Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 47 (12.12.1919)
- Date
- 1919-12-12
- Page
- Seite 662 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7LÄ . Dr. BLOGH’S WOCHENSCflRLFT Nr. 47 Römer würde». v«WMsd«re Sühveationsa®.- südhten, Steuerangelegenheiten, sowie mehrere Personalien erledigt. Die Zustände in jnanehen VerwaItungszweigen der Kultusgemeinde. , Selit geehrter Herr Redakteur! Die Anregung des Herrn Jakob Frankel findet internen vollen Reif all. Nur glaube ich;, daß seine Hoffnung auf den Tempel seht trügerisch ist. Denn das einzige, was mit diesem Tempel jetzt geschieht, ist, daß man eine Bank nach1, der anderen zu Brennholz zerhackt. So erzählte man mir in .der SeitenstettengasSe, also aus1 zuverlässigster Quelle. Hingegen möchte ich heute auf einen anderen unerträglichen Hebelstand hinweisen. Ich wär neulich bei der Beerdigung eines Anverwandten auf dem' neuen Friedhöf der Kultusgemeinde zugegen. Zunächst die Schwierigkeit, ihn zu erreichen. Es ist eine wahre Entdeckungsreise. Ich fuhr zuerst auf den alten Zentralfriedhöf, um’, mich nach dem neuen, zu erkundigen. Es hieß beim' 3. Tor. Ich stieg* also wieder in die Elektrische und mußte, obwohl ich die Fahrt kaum1 fünf Minuten unterbrochen hatte, eine ineue Karte lösen. Mit dieser fuhr ich aber nicht etwa bis zum’ neuen Friedhöf, .sondern bis zum protestantischen Friedhof. Von dort mußte ich mich weiterfragen, bis ich endlich mein Ziel erreichte. Warum' wird .nicht dafür gesorgt, daß die Elektrische vor dem' neuen Friedhöfe eine, Station einrichtet? Jetzt, wo doch hier der jüdische Hauptfriedhof liegt, darf man soviel Rücksicht von der , Direktion der •Straßenbahn fordern. Ich bin überzeugt, daß .man überhaupt noch keinen Versuch gemacht hat, dieses gerechte Verlangen durchzusetzen. .Aber ganz unglaublich sind die Zustände in der, Zeremönienhalle dieses neuen Friedhofes. Ich weiß ganz gut, daß man alles mit dem Krieg entschuldigen' wird. Aber so schrecklich brauchte man nicht vorzugehen. Ich hatte mit dem Herrn’ Rabbiner zu* sprechen und als ich nun das „RabbinerziiAmer ‘‘ betrat, wußte ich nicht, welcher-meiner Sinne , am ärgsten betroffen wurde. Vor stinkendem Tabaksqnalm und anderen undefinierbaren Düften war einfach das Atmen unmöglich. Der Raum selbst glich eher einem •Stall als einem1 halbwegs repräsentativen Empfangszimmer. Nicht einmal eine Decke auf dem Fußboden, keine Tür zu dem’ anstoßenden Winkel, in dem die Friedhofsdiener mit. Volldampf paffend, um!.einen eisernem Ofen hterumteaßen. Daß man unseren Rabbinern derartiges zumutet, istfreilich' der stärkste Tabak. Ich verglich diese Mördergrube mit dem be- , haglichen Boudoir, in dem' ich im Friedhofsamt mit dem Beamten verhandelt hatte. Es hegt der Vergleich nicht fern mit den Offizieren, die in den Schützengraben müßten, und den bekannten „Feldwebeln“, die sie vom behaglichen Etappenraum oder gar Hinterlande aus dorthin dirigierten. Wie; können unsere Herren Seelsorger sich eine solche offenkundige Mißachtung bieten lassen? Ist das ein Sprechzimmer für den Rabbiner, in dem ter übrigens nicht mit der Partei allein sprechen kann, Weil allerhand Volk sich rings um' ihn breit macht. Und die netten Anschläge an den Wänden! Solche Schande muß