Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 48 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 678 (sequence 10)
- Language
- German
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«•»• W Or* BEOCffa EMRMMVW ** «§3 »chloß der Voraitzettde; unter Danksagung an das Kuratorium1 für dessen! freudig© Mitarbeit, wie an di© Loge für Ueberlassung des Saales zur GeneralvÄsamddMx. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Di. E. P. Chajes seinen ^Vortrag: „D i e j ü d i sehen Katakomben in Roto als Gesehi,ehteqnelle," __ X Dto HUfc der EwlKnÄSohA» BrüdeE m VonAaum um*. — ~~ V’-v ' Ms Wir hh Herbste mit unserem; Kinflerzuge. zur holländischen Grenze kamen, empfing uns hier das Komitee; Liehe, Güte und' Sorglicnkeit erwartete um. «©re Kinder und geleitete sie weiter me Land. Als* Wegzehrung standen schon Kannen: wundervoller dicker Milch bereit, denn überall und seit altersher ist .dieses Reichen von Speise und Trank die erste Geste der Gastfreundschaft. Hier aber war es noch' feqlehr, ein Sinnbild der Fülle, die unserer Kinder wartete und es war unsagbar IScKmerzlich für uns, zu sehfen, wie die armen, ausgehungerten Kindermagen den ungewohnten jGrenüSsen nicht standhielten. Da fühlten wir es Widder, wie arm', wie bettelarm wir geworden Sind. Wir dachten der Zeit, da Wir uns Haupfttürnns „Weher" als ferne Beschauer vom Parkett aus he trachteten. Wie fern, wie Weltenfern waren wir dieSem Elend damals gewesen, das Seither unser anf%Hcher Weggenosse geworden ist! Und diese Kinr Ser, die den Höhepulckt der Erschöpfung erreicht | hatten, die das Eidöd und die Sorge alltäglich mit l ihren eiUstgewordenen Augen angeHickt hatten, sie sollten Wir in HäuSer des ReichttöriS, der Geborgenhöt, der Wohligkat bringen! Wie weiden sie da aufgenotvhriÄi werden? Aber ein neues Erlebnis War Antwort auf dies© Frage: Die -Soldaten der Grenz1 behöidett visitierten den Kinderzug. Man weiß. Welch' schweren verantwortungsvollen Dienst diese Männer haben, wie hart sie Werden müssen 5m’ steten Verkehr ndt Mens<h«a aller Art. Aber 'die kalten Amtspersonen wandelten sich und Wurden Kfnderfreunde. Soldaten Schleppten Milchkannen und Körbe voll Brot herbe!, sie reinigten - Tassen und; Gläser, damit die Speisen rascher zu den noch Hungrigen kämen, und Wanch1 einer strich mit liebevoller Hand über solch ein' ai&tes Kinderköpfchen und sprach! in seinem! sonderbar platten Deutsch auf die Meinen Fremdlinge Ä Und efn zweites Erlebnis: Mit dÄn' empfangenden Komitee waren auch ^inoffizielle" Personen, hier herausgewandert. Fen^ünütter und Vater, die ihr GastMhd schon an der Grenze in Empfang nehmen und sich eüa ganz besonders liebes aüsSücbeh wollten. Da . kleideten Äcb wieder Zweifel und Furcht, denn wir hatten unter unseren Kindern auch solche, denen 8er Hunger und die Not den unschuldsvollen Kinderliehreiz genotnkne& hatten, blasse, verhärmte Ge ÄlÄöpfchen; und wÄm es an ein AusÄKb'en ging, so MOten WsSe, da^ fürchtete wir, verschmäht ZU7 rÄcWleihen. Aber Schbn te Arnhehn' erwies sich EHe Angst aTs( unbegründet. Die holländischen Mütter und Väter unserer Kinder laptzten gerade nach fliesen AerinSten. „Warten Sie nur, in zwei Monaten werden Sie es1 nicht Wieflererkenlheh", sacte eine solche holländische Mutter, sieseSfroh und glücklich, als sie flaS biaste© Sorgenkindchen an sich' aafrth. c ’ Rotterdam trachtet durch seine Hflfsbereitscbaft Amsterdam' zü übertreffen. Wie hier das Leben ih‘ Rotterdam1 intensiver und schneller gelebt wind, als itf Amsterdam!, so