Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 1 (2.1.1920)
- Date
- 1920-01-02
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 ör. BL©gH'S WGiE^SeEMFT. s^t» i i Ctata* ÄigeuÄLäiMtft, daß sein« Wiuidea rasch h*ilen. AUeia was/atttzt es, Wate; intai' ihiräimmer wieder »eue Wunttea schlägt. So ikkmeäa jetzt die verschiedene». Requirierimgen i& Bolen, tlis wieder einen großen Teil der jüdischen Kaufmannschaft, insbesondere die der Provinz, schwer getroffen halben. Die Ersparnisse und die Erträgnisse mühseligen Fleißes; waren mit einem Male dahin. Trotzdem' ist der jüdische .Optumsmus und die jüdische Unternehmungslust nicht gebrochen; sie hbffen> daß früher oder später auch die neuen Herren einsehen werden, daß sie die Juden nicht gut entbehren können. Vorläufig sind sie noch immer Unterd¥ü<5!bingen und Verfolgungen ausgesetzt. Die polnische Judenschaft samni'elt indes alle Kräfte und bietet alles auf, um1 ihre Existenz zu retten. Für die arme Bevölkerung wird viel getan; besonders' die nach Aimerika ausgewanderten Juden helfen durch Geldsendungen ain die Brüder in der alten Heimat in reichem' Maße. Erwähnenswert ist die Tatsache, daß die Hilferufe aus Polen in jüngster Zeit einen ganz anderen Ton haben. Die einfache Bettelei ist den polnischen Juden' lästig geworden. Sie verlangen in ihrer Bedrängnis1 Geld, nicht "Um! die augenblickliche Not zu lindern, sondern um1 neue Produktionszweige eu schaffen, die es1 ihnen ermöghchlen sollen, nach' kurzer Zeit ganz selbständig zu werden. Besonders verdientes hervorgehoben zu werden, daß die polnische Judens'chaft endlich: die Notwendigkeit erkannt hat, m!oderne Schulen zu scharren, die ihre Kinder für das Leben besser vorbereiten sollen. Das Schulproblem' ist überhaupt der wunde Punkt im Leben deT polnischen Juden. Auch da sehen wir, daß, was der Verstand nicht vermag, vermag und erreicht zuweilen 'die Zeit . . . Die Forderung, moderne jüdische Schulen in Polen zu schaffenv vertrat kürzlich' auf einer der letzten Konferenzen in Philadelphia der bekannte jüdische Schriftsteller und Kritiker Niger. In denr jüdis'ch'-akademischen Kreisen in Polen herrscht ein reges Leben. Viele jüdische Korporationen, die früher der jüdischen Sache kalt gegenüber standen, bringen 0'etzifden j ü d 1 s c h e n F r a g e n und1 jüdischen Angelegenheiten das lebhafteste Interesste entgegen. Auch die orthodoxen Kreise rühren sich. Bekannt sind die Typen der Talmüd-rThbraschulen des polnischen Judentums, denn sie ließen bis jetzt sowohl in geistiger, wie in hygienischer Hinsicht alles' zU fwünscnen übrig. Jetzt scheint auch diesen Kreisen ein Licht aufgegangen zu sein und sie machen sich daran, diese Schulen ein wenig zu modernisieren. M den letzten Tagen wurde in Leiber» das Andenken an die polnisch-jüdischen Helden, die ihr Blut um die Verteidigung Lembergs vor einem Jahre verspritzten, feierlich begangen. Die polnische Sache hat in uns tapfere und wackere Verteidiger gefunden. Allein wo ist die Anerkennung von Seiten der Polen? — In Polen befaßt man sich jetzt ernstlich mit der Schaffung verschiedener Industrieunternehmüngen mit amerikämsch^üdischem Gelde. Auch verschiedene Kassen sind zwecks1 Sanierung der zugrunde gerichteten jüdischen Existenzen im Entstehen begriffen. In diesem' Sinne arbeitet die in jüngster Zeit in Warschau entstandene Selbsth'i 1 fegeSe 11 $ch a£t „E s!ra". Zahlreiche Nähmaschinen sollen auch den Unbemittelten zur Verfügung gestellt werden. Ferner sind in verschiedenen Zentren Polens angesichts'des; Massenelends!, das in der fcril^Mtarttftt- «aefe stft l^a^öösitaÄfe zaiaiwra* verschiedene JJÜlige Y olk s k * % h*u wbimlm. M. nächster Zeit soll eine Rat]m!