Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 48 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 673 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4.« Dt. BüöOTS WOCHENSCHRIFT . «K» W üt« Me zwölf Stämme.Israel IWürden in vier Fahnengruppen geteilt: die Fahttengruppe Juda, die Fahnengrnppe! Ruhen, die Fahnengruppe Ephraim' und die Fähnehgruppe Kan. So berichtet die Bibel. Aber weder die Bibel noch die Ueb'erlieferuhg gibt uns .Kunde davon:, in welchen Farben die Judenfalinen, die Lagerpaniere, wie sie biblisch heißen, „Zeichen ihrer Stammhäuser“ waren. Den antisemitischen Alldeutschen in Deutschland war. es Vorbehalten, die grandiose Entdeckung zu machen, daß das schwarz-rot-goldene Banner die Judenfahne ist; ausgerechnet jene alten großdeutsclien Farben, die die deutsche Nationalversammlung als die Reich'sfarbbn erklärt hat, verspotten sie als „Judenfahne'L , Wie kamen sie darauf? Die Frage ist nicht schwer zu beantworten. Sie komknen ja eigentlich immer darauf, nämlich auf den — Judenpunkt. Ans ihrer Sehnsucht nach der alten. monarchischen „Herrlichkeit“ ergibt sich für sie ,der Schluß, daß die Regierung der Deutschen Republik pine „Judenregierung“ und daß die Reichsfahne eine „Judenfahne“ sei. ' Deshalb dem'onstiieren die antisemitischen Alldeutschen jetzt bei jeder Gelegenheit „gegen die „Judenfahne“; sie entfalten dabei das schwarz-‘weißrote Banner und' singen das bekannte Flaggenlied: „Stolz weht die Flagge Scbwarz-Weiß-rot.“ (Daß, dieses Flaggenlied' zwar kein Judenlied, aber .eines JuAen Lied' ist, nämlich' des jüdischen Dichters' Robert Linderer, das brauchen die Alldeutschen nicht zu wissen.) 1 ■ 8 chwarz-Rot-Gold i st eigentlich die deutsche Trikolore/: Sie war näch! den Befreiungskriegen der deutschen Burschenschaft patriotisches; Symbol. Sie hat während des1 Frankfurter Fürstentagen über dem Sitz der Bundesversammlung als weithin .sichtbares1 deutsches Wahrzeichen geweht. Schwarz-Rot-Gold kann aber auch als richtige Antisemitenfahne gelten. Sie ist das Banner des Deutschen Tumerhundes, des Germanischen Volksbundes, der Deuts'cbnätionaleu Oesterreichs um Herrn K. H. Wolf -— durchweg Vereinigungen, die, im Sinne der Antisemiten, kerndeutsch’ sind. . Aber ~ schön ist, was gefällt. Ihnen, den antisemitischen' Alldeutschen, gefällt nun einmal diese Fahne nicht, folglich ist sie unschön, folglich — jüdisch. Flugs wird sie daher ..am! Baum des Judentums gehißt. Und so flattert denn jetzt. 'die gute alte Antisemitenfahne als1 „Judenfahn'e“ im Winde. Ja, diese antisemitischen Alldeutschen, — wenn sie doch nur etwas' mehr deutsch, das heißt logischer denken könnten! ‘ S. M. Hakoah Germania. Ahi vergangenen Sonntag fand auf dem Sportplätze im1 Prater der Entscheidungskampf . zwischen den Sortklubs;H.a ko ah Md G e rm' a n.i a statt. Dem schon seit Wochen das' Interesse der Fußballgemeinde erregenden Entscheidungsspiel wohnten an A5.000 Zuschauer bei; es' ist dies ein Rekordbesuch, , wie , jhh ein Jökalcr Wettkampf bis jetzt in Wien noch .nicht zu verzeichnen hatte. Der Wettkampf endigte mit einem' . entscheidenden und wohlverdienten Sieg ‘der Hakoahher, Das Spiel -nahm.folgenden -.Verlauf. Die Genriania hat den besseren Start und. drängt stark. Die Hakoahher leiten mehrere gefährliche Angriffe fehl, von deneri einer Mt einem — StangenschuB abschließt. In der Z5. Monte erreicht die Hakoah unter frenetischem Beifall ihrer Anhänger durch Iszo Gans! 