uns folgende idyllisch-rührende Szene. ."Wir befinden uns in der Gregend von Sepjxhoris und Tiberias. SepphoriSj, hebräisch ^Zippori", Vogelschau, weil' es auf hohem Berge sich befindet* wo die Vögel horsten, und im Osten hievon Tiberias, die heiße Schwefelthermenstadt, in deren Quellen, nach den Berichten des Talmud;,; Speisen gar gekocht werden können. Dorthin zog einst am frühen Morgen der Gelehrte B. Ohia r,abbah, der berühmte Schüler und Genosse des B. Je h u da hanassi^ des Bedaktors der. Mischna. In seiner Gesellschaft befand sich der, Gelehrte B. Simon ben Chalaphta. Es war die Zeit des Sonnenaufganges. Im Osten erbleichte nach, und nach der sternbesäte Himmelsdom, die Blässe verfärbt sich stufenweise, zuerst ins Violett, dann in Orange, schließlich in Bot, um in den hellen leuchtenden Glanz der ersten Morgenstrahlen aufzugehen; es ist die nach talmudischer Kennzeichnung sich ziemlich lang hindehnende Zieit zwischen den beiden romantisch klin-. genden Begriffen, von der; „Sonnenblume" bis zur „Säule des Morgenrotes"., Da ruft Babbi Chia seinem' Genossen,, .ergriffen von dem herrlichen Natur-Schauspiele, begeistert die Worte des Hohenliedes zu: „Wer ist sie, ,dj,e ebenso aussieht, wie der aufsteigende Morgenll" Wer sieht, im Aufstiege, gleich diesem überwältigenden Bilde aus dem Beiche der Natur!? .Wie .eigentümlich I War B. Chia etwa ein solch enragierter Natursportler, so berauscht ja seiner Natalie bhäberei, oder lebte er gar in so glücklicher Zeit, in der! er hiefür, Geist und Sinn haben konnte, 'daß er die frühe Morgenstunde zur Betrachtung der immerhin bewunderungs-. würdigen Szene des Sonnenaufganges beiwohnen wollte!?. Es war vor, 1700. Jahren, und Palästina war ein Land, das von Märt^rerblut troff,.- da mußten es ,wohl andere Gedanken sein, die. ihn zu solch ungewöhnlichem Morgenausflug antrieb. Es war. auch so. Es jwaren nämlich Trostr gedanken für die Zukunft seines Volkes, die ihn zurr Be-. trachtung dieses täglich sich [wiederholenden Natur^hänomens aneiferten. Denn so ruft er sein biblistehes Zjttat erläuternd seinem gelehrten Genossen hinzu:?,So :wird einst die Erlösung Israels voreichgehen; zuerst nach und nach, stoßweise, dann knospend, dann, fruchtbringend, um schließlich sich weithin, auszubreiten." Verzweifle nicht, Israel, wenn es noch' nächtlich finster um dich herum sein sollte; wie diese? aufsteigende Morgenröte, .wird deine Erlösung sich stufenetappenweise volK ziehen. Spärlich werden die Strahlen sich durchringen, langsam, stoßweise, aber Bie wird kommen,, sie wird erscheinen, diese Sonne 1 Nut nach und nach wird sie aufblitzen) prägt es der große. Gelehrte steinern Genossen ein, im .vielfarbigen Wechsel des Morgengrauens.; Wie die kleinen Strahlenbündel aus den winzigen Ohanukkaüchtern, vdie nach iond nach sich vermehren und zunehmen,, bis sie ihre volle Zahl ^erreichen, so sehen wir der Tempelweihe und dem1 neu Sau betretenden Boden Palästinas entgegen. Den Spuren dieser Lichtlein folgend* zeigt uns die Vision! Ein uraltes Gebäude, welches durch eherne Pforten in verschiedene (ehrwürdige, weite Hallen führt. Es öffnet} sich' die erste jgroße Pforte und iwir erblicken eine im Sonnenbrande sich weithin dehnende Wüste, und ganz Israel steht vor dem Ewigen bei der Aufrichtung des Stifts-, zeltes; es waren Priester, Sänger -und Leviten; Pürsten, Beamte und Bichter; Künstler, Handwerker {und Ar bei-, ter; sogar alle Frauen und Kinder ausnahmslos versammelt und .überall Jubel und Jauchzen und jedes Gesicht erstrahlte iA--Erou.de und Wonne; nur ein .einziger." stand da in tiefen äeti». 