Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 48 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 671 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 787 Nr. « 0r» LWÜT MWMWlDKMV uichts sonst, als nur einen Bsähn^ wje Öen 49., Ln lesen, tun dies1 klar zu verstehen. Die Bösen, es m!ag ihben noch; so gut ergehen, sie vergehen, ve rfallen dein' Tode.- Für den in Gott Lebenden und in ihm1 Geborgenen ist der Tod bedeutungslos. Sein Geschick vertraut er Gotjt wie in der Gegenwart, so in alle Zukunft. Nur er genießt wahres Glück, genießt es in der Gemeinschaft mit Gott. „Wer Gottes Gebote hält, ist sein eigener Schöpfer“, sagen unsere alten jüdischten Weisen. Sein Dasein ist unzerstörbar. Von diesem1 Geist berührt, schrieb Kant in sein Tagebuch : „Der Spruch — ob ich schon waaöerte iin finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du hist bei mir (Psalm 23, 41 — hat mich mehr getröstet, als alle Bücher der Welt, die ich je gelesen habe." Man muß mit Gott — im edelsten Sinne — auf Du und Du stehen. Die entschiedene Absage an alle die -Phantasien, die in den religiösen Vorstellungen der Nachbarvölker das* Leben nach dem Tode ausmalten, nach Schopenhauer ein Zeichen, daß die Judenreligion „die roheste aller Religionen“ ist, sie ist für unsere Heilige Schrift überaus charakteristisch1. „Die .Erde bat Gott den Menschen gegejben.“ Alles Mysteriöse und Okkulte ist Gottes, „aber das offen uns vor Augen Liegende, das ist unser“. Hier haben wir uns einzurichten. Diese Erde ist das Feld, das wir aus einem’ Jammertal in ein Gottesreichwandeln vollen. Sittlich wertvolle Arbeit, rastloses Schaffen, im Dienste der Menschheit, sie sollen den Fluch bannen, den der Mensch über die Erde heraufbeschworen durch seinen Abfall von Gott. Der Anblick der Menschheit läßt aber an dieser Möglichkeit zweifeln. . Die - Schrecken,. mit denen die Religfoüen der Völker eine Hölle bevölkern, vermögen die , Bösen ebensowenig zu zügeln, wie die Seligkeiten des Himmels, die sie verheißen, die Unterdrückten über ihr irdisches Leidens'schickSal trösten. Wie oft seit den Zeiten der Pharaonen haben diese; Jenseitsreligionen zum Werkzeug der Völkerknechtung dienen müssen! ' Der Unterschied zwischen .uns und den anderen in der praktischen Behandlung der Unsterblichkeitsfrage läßt sich m. E. mit wenigen Worten kennzeichnen. Der andere sorgt übereifrig, nicht selten auch gewaltsam!' für das Jenseits des Nächsten, während er für seine Person sehr gerne mit dem Diesseits, und dieses möglichst ausgiebig, “vorlieb nimmt. Dem Juden wird eingeschärft: Willst du Olam h'a-ba gewinnen) so sorge, daß dein Nächster ein erträgliches 01 a m: h a - z e h' fin<le l Jedes Juden heiligste Pflicht ist es, den Baum des Lebens wieder zentral in das Diesseits pflanzen zu helfen. „Er stehe fest und Sehe hier sich.Um." Darin besteht die Berufung des Gottes Volkes. .. ’ Wmm nun auch innerhalb dieses Volkes nicht alle auf der gleichen sittlichen Höhe stehen, das Volk als Ganzes in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft trägt den Charakter als Goittesvolfc. Treu zu seinem1 Volke halten und so seinen Anteil an dessen Auszeichnung sich wahren, „zu seinen Väterneingchen“, in seinen Kindern und Enkeln Träger des jüdischen-Gedankens bestellen, das empfindet der Jude - als Seligkeit. „Aus Seinem' Volke ausgerottetwerden“, ist