'die Führung. Dann Halbzeit. Die ersten zehn IVlinnten nach Seiteinwechsel sind die Führenden weiterhin im! Angriff. Der Kampf nimmt schärfere Forinen an. Die tüchtige Arbeit der Hakoah' wirft die Mannschaft der Germania immer wieder nach vorne und in der 33. Minute schießt Grünfeld das zweite Tor. Der Sieg, ist jetzt gesichert. Wohl gelingt es der Germania, zehn Minuten vor Schluß durch König einen Treffer zu erzielen, aber die Niederlage kann sie nicht mehr abwendeh. Somit beschließt Hakoah die Herbstm’eisterschäft als1 Sieger. Durch glänzendes Spiel zeichneten sich vor allem Juhn, Neinec und Gans! auf Seite der Hakoah ans. Die Hakoah siegt mit 2: 1. "Nach dem Wettspiel, bei dem das Publikum musterhafte Ordnung hielt, wurde den Siegern seitens des' gewaltigen Anhangs enthusiastische Ovationen bereitet. Alles in allem r ES war ein "Ehrentag des jüdischen Sports. Ministerpräsident Huszer und die Jutfenfrage. . Der Redakteur der jüdischen Wochenschrift „Egyehlöseg“, Dr. Ludwig Szaholcsi, hätte jüngst Gelegenheit, den neuen Ministerpräsidenten Karl Hu.sZär zu interviewen. Der Ministerpräsident erklärte: . „Ich glaube, daß auch das ungarische Judentum' das Konzentrationskabinett mit großer Beruhigung begrüßt. Für den gläubigen Juden knüpfen sich ebenso heilige Interessen an die Konsoldierong, wie für welchen christlichen Bürger imkner. Ich rechne auf 'die Einsicht, auf die Weisheit, auf die Mäßigung und den Patriotismus’ der ungarischen Judenschaft, die wohl ihren ganzen Einfluß darauf wenden wird, daß wir das Land aus' der Krise herausreißen können. Es ist ein großer Uebelsfand, daß die Menschen Sowohl rechts als auch1 links gleichmäßig verallgemeinern. Ich1 hin ein gläubiger Christ und bleibe es auch als Ministerpräsident. Dies kann dem1 anständigen Judentum1 die beste Gewähr dafür bieten, daß ich gerecht sein wefd'e, denn ich ‘wäre kein Christ, wenn ich' es nicht wäre. Ich' kann auch der Tatsache die Augen nicht verschließen, daß sich' unter den Führern des Bolschewismus viele Juden befanden. Diese Juden haben sicherlich nicht nur. ihr Vaterland, sondern auch ihren alten Glauben Verlassen. Ihre schonungslose Brutalität und ihre, der christlichen Gesellschaft gegenüber bekundete Agressivität hat jetzt eine unangenehme Stimmung hei den Massen ausgelöst. Ich weiß, daß .auch Juden vom Bolschewismus gelitten häbeto, weiß aber auch', daß das Judentum sich .in seiner Gesamtheit einer solchen Strömung gegenüber, nicht. als genügend. widerstandsfähig bekundet hat.“ Redakteur Szaholcsi bemerkte, daß keine einzige Klasse oder Schichte des Landes einen solchen Widerstand bekundet habe, der übrigens auch angesichts des fürchterlichen bolschewistischen Terrors' eine Unmöglichkeit war. Er fragte dann den Ministerpräsidenten,-oh die von gewissenlosen Hetzern gegen die Juden entfachte Agitation;sich für die Dauer der bevorstehenden Wahlen nicht noch steigern werde. Ministerpräsident Huszar erwiderte darauf: „Ich bin davon überzeugt, daß der Wahlkampf ruhig .verlaufen wird und ich “werde alles aufbieten, uin Aufregungen hintanzuhalten, die schädliche Folgen, haben könnten. Tn vielen Beziehungen hängt es vom Judentum selbst ab, wie beschaffen und wie groß