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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-12-12 · 47 (12.12.1919) · p. Seite 661

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
47 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 661 (sequence 9)
Language
German
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Ni. *7 Oj, BDOCH'S WOCHK&rSGitatKt hhii». 7R7 Verhältnissen zu ihrer heutigen Größe jjjid Bedeutung emuoriretrasren; er hat in unermüdlicher. langjähriger Tätigkeit als Kultusvorstand, Vizepräsident und Präsident ihre Geschicke mit klugem Verstände, scharfem1 Blick und mit fester Hand meisterlich gelenkt, hat wertvolle Schöpfungen vollbracht und mehr noch erstrebt, hat Freundschaft erworben, aber auch' — „viel Feind’, viel Ehr“ —- mancherlei Gehässigkeit sich' zugezogen und letztenends: *er war bis zu seinem Tode ein aufrechter, kundiger und beflissener Hüter des jüdischen Gemeinwesens; sein Handeln war 'zielbewußt und entschieden, sein Wille hartnäckig und unbeugsam!, sein Wort bedacht und. von eindringlicher Schärfe, sein Wesen geschmeidig, freilich1 aber auch manchesmal widerhaarig, sein, ganzes Tun und Lassen ohne Wehleidigkeit, gemengt mit einer gehörigen Portion sarkastischen Witzes, kurz, eine Kampfnatur mit allen Vorzügen und allen Fehlern einer solchen. Dem! Streite wich er nicht aus, fast schien es, als Suche er ihn zuweilen. Was ihh aber insbesondere auszeichnete, war das Verwaltungstalent, das geschult war an den Erkenntnissen und Erfahrungen seines Berufes und der Rou- - tine seiner politischen Laufbahn. Hiebei war er ein guter, der Frömmigkeit zuneigender Jude, dem' neben den Regierungsgeschäften die Pflege und die Hebung des Kultus und seiner Einrichtungen sehr am Herzen lag. Man mag wie1 immer über ihn urteilen, die Zeit seiner Tätigkeit war unbedingt eine üppige Blüte der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Es traf sich gut. daß die Kanten und Ecken seines Wesens in der Milde des Dr. Gustav Koh'n; s. A., dem1 Philanthropen katexochen, dessen Sinn von Barmherzigkeit überströmte; ausgeglichen wurde und daß diese; sonnige | Natur wilder in dem! sparsamen; Gestus •* des' Dr. [ Benjamin R a p p a p o r t, dem jetzigen vielverdienten ir ersten Vizepräsidenten, eine wirksam! Ausrundung erfuhr. An . seiner Seite ist seit dem' Rücktritte Sterns als' zweiter Vizepräsident Dr. Wilhelm1 Pap - penh'eiirh, ein kenntnisreicher und umsichtiger Mann, beflissen tätig. Dr. Alfred Stern hat während seiner Wirksamkeit den. Fortschritten der Zeit seinen Sinn nicht verschlossen und v demgemäß mancherlei Wandlungen durchgemacht. Er hat beispielsweise den früher vemaChläßigten Teiüpelvereinen eine erhöhte Beachtung zugewendet und nicht gezögert, ihnen bei Errichtung eigener . prächtiger Gotteshäuser hilfreich beizustehen. Unter - seinen 'Auspizien ist der neue Friedhof erstanden, er hat die Spitz borg er s che Stiftung buchstäblich für die Gemeinde erworben; er hat die Augartengründe für das jüdisch! Kinderspital gesichert, er hat das Ambulatorium darauf {errichtet. / Sein Auge war stets' auf den Bau eines neuen Amtsgebäudes und eines* neuen monumentalen Stadttempels gerichtet, Pläne, die der Krieg durchkreuzt und zunichte gemacht hat, ja das Unglück' Wollte es1 sogar, daß er den Brand, der den Tempel im II. Bezirke eiriäscherte und damit die Perle der Wiener Gotteshäuser mattgesetzt hat, trauernd noch erleben mußte. Sein Tod hat zwar die Kontinuität der Geschäftsführung gewiß nicht unterbrochen) die Mühle klappert und m'ahlt fort. Allein zu groß ist die Not des Tages’, die an die