Wird hier auch1 schnell, gttihMch und unermüdlich die Hilfe für das1 Jüdische Kind aus Wien geübt. Herr E i j l kennt Seit Monaten nur eine Arbeit: die zum1 Wohle unserer Kinder. Er ist glücklich; wenn er Wieder ein Haus1 gefunden hat, Wo er ein Kind gut miterbringen kann und dank seiner warmen Fürsprache gelingt ihm dies mehr als einmal am Tage. Mit besonderer Sorgfalt fertigt er die Liste an, die uns Zeigt, welcher Art die Kinder sein sollen, die in jedes einzelne Haus nach Rotterdam' kommen, um nicht nur unsere Gastfreun.de in Holland zu befriedigen, sondern auch unseren armen jüdischen Kindern ein wirkliches Heim1 in jedem einzelnen Hause zu bieten. In Rotterdam , hätten wir das Glück, eine Reihe führender Männer gefunden zu haben, welche derzeit ihre schönste und größte Aufgabe darin sehen, möglichst vielen Kindern gastfreundliche Heimstätten zu errichten. Herr Kättenburgh und seine Frau sind in treuer Elternliebe bemüht, den Kindern in der Fremde eine schöne und wahre Heimat zu schaffen, eine schönere, als das armie Deutschösterreich ihnen in den letzten Jahren1 sein konnte. Mehrere Kinder hatten das Glücken seinem1 eigenen Hause Aufnahme zu finden und den Eltern dieser Kinder schickt er monatlich Geld, um sie 'darüber zu trösten; flaß sie ihre Kinder in di« Fremde schicken mußten. Es zeigt sich hier wieder einmal so recht das jüdische Empfinden der hbllän:- dischen Juden, daß sie nicht von den amten Eltern Dank verlangen, weil sie deren Kinder vor" dein! Hunger und dem. Erfrieren gerettet haben, sondern daß sie innig mit diesen. Eltern fühlen und eS empfinden, wie schwer es; den jüdischen Müttern und Vätern" sein muß, wenn sie. ihre Kinder, lahge Monate entbehren müssen. Das Montefiore-Heim in Rotterdam nut seinem herrlichen Garten war ein .Wunderschönes Heim .für unsere Kinder, welches die Liebe Und Fürsorge des Kopiitees1 zu einem wahrepKinderp^ramcS äüsgestaltete. Herr Heym’ann, dieb Präsident deb Komitees, welcher als Präsident der israelitisch«© Allianz in Rotterdam1 führend auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge ist, stellt seine reichen Erfahrungen und sein großes organisatorisches Talent vollkommen in den Dienst der Sache unserer Kinder und Wir sowohl. Wie auch unsere Schützlinge sind diesem1 hochherzigen Gönner zu ewigem’ Dank verpflichtet; Herr Marco Co hn niinint 20 jüdische Knaben auf sein Gut in Marun, wo bereits ChaluzimS arbeiten; und hoffen wir dadurch Wieder einige Knaben zur Landwirtschaft erziehen zu können. Frau SWart'S ist unermüdlich für unsere Kinder tätig und yerstehf es, durch ihre persönliche Liebenswürdigkeit und tatkräftige Mitarbeit auch heue Freunde und Förderer für unsere gute Sache zu Werben. . Die großen Städte Hollands gingen!. mit gutem Beispiel in der Aufnahme von Kindern voran. Gleichzeitig begann aber auch die große. Hilfsbereitschaft im! ganzen Lande. 1 Enschede, .die große, reiche Patrizierstadt, nahm; ohne viel zu fragen und zu zögern, viele unserer Kinder als' Heine Sommergäste auf, Frau Manko-Edersheim’ und Frau Menko-Har - togensis haJ^ sich mit der gaUMh Wärme ihres Empfindens für die Sache der Kinder eingesetzt, sie arbeiten seit Beginn der Aktion unermüdlich1 und reri ständnisvoll. - - An Amsterdam schließt sich1 Arnheim; die. schöne Villenstadt an, was die Zahl der auf genommenen Kinder änbetrifft. Frau Mo gene d o r f f übernimmt hier stets mit mütterlicher Liebe und Sorgfalt rdie Unterbringung des begleitenden Pflegeper,-’ soaals; die jungen Mädchen fühlen sich1 schon nach