|k-ii«|-|i^oAfel''#^-' in Polen zustande kojntatea, die über ^Igenwdne praktische Angelegenheiten beraten wird. Obgleich! in dieser Zeit <ler Not eine unbedingt© Einigkeit von Nutzet* - wäre, hört man leider nur von unschönen Paiteistueitigkeiten und Differenzen. Dagegen können wir mit Genugtuung konstatieren, daß sich unter der jüdischen Kaufmannschaft ein gewisses einheithchesi Streben bemerkbar macht;- mehrere kaumoanniachie Organa sationen sind nämlich in jüngster Zeit in Polen ins Leben gerufen worden. <=■ -• Die TauffaHe/" insbel^deririm^ tuellen und in Akademikerkreisen, mehren sich von Tag zu Tag. Der Hunger isft ^roß, Idas Elend der hex uns So hochgeachteten Geistesproletarier enonri wvä nachdem sie nichts mit ihrem Volke verbindet, m braucht es nur eines leisen Windchensl und ©ine* Aussicht auf irgendwelche Karriere, und sie; sind mit ihrem1 Volke gleich fertig. Mit der Sicherheit ist es hierzulande nicht sonderlich! guVbestellt, speziell in hezug auf die Juden; man liest häufig von Ueberfallen auf Juden und jüdisches Gut. Der bekannte Kantor S i r o t a seil demnächst nach London reisen, um! dort einige Konzerte zugunsten der Armen Polens zu absolvieren. Ih den nächsten Tagen findet eüne jüdische Lehrerkonferenz Großpolens statt, die sich mit verschiedenen Erziehungs- und Fachfragen befassen wird« Es soll verhandelt werden über 1. Schulwesen, 2. Hygiene der Schule, 3. Pflichten des Lehrers^ 4. seine weitere Ausbildung, 5. über Organisierung der Lehrer. Endlich haben auch' die jüdischen Lehre? in Polen eingesehen, daß es mit der Systemlosigkeit, wie sie bisher auf dem1 Gebiete des jüdischen -Schulwesens geherrscht hat, nicht weiter geht und sie haben eine Organisation ,,L i s c h k a t C hin irch! w e - tarbut" (Erziehungs- und Kulturbureau) ins Leben gerufen. Das jüdische V e r e i n s 1 e be n ist ebenfalls' zieinf lieh rege.1 Das sieht uiian aus den massenhafte** großen Plakaten, die die Wände der Häuser in den Jtjt dengassen überall bedecken. Auch die jüdische Musik wird gepflegt und jüdische Konzerte werden öfter veranstaltet, die s|ark (besucht sind. Auch das jüdische Theater ringt sich immer Botfehir in artistischer Beziehung empor, wenngleich; die bekannten Mißstände der jüdischen Bühne in Polen noch nicht ganz beseitigt sind. Aber es ist Hoffnung vorhanden, daß auch auf diesem1 Gebiete eine Wendung zum'Besseren eintreten wird'. Abraham'Kö h a n e, derzeit Krakaxt. Vermischtes. „Allgemeine Hilfskommission für Palästina*" Wien, 4. Bezirk, Frankenberggasse 14. Geschäftsstelle: Wien, II., Kleine Schiffgasse 3/6. Telephon 44.871. Bethausverein ^Freundschaft und Brüderlfchi:ei£> Wie», K 35; Wilhelm Kaufmann, Wien (für Waisenhaus),. 35; Julius Frank!," Wien, 20; Hermann Engel, Wien, 1. „Für Spitalshilfe für Palästina." Hofrat Dr. Julius Schlag. Wien, 11. Ob. Donaustr. 10». Geschäftsstelle: Wien, H., Kleino Schinvassa 3/6. Telephon 4482t. Für die einzige jüd. Augenklinik i« Jerusalems) Beligionsjrofessor M. A. Landau, Wiener-Neualadt» K 100; Betsttausverei» Awindschaft iwd BrftäerKehfeei*", W^ök,