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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-01-02 · 1 (2.1.1920) · p. Seite 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
1 (2.1.1920)
Date
1920-01-02
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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5*a*s I5r. SLÖC£t3 * gerissenen Sätzen ujöd falschen Zitaten einen Strauß giftiger Worte gegen Juden und Judentum zu winden. Nach der gleichea Methode könnte man ebensogut und ebensoleicht einen Deutschenspiegel, einen Franzosenspiegel oder einen Brilenspiegel zusammenstellen. Der gute Mann, der für das1 antisemitische Abendblatt, den „Judenspiegel" besorgt, merkt es indes nicht,, daß er sich selbst damit einen Spiegel vorhält Nur schade, daß er in diesen Spiegel nicht hineinsieht; er würde sonst darin ein „Mannsbild" erblicken, das jeden anständigen Menschen mit Abscheu erfüllt, nämlich — Idas Bild eines Ehrabschneiders. S. M. ^Deutsche Bfuderhjlfe" und jüdische Kitfe. Endlich haben wir den Beweis in Händen, daß die deutsche Treue und Bruderliebe, denen die^ Christlichsozialen und Antisemiten täglich und stündlich neue Lobeshymnen singen, wirklich kein leerer Wahn ist. Man bedenke: die ers-te Liebesgabe vom flachen Lande ist in Wien eingetroffen! Die allererste und bisher einzige Liebesgabe vom flachen Lande. Vor wenigen Tagen teilte nämlich Bürgermeister Reutoann mit, daß die erste Spende für Wiener Kinder vom flachen Lande in Niederösterreich eingetroffen ist. Da sage einer noch, daß «s keinen Opfermut unter unseren Agrariern gebe I Wiens größte Not, der schleichende Hungertod der Wiener Kinder, hat in der ganzen Welt die Herzen aufgerüttelt und rührende Taten der Nächstenliebe und Barmherzigkeit gezeitigt. Für die Wiener hungernden Kinder haben Arbeiter in Holland und in Schweden Ueberstunden gemacht, die Schweizer schickten Liebesgaben, die Italiener, die- Reichsdeutschen, nur unsere. Agrarier haben für das hungernde Wien, für Wiens, hungernde Kinder nichts übrig. Im! Gegenteil, sie haben sich bis jetzt sogar ihrer gesetzlichen Lieferungspflioht zu entziehen gewußt, haben den Hunger der Großstadt zu Wucherausbeutüngen benutzt und ihren Ueberfluß dem' Schleichhandel zugeführt. Sie wollen nichts geben, lautet ihre nichtswürdige Entschuldigung, weil Wien rot sei. Wien ist antisemitisch verseucht, aber das hat noch! keinen Juden abgehalten, zur Linderung der Wiener Not zu geben. Dafür ist der Jude der Preistreiber und der Agrarier der deutsche Bruder. Wie dieser Bruder in . der Not sich bewährt, da» izeigt eben die erste Liebesgabe vom flachen Lande ... Die' Hilfsbereitschaft Deutschlands, die Not in Wien nach Möglichkeit zu lindem, zeigt sich in der lebhaften Sammeltätigkeit, die gegenwärtig im ganzen Reiche eingesetzt hat Die Deutschvölkiscbien tunsich etwas darauf zugute, daß der Hilferuf aus Wien int Reiche nicht ungehört verhallt ist; sie sprechen von dem „großen Sechzig-Millionen-Bradervolk", das den unglücklichen deutschösterreichisch'en Brüdern zu Hilfe , eilti von der „deutschvölkischen Pflicht", die damit erfüllt, wird, und von „deutscher Brudertreue" und .ähnlichen schönen Dingen, die dem! deutschvölkischen Sprachschatze entoomirnen sind. Wie es aber ,in Wirklichkeit mit dieser „deutschen Bruderhilfe" bestellt ist, illustriert am besten das Schreiben eines völkisch gesinnten Reichsdeutschen, das vor kurzem' in den „üeutschösterreichischen Stimmen" veröffentlicht wurde. Der Briefschreiber bezeichnet die Vorstellung Deutschösterreichs, daß das Reich die Pflicht habe, uns zu "helfen, als eine „Fehl vorstellung" ürid nennt die Lebensmittelaushilfe des Reiches ein ^lnioefia"£ «r spricht mit einer nicht mißzuwotENSCHKnnr. .