man in di« Oeffentiidhkeit hinaustragen. . Wer an dieser Friedhofshalle die Schuld tragt, will ich nicht untersuchen. Die Verantwortung trägt die ganze Gemeinde, die solche Zustände duldet. Und hier liegen doch’ die Dingte ganz anders als hshs Tempel- In den Tempel braucht ein Kultusvorsteher nicht, zu gehen. Den kann er enlbehnsn. Aber der Friedhof ist doch eine Station, die selbst - ein Kultusvorstand nicht ganz umgehen kann. Hoffentlich wirkt deshalb mein Appell. Ich danke für dessen Aufnahme ,und-zeichne Hochachtungsvoll - « S. Guttmannj. Löbliche Redaktion! Die „Unerfreulichen Zustände in der Wiener jüdischen Gemeindebibliothek’’ haben mich in einem recht unerfreulichen Zustande getroffen, denn ich. befinde mich zur Abwechslung wieder einmal im Rothschild-Spital, in dem ich seit mehr als: anderthalb Jahren leider Stammgast bin. Seitdem’ ich mich da- ' mals einer Magenoperation unterziehen mußte, bin ich mit Unterbrechungen leidend und an der wünschenswerten stetigen Wirksamkeit in der Bibliothek gehindert. Ich kann seither \ in ihr vorläufig nur hospitieren, und schon, aus dieser traurigen' Tat-' Sache mögen Sie ersehen, wie es .mit dem mir gemachten Vorwurf bestellt ist, daß ich den Realkatalog eifersüchtig hüte und'den Besuchern. unzugänglich mache. Wer einem1 Beamten einen solchen schwerwiegenden Vorwurf an den Köpf schleudert, sollte sich doch vorher genau orientieren. Dies verlangt die elementarste Billigkeit. Als ich mich noch einer guten Gesundheit erfreute und meinem Berufe ungehindert nachgehen konnte, erfreute* ich mich auch', wie ich ohne Uebertreibung sagen kann, der Anerkennung aller derer, die Sich über die; Erscheinungen auf einem in unseren Rahmen fallenden Gebiete unterrichten wollten. Utebrigens empfehle ich Herrn M., sein, Visier nach Mannesart zu lüften.. Hochachtungsvoll Dr. B. Münz. Wien, den 7. Dezember 1919. Die Hilfe der holländischen Brüder Von Anitta Müller, Eine heue, mächtige Internationale ist entstanden: Heber alle trennenden Grenzen der Staaten hinweg haben sich die Juden der ganzen Welt gefunden, um’ ihren Brüdernin den vom Kriege betroffenen Ländern zu helfen. Amerika,' das starke und mächtige Land, wo Juden in Massen als gleichberechtigte, freie Bürger leben, sandte große Summen Geldes zur Hilfe für die atmen Glaubensgenossen. In Paris1 findet in den nächsten- Monaten ein Kongreß statt, auf welchem die Vertreter der Judenschaft aller Staaten Zusammenkommen werden, um zu beraten, in [welcher. Weise am1 besten der notleidenden jüdischen Bevölkerung der östlichen Länder geholfen werden kann. Auch’ die Juden in dm neutralen Staaten haben ihre Pflicht gegenüber den notleidenden Brüdern erkannt; sie sandten uns nicht so große Summen Geldes, wie das reiche Amerika, aber sie nahmen gastfrei - Tausende unserer, armen verhungerten Kinder zu sich. ^Tausende unserer Kinder haben sie vor dem Untergang gerettet, wofür wir ihnen danken wollen heute und immer. * * . * Die Schweiz ist mit gutem Beispiel vorangegangen. Sehen im!, Jtini dieses Jahres nahmen die Schweizer Juden gastfreundlich 750 Kinder auf, denen sechs Wochen später 500 Kinder folgten. So lernten wir dieses Land, das stets’ als der Hort derinternationalen Menschlichkeit, der niemals Versagenden