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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-12-12 · 47 (12.12.1919) · p. Seite 664

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
47 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 664 (sequence 12)
Language
German
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Seite vßO Dr. BEUCHE WOCHENSCHRIFT TI Nr. 47 als auch die anderen Oberrabbiner Hollands. B. L. Ritter aus Rotterdam', Hirsch aus Zwolle und- Vredenburg aus Arnheim1 haben durch Wort und Tat in den Herzen der Milglieder ihrer Gemeinde den Wunsch! zur Hilfe für die jüdischen Kinder entflammt. Sie sind .die Hüter des schönen jüdischen Gedankens der Bruderhilfe geworden. Mr. Isaao Prinz versteht es in seiner energischen und impulsiven Art,- viel Gutes zu tun. Da wir aber unseren Kindern die Gunst dieses’ in aller Stille wirkenden und helfenden edlen 'Mannes nicht verscherzen wollen, wagen -Wir es nicht, all das Gute, das er für unsere Kinder getan, aufzuzählen und zu berichten. Herr -Andre Hertzberger, dessen Name jeder Hilfesuchender in Amsterdam kennt, ließ' es sich nicht nehmen, sich von dem Elend der Kinder, in Wien selbst zu überzeugen. Er reiste von hier fort, erfüllt von den hier gesammelten Eindrücken und entschlossen, seine aufopfernde Arbeit, die er bisher, unterstützt von seiner gütigen Gattin; für die Kinderaktion geleistet hat, . auch weiter fortzusetzen und unserer güten Sache immer neue Freunde und Gönner zu werben. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß Herr Hertz berger schön zwei Turnusse unserer Heimkinder bekleidet hat. Frau Cohen hat ihr reiches, organisatorisches Talent und ihre große wertvolle, Erfahrung auch in dieser Aktion, der sie sich mit großem1 Eifer widmet, voll bewährt. Frau Marie SH jpers, diese gütige und vornehme Dame ist mäht nur Mutter ihrer eigenen Kinder, sondern ‘Mutter und Freundin aller unserer Ferienkinder geworden, die ihren Namen, stets mit inniger Liebe- und Dankbarkeit nennen.. Voll Emst und Hingabe sind auch! die Damen Frau Gugg-enheim und Frau Isäao. um das schöne Werkbemüht, das’ sie von allem Anbeginn durch ihr. tatkräftiges Interesse unterstützen. Ebenso wirkt Herr. Niykerk, der die große Arbeit der Kassaführung übernommen hat, mit der ganzen Wärme seines Empfindens für die Sache der Kinder. Herr und Fräulein Eid je verstehen* durch ihr «genes Beispiel und durch ihre tatkräftige Unterstützung auch weite Kreise zur eifrigen Mitarbeit heranzuziehen. Sie selbst, die ,umsichtig und opferfreudig wirken, finden den schönsten Lohn in dem Aufblühen unserer unglücklichen Kinder. Die Juden Hollands öffnen den Wiener jüdischen Kindern nicht nur Ihre Häuser, sondern auch ihre Herzen. Der Heine blasse Gast wird verwöhnt, verzärtelt, wo-! möglich noch besser gehalten, als die eigenen Kin- 3 der des Hauses’. Aber nicht nur die Familie, auch die Kolonie bietet unseren Kindern sorglichste Pflege und reichste Liebe. Ln Amsterdam ist „auch seit Beginn der Aktion eines der schönsten Heime in Holland für unsere Kinder hergerichtet worden. Die Holländer verstehen es aus der Fülle ihrer frohen Kraft heraus* schöne, sonnige Kinderheime zu schaffen. Die Kolonie wird in Holland wirklich zum - „Heime“, das’ Wort ist kein leerer Name, wie hier bei uns, wo er oft genug sogar zum' Hohne wird. Wenn ein Kind in Wien um die Aufnähme in die Ferienaktion ersucht, dann geht auch die Bitte an: „Nur nicht ins Heim!" Und wir verstehen das, denn wir Wissen es’ ja selbst, daß Kinderheime hierzulande keine idealen Institutionen sind. Niemals werde ich1 das Heine Mädchen vergessen, das ich in einem1 unserer schönsten, bestgeleitetsteü Heime untergebTacht batte. Als ich sie nach Wochen besuchte und nach ihrem’ Ergehen fragte, da sagte die Siebenjährige traurig: „Es geht mir gut. Nur, — ich bin hier so furchtbar allein!