Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 48 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 675 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3022353-3022396--28160-3053618- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 4* Br, BCÖCIT9 W tlHils N5CHRIF® Seit» 771 Sfammungsfrage ist. Trotzdem ist eine GegenuherstvIlüng vo& Juden und Deutschen falsch, da es1 wohl eine . arische oder germanische/ aber keine deutsche Rasse gibt. Die Zugebörigkeitzum deutschen Volke kann den Juden mit derartigen' Argumenten' nicht bestritten werden. Die Volkszugehörigkeit ist eine Frage der Ueberzeugung und des Wollene. Br. Ishi'ar Freund gibt seiner Befriedigung Ausdruck, daß ein Verständigungswillen auch bei den Gegnern zürn)« Ausdruck gekommen ist ' Bl« GefetBC’ben und die Juden Tn der neuen französl- V eteheit Kammer. . bti der neuen französischen Kammer haben soeben Geistliche Sitze erhalten, und zwar die Pfarrer Lemire, Hacks’pill, Müller und Wetterlö (die letzten drei aus Elsaß-Lothringen), sowie die drei Pastoren Soulier, Altorffer und Scbeer (die beiden letzteren aus Elsaß-Lothringen). Die Kärntner zählt weiters zwölf jüdische Abgeordnete, unter denen die bekanntesten der Finanzminister Klotz, der UoterstaatsSekretär für Militärjustiz Igttace, George Mandel, der frühere Kabinettchef Clem'enceauS und Maurice de Rothschild sind. An Stelle von Mandel, der zuÄ Abgeordneten gewählt Wurde, hat Clerndnceau ebenfalls' einen Juden, Wormser, zum Kabinettchef berufen. Außerdem! ist in seinem Privatkabinett auch der Jude H a gen aujer tätig.; Der BeINspro*eß.( ...... Staatsanwalt Wiper verurteilt. Das Londoner jüdische Korres'pondenzb'ureau meldet: Ende September fand in Moskau der Prozeß gegen* den Staatsanwalt' Wiper statt' der bekanntlich' im Beilisprozeß die Anklage vertrat. Der Prozeß, der drei Tage dauerte, erregte das lebhafteste Interesse der allgemeinen und insbesondere der jüdischen OeffenÜichkeit. Als Staatsanwalt fungierte Krilenke, der erste Generalissimus der bolschewistischen Revolution. Er forderte für Wiper, der sich selbst verteidigte, die Todesstrafe. Das Tribunal verurteilte Wiper, der 50 Jahre alt ist, Zu 20 Jahren Internierung im Konzentrationslager. jd« große Profesl und TrauerdeWortstration li» NewyOTk, Ein* Newyorker Kabel des Londoner jüdischen Korrespondenzbureaus meldet: : Am 24. November fand in Newyork eine jüdische Riesendemonstration gegen‘diePogronie in der Ukraina statt, wie sie Newyork niemals vorher in dieser Größe gesehen! hat. Einige Hunderttausende von Juden marschierten zum Protest durch die City. Mehr als 10.000 jüdische Soldaten bildeten die Spitze des Zuges, der alle Straßen des jüdischen Viertels mit seinen MaSsen bedeckte. Jüdische nnd amerikanische Fahnen mit Protest- und Trauerinschriften wurden dem Zuge vorangetragen. Alle jüdischen Geschäfte, Handwerkerstätten und Fabriken Waren' geschlossen. In! den Synagogen wurden. feierliche Trauergottesdienste abgeh’alteh. Beinahe die gesamte jüdische Bevölkerung trug an diesem1 Tage schwarz und Traner- HÄnder. Die jüdischen Geschäfte und Häuser waren Mt Trauerfahnen versehen’.. Die jüdischen Blätter erschienen mit Trauerrändern. >i{ Die Tranerdembnstration; begann! um 12 Uhr mittags. Besonders eindrucksvoll war der Zug von mehr als 10.000 jüdischen Soldaten, die in der amerikanischen Armee gedient hatten. Eine besondere Gruppe bildeten die jüdischen Palästinalegionäre.* Neben den Versammlungen, die in verschiedenen Teilen der Stadt abgehalten wurden, fand' eine Riesenversamminng in der Camegiehalle unter Vorsitz von Oberst Cuttier.statt. Als RCdner traten Minister Daniels, Kardinal L'awe 1, 'Gouverneur Walker, H y I a n, der Major von Newyork, Rabbiner Wise, der Vizepräsident der zionistischen Organisation Mars hall, Richter Mack und der 'bekannte jüdische Philanthrop Jakob Schiff auf. Die Redner rührten mit ihren Schilderungen die Versammlung zu Tränen. Die Versammlung nahm! eine Resolution am, in der sie die Großmächte zur Intervention aufforderte, da nur diese Maßregel den Pogromen ein Ende werde bereiten können. Die Versammlung faßte auch den Beschluß, eine Deputation zu Präsident Wilson zu entsenden. Die Versammlung machte großen Eindruck auf die jüdische uud nichtjüdische Oeffentlichkeit von Amerika. Aehhliche Demonstrationen wie in Newyork fanden auch in den anderen größeren Städten der Vereinigten Staaten statt. Die Vertreter des Kongresses der amerikanischen Juden1 überreichten! dieser Tage in Washington dem! Staatssekretär eine Resolution, die in verschiedenen Öffentlichen Judenversammlungen gegen die Pogrome in der Ukraina angenommen wurde. Lau sing erklärte, daß die ganze gebildete Welt 'diesen Protest teile, daß jedoch bei der im' südwestlichen Rußland herrschenden Verwirrung keine ständige . Regierung gebildet werden könine, mit der die Vereinigten Staaten verhandeln könnten. Unter diesen Umstanden Seien die Vereinigten Staaten machtlos. Sobald irgendeine Regierung im' einheitlichen Rußland anerkannt sein werde (er Wünsche nicht, daß Rußland zerstückelt werde), Werde eine entschiedene Bewegung für einen ordentlichen Schütz der Minderheiten und für eine Bestrafung der begangenen Uebeltateitt in Gang kommen. Naphthabobrüngen In Palästina. Eine amerikanische Gesellschaft, die bereits vor dem1 Kriege eine Konzession für Naphthabobrunven in Palästina besaß, hat in der letzten Zeit ihre Arbeiten wieder angenommen. Die nötigen Maschinen sind bereits eingetroffen und man ist derzeit damit beschäftigt, die zu den Bohrfeldern führenden Landstraßen ausZubauett. ^Hochverräter*r Bail* Kocbba., -- ' ■■■—-— ' Wie der Pariser Gewährsmann der J. P. Z. berichtet. wurden die Statuten'des1 jüdischen Turnvereins „Bar-Kochbä“ in! Bi st ritz von der Siebenbürsischenl Provinzialregierung zurück^ewiesen, Weil „Bar-Kocbh'a“ der Name eines Rebellenführers ist, der gegen die Römer, also gegen die Vorfahren der Rumänen, einen .Aufstand angezettelt hat — RaS heißt man GeschichtskenntniS!