ihm schwerster Fluch. Im Pflanzenbund am Laubhüttenfeste wird nach unserer Ueberlieferung die gegenseitige Kompensierung der Fehler und Vorzüge im1 engen Volksverbande symbolisiert. Einen Menschen, ganz frei von Schuld und Fehle, gibt es nicht. Selbst Mose sündigt^. So ist jeder auf die Ergänzung durch seine Stamf* mes- und Glaubensgemeinschaft angewiesen. Darum treten wir auch in unseren Gebeten als Plural vor Gott hin. Ganz ähnlich sagt Fichte: „Auf die Hoffnung der Fortdauer seines Volkes gründet sich der Glaube des Edlen an die Fortdauer seiner Wirksamkeit auch auf dieser Erde; die wahre Vaterlandsliebe umfaßt die Nation als eine Hülle des Ewigen. Nur Wer sie besitzt, kann hoffen, auch hier ein wahrhaftiges Leben zn führen, das Unvergängliche im Zeitlichen selbst zu pflanzen und zu erziehen. Es kämpft demnach für den Gehalt und Wert des eignen Daseins, wer mit aller Kraft seine Nation und ihre unsichtbare Eigentümlichkeit verteidigt. Der Mensch rechter Gesinnung muß bereit sein, diesem Zwecke alle Unsere Güter, auch das Leben, freudig aufzuopfem,“ . (Wird fortgesetzt.) Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. Jetzt wissen Wir endlich, was christliche Staatsmoral und ehrliche Bürgerpflicht ist. Wir wissen es durch das Beispiel von zwei so hervorragend christlichsozialen und antisemitischen Ländern, wie es Vorarlberg und die Schweiz sind. Vorarlberg hat seinen Abfall bereits erklärt und Tirol will sich an Bayern anschließen, wenn die Entente nicht die Garantie für seine Ernährungsschwierigkeiten übernimmt, was einem Abfall gleichkommt. Erinnern Wir uns nur an die Vergangenheit dieser Länder im- Staate. Beide waren sie stets finanziell wertlos und kosteten dem Staate riesige Summen an Unterstützungen. Vorarlberg brauchte Förderung seiner Hausindustrie und seiner Viehzucht, Tirol sollte zu“ einem Zentrum des Fremdenverkehrs' gemacht werden. Man bewilligte unausgesetzt riesige Interventionen, man baute mit einem Millionenaufwand Bahnen, Straßen und Hotels, man dämmte die Flüsse ein und gab mit vollen Händen aus den Steuererträgnissen, welche namentlich ans den Steuereingängen Wiens stammten. Jetzt kam! die Zeit der Not, Wien hätte nichts mehr zn geben, sondern war auf seine Freunde von ehedem! angewiesen, denen es so reichlich, gegeben hat. Was ist nun geschehen, um1 sich dankbar und erkenntlich zu zeigen? Die Lebensmittel wurden von den Ländern abgesperrt, wie einst die . Grenzen, Tirol und Vorarlberg waren Feindeslande geworden von dem Zeitpunkte an, in welchem sie nichts mehr, zu empfangen, sondern zu geben batten.. Die Wiener, die sonst mit tiefen Bücklingen in die Sommerfrischen eingeladen worden Waren und in jeder Weise, für die Einkünfte der Länder gesorgt hatten, durften gar nicht mehr hereinkomimen, wenn sie nicht. Gefahr laufenwollten, Wie Verbrecher mit einem. GendarmCn auf den Schub zu kommen. Den Vorwand dazu hat das Bestehen einer vorwiegend sozialistischen Regierung, die gefürchtete Einreise der Schleichhändler und der Kommunisten gegeben. Aber in Wirklichkeit haben doch die Alpenländer in Hauser und Jodok Fink zwei Vertrauensmänner an der Spitze der Republik, die Kommunisten lassen, sich durch Einreiseverbote nicht aufhalten und der Schleichhandel und der Grenzschmuggel hat nirgends s°-. geblüht, wie unter den christlichen BeWphnem yorarb,