1» w :. Betrübnis; es war der. Mann, der den Dienst zu leiten hatte für ganz Israel —. da ertönte die Stammes Gottes und rief ihm zu: „Auf! Ermanne dich, denn, du bißt bestimmt, das Größte im Heiligtum zu leisten, du bist o©>, stimmt, die Lichter zu zünden l" So geschah es vor. 32305 Jahren. Diese erste Pforte, schließt sich; es folgen Jahr-, hunderte von Kämpfen, bis zur Zpit deä Propheten Samuel dieses heilige Licht gänzlich erloschen war. Wieder öffnet sich' eine Pforte. Wir blicken in einen Baum, der weithin, leuchtet in Prunk und Pracht; wir sehen einen jugendlichen König auf seinem Throne, umgeben von seinem Hofstaate und von in verschiedene» glänzenden Trachten gekleideten Abgesandten verschiedener Völkerschaften; weithin schallen die Gesänge der Freude und des Jubels ob der Errichtung des ersten großen Heiligtumes auf Zion und um den alten Leuchter aus Mosis Zeiten stehen noch zehn ander«, fünf zur Bechten und fünf zur Linken desselben — so geschah es vor 2750 Jahren. Aber es kam der Uebermut über Israel und der Leichtsinn beherrschte das Volk im Glücke und es bemächtigt? sich desselben der Zwiespalt und das ,blühende Eeieh* teilte sich und die Teile zerfielen nach und nach, bis schließlich ein großer Welteroberer kam und die jüdischen Einwohner in ein fremdes Land führte und unter Trauer^ bildern schließt sich die zweite Pforte — das Licht de» Heiligtumes war wieder erloschen. Wieder öffnet sich eine Pforte. Wir sehen eine bescheidene Halle und in der Mitte »inen bescheidenen Mana auf einer kleinen hölzernen Erhöhung, nicht mit der Krone auf dem Haupte, sondern nur mit dem härenen Manfeet des Propheten bekleidet. Um ihn. nicht das ganze Israel, sondern nur; ein kleiner Bruchteil des Volkes, das mit ihm aus dem Exil gekommen war. Nicht Gold und Silber: durchglänzton den Baum, sondern nur eine^ Pergamentrolle bildete den Mittelpunkt des Ganzen* aus der dem} Volke verlesen wurde, aber doch herrschte wiedeE Freude ringsumher, wenn auch gemischt mit Tränen der Alten, die noch das frühere glänzende Heiligtum geschaut hatten. Wieder erstrahlte der goldene Leuchter im Gotteshause und verklärte die bescheidene Versammlung: des Volkes, welches das Licht desselben im Buche Gottes verkörpert erblickte. — So geschah es vor 2370 Jahren. Aber doch' wieder sollte Wandel eintreten. Ein verderblicher Geist von außen hatte sich nach und nacht eingenistet und viele ergriffen; der Geist der sogenannten neuen Zei^, wie er bo oft in der Geschichte wiederkehrt; der Geist der Assimilation, der Israel so oft verblendet und ihm nahelegt, zu sein wie die anderen es. umgebenden Nationen, das heimatliche Erbstück Gottes zu vernachlässigen; dazumal war es der' hellenistische, mit Gewalt den Getreuen aufgezwungen, von einem fremden Könige, unterstützt von Schmeichlern und Heuchlern aus der eigenen Mitte — und wieder erlosch! das Lieht imj Heiligtum, Finsternis breitete sich aus und lagerte über Israel — und eo schließt sich diese Pforte und jede Hoffnung schien verloren 1; ' < Jedoch! nein l Eine andere Pforte öffnet sichTund> geleitet uns in. eine neue Halle, die hat wieder ein anderes, von den ersteren verschiedenes Aussehen. Sie ist düster, ernst; Kriegstrophäen sind überall verstreut; Fahnen mit den Gottesnamen flattern in den Lüften; aber die Wände sind kahl, zerstört; Altäre raigen sich, die niedergerisseh Bin<$ und nur eine kleine Versammlung von stämmigen; Männern steht da mit geballten Fäusten; ein Mann in ihrer Mitte, herkulisch, hervorragend, mit blitzenden Augen — noch ist alles finster, der Leuchter im Heiligtum hat noch kein Licht — da,, höret! es ertönt Jubelgeschrei, es wurde ein Qellämpchen uaus alter Zteit gefunden, ngjbifc .mit, weihendem Priestersiegel versehen und wieder leuchtet es. auf bf. hLoms wüQHESfsei

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