„ , ". *». t stehenden Andeutung fori „dem iröhrichsn Geher, der schließlich bockt", und ruft zuguterletzt, als sei ihm' die Geberlaune schon jetzt vergangen, die Deutschösterreicher zur Selbsthilfe auf. Dieser - deutscht völkische Bruder weiß am' Ende nicht, daß es vom Grunde aus falsch ist, zu glauben, daß wir uns allein helfen können, r^utschösterreieb stand im Wirtschaftsverbande 3 t einem Reiche von.beinahe 50 Millionen Mensel u und lebte als v orwiegendes Industriegebiet zu zwei Dritteilen seiner Bedürfnisse von den natürlichen Hilfsquellen des Gesamtstaates* Heute kann es also nur ein Drittel seines Bedarfesaus? dem eigenen Bestände decken. Von den 6 Millionen Menschen, die es umfaßt, leben allein 2 Millionen in Wien, die nur verzehren, und — außer Industrieerzeugnissen — nichts zum1 Lebensunterhalte produzieren. Sie schaffen also nicht ednn^al das eine} Drittel für sich. Als Gegenstück zu dieser „deutschen Bruderhilfe" möchten wir die jüdische Hilfe zur Linderung der Wiener Nat erwähnen. Das jüdische Herz hat noch nie versagt, wo es gilt, Notleidenden zu Hilfe zu kommen. So, ist denn auch jetzt der Hilferuf aus Wien arri ehesten von den Juden in Deutschland gehört worden. Die Sammeltätigkeit ist sehr rege und besonders reichlich fließen die jüdischen Spenden. Wie die Frankfurter „Neue jüdische Presse" mitteilt, sind neun Zehntel der Spender Juden, trotzdem' gemäß der Verhältniszahl zwischen Nichtjuden und Juden in Deutschland neun Zehntel der Spender Nichtjuden sein sollten und trotzdem man es verstehen könnte, wenn Juden bei einer allgemeinen Sammlung für das antisemitisch durchseuchte Wien überhaupt nicht spenden würden. Aber Menschenleiden — und Juden spenden. Hilfsbereitschaft gehört zur jüdischen Tradition, und entspringt den reinen Quellen jüdisch-ethischen Empfindens. D«r Jude macht nicht viel Aufhebens davon und stimmt keine Tiraien an über „völkische Pflicht" und „deutsche Brudertreue"; er kennt nur die. werktätige Liebe und is £ ganz einfach jedem' Notleidenden ein Bruder. Deshalb überrascht un3 die Tatsache nicht, düß neun Zehntel der Spender Juden sind, denn bei jeder Hilfsaktion findet man die Juden am zahlreichsten vertreten. Fragt sich nur, ob und inwieweit bei Verwehdung der gespendeten Gelder, die zu neun Zehntem von Juden gespendet sind, auch das jüdische Elend in Wien Iteräcksicbtigung finden wird? Schreiben des Oberrabbiners Dr» Jung alt die jüdlache Gemeinde in Ung.-Brod. Nach der allgemeinen iTYTlD denkt m'an hier in jüdischen Kreisen an den p3 Aufbau und Belebimg des Judentums, natürlich ist mancher PJ2t eine JTTOD (Umsturz). . * Ich höre, die Broder fl^np (Gemeinde) wird! sich auch aufraffen und der Mittelpunkt vom! orthodoxen Leben in Mähren werden. Sie werden es begreifen, daß ich außerordentliches Interesse an Brod habe, da ich dort meine besten Jahre verlebt habe. Es würde mich aber sehr freuen, wenn es anderen gelingen möchte, meine Ideale so zu verwirklichen, Ich könnte mir dann einbilden, daß ich manches beigetragen habe, uiri 4en Boden dafür empfänglich äu machen. Die Hauptsache bleibt, daß die Orthodoxiö geeinigt wird und daß die Lösung aller Fragen religiöser, sozialer und ökonomischer Natur in die Hände nimmt. Der religiöse Gedanke muß, bleihen de^ pp^T

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