“ Allein, während fünfzig Kinder mit ihr daA ,HauÄ * füllten und alle Räume teilten! Aber die -Heine Inge hatte recht. Sie hatte mit dem tiefen Kindergefühl das erkannt, was nnseren Heimen fehlt. Sie sind leer von Liebe, die das Band schließen sollte um' alle, die es bewohnen und darum1 ist jedes traurig, allein und das Heim ist ihm keine Heimat. Wir «die, die wir Kinderheime gründen und leiten., haben das ehrliche . Bestreben, es Len Kindern mit Liebe zu erfüllen. Aber wir sind selbst so arm1 geworden, um reich in Liebe sein zu können. Unsere holläjndis'chen Freunde aber verstehen die Kunst, Heime zu schaffen, die wirkliche Heime sind. In diesen Kinderkolonien war kein Kind allein, War keines, so entfernt es von der Heimat war, fremd in der Fremde. Sie waren glücklich1 und im1 Sonnenschein, sie wurden hier nicht nur satt, sondern auch froh. Als wir sie nach Wochen wiedersahen, die Wir müde und blaß, verschüchtert und bange hierherg ehr acht, da fanden wir sie lachend und strahlend jwieder; sie tollten durch die Räume’ laut und froh und standen mit festen Beinchen mitten auf der Erde, drückten sich nicht mehr ängstlich der Wand entlang. Und wir, die Wir alle das, Was unseren Kindern an Freude und Glück gegeben wurde, mitansahen, haben uns aufgerichtet an dieser Kraft und frohen Fülle des jüdischen Lebens in Holland. Wir haben wieder einmal frohe, starke Juden gesehen, 'Ohne Angst, vor dem . Morgen, als gleichberechtigte Bürger ihres Landes sind und dennoch treue Söhne des jüdischen Volkes. Unsere Kinder werden in Holland nicht nur körperlich erstarken, sie werden auch von 'dem glaubenstreuen und aufrechten- Judentum1 Werte für ihr ganzes •Leben- .***^*s V: _Heimkehr von Palästinensern. Am 25... November ging der dritte Transport von Palästinensern in die Heimat ab. Es ist dem neugegründeten „Komitee zur Heimbeförderung palästinensischer Flüchtlinge“, Wien; II., Zirkusgasse 33, zu‘ danken, daß die 'Reisekosten, Iso Weit sie nicht von den Heimkehrern seihst ‘ gedeckt werden konnten/ aufgebracht wurden. ' Die technische Durchführung des Transportes, der in reservierten Waggons erfolgte, oblag;der Jügdiscb-Palästin. Reise- und Transportgesellschaft, H., ZPraterstraße 9, die einen ihrer Beamten als Fahrthegleitung bestimmte. Am! Büdbahnhof hatte sich, nebst Direktor .Brings von der Transportgesellschaft Herr W. Pappenheim' eingefunden, der namens des Hilfskomitees an die Heimkehrer warme Abschiedsworte richtete. Schließlich wurden von der orthodoxen Jugendgruppe und dem Joint Zuschüsse von Lehensmitteln für die lange/und beschwerliche Reise verteilt. Der Abtransport erfolgte tadellos und ist besonders das Entgegenkommen "der Südbähngesellschaft und ihrer Beamten Herren Oberrevident C z e r - n e k und Revident S a u 1 i c h hervorzuheben'. Die italienische Mission hätte auch diesmal,’ auf Verfügung des Herrn Tenente Mus1 s'o, einen JBegleitssoldaten beigestellt. In gleicher Weise wurde am1 26. November .'eine Gruppe von 17 Palästinensern abgefertigt. - Das Komitee hat beschlossen, zunächst, die Berücksichtigung außerhalb Wiens’ wob n b a ft er Palästinenser grundsätzlich, au s z u - s ch1 ließen, solange nicht die Heimbeförderung ihrer . hiesigen Leidensgenossen durchgeführt ist. Auch dies

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