Türen der Kultusstuhehämbiert und es verschuldet, daß die humanitären Wohlfahrfsinstitutiönen, Wie Spital, Versörgungshfeim* und Siechenhaus1 .unter den Lasten der wachsenden! Erfordernisse fast zusammeubredhen, daß die Steuerschraube, nicht zur. Ruhe kom-mt, uni den Bedürfnissen gerecht zu werden und daß der materielle Aufbau der Kultusgemeinde seinen einzigen Stützpunkt offenbar jaur in den Wirtschaftsbetrieben findet, die hauptsächlich* in dem Beerdigungswesen eingerammt sind- Der Born der Wohltätigkeit fließt nur mehr dünn und spärlich, offenkundig sind die Zeiten nicht darnach, die es selbst den begütertsten und wohltätigsten Menschen nicht Tätlich' erscheinen lassen, durch Akte der Wohltätigkeit hdnrorzu treten und die Mißgunst auf sich zu lenken. Diese trübe und gedrückte Stimmung paßt so recht zu unserem Gedenktage. Sie ist um so dumpfer, als sein Lebensfunke durch eine widrige Verkettung der Verhältnisse nicht wie ein Meteor, sondern wie eine kleine, müde Schnuppe erloschen ist; es ist vielleicht grotesk, es ist aber so, daß ein ungewöhnlich glanzvolles und an Erfolgen überreiches Leben einer armseligen Palastrevolution, die innerhalb der Kultusgemeinde zum Ausbruch kam; zum Opfer fallen müßte. Mit seinem Hintritt hat sich vor allen jenen, die zu ihn gehalten und die ihn als ihr Vorbild; bewundert haben, das große Fragezeichen und die bange Sorge aufgereckt, was die Zukunft bringen, was nach' ihm1 kommen wird, die neue Leuchte oder das düstere Dunkel, ein neues Heil oder die — Sintflut. Plenarsitzung des Kuftusvorstandes vom 23. November 1919 1. Im' Einlaufe befinden sich nachfolgende Spenden: Siegmund Menzeles-Stiftung.. K 3591.60 N. N., anläßlich der Schemmi-Azereth-Predigt durch Herrn Josef'May für das Versorgungs-haus » 3000.— Siegraund Kornmehl, für Spital und Versorgungshaus . > 2000.— Verlassenschaft Edmund Kann . . ... . . . . . . »1875^— Wilhelm Schlesinger, für wohltätige Zwecke . . . . . » 1000.— Dr. Sebatyian Stern, für Kriegsinvalide ..» 300.— Frau Sophie Liehen, anläßlich des Todestages ihres verewigten Gatten, für die Theodor Lieben-Widmung * 260 — N. N., durch Herrn Oberoffizial Holzer: für Blindeninstitut .......... K 100,— für Einheit.» 100;— * 200.— Ferdinand Köhler, für Waisenverein . . .. - K 80.— für Versorgungsanstalt . . > 80 — > 160.— Dr. Viktor Mandler, namens eines Patienten, für wohltätige Zwecke.... » 150.— Dr. M. Zucker, Budapest, für Blinde ..» 100 — Josef Suschny, für Arme . . ... . » 100.— Dr. Leo Höchberg, für wohltätige Zwecke.» 20.— Alexander Golde, für die Armenanstalt ....... » 10.— Ing. Hugo Sonnenfeld, Rückzahlung eines szt. von der Kultusgemeinde erhaltenen Stipendiums zur Verteilung an arme Techniker ..> 1200.— Hilda Grünbaum, anläßlich der Geburt eines Mädchens, für arme Kinder.. > 1000.— Ferdinand und Gisela Löwenfeld, anläßlich ihrer silbernen Hochzeit, für Versorzunsshaus . . . K 500.— für Heimstätte XV. . . > 200.— » 700.— Arthur Oesterreicher, für jCdische Waisenkinder ...» 80.— Wilhelm Goldschmidt; für Versorgungsanstalt .... » 50.— Max Glasel, Tür Arme . ...> 22.— 2. Zürn* Leiter der Inspektion des Religionsunterrichtes an Volks- und Bürgerschulen in Wien wird der Religionsprofessor am' Akademischen Gymnasium in Wien, Dr. Heinrich' Redisch; berufen. 3. Für die Aufstellung von tiefen zur Beheizung des Spitals wird ein Kredit von "60.000 Kronen bewilligt. . 4. Die Spitalsgebühren werden für die I. Klasse auf K 100, für die H. Klasse auf it 60 erhöbt. 5. Nebst der Verleihung kleinerer Stiftungen gelangt das Hayum S. Goldschmidt-Legat im Betrage von 49.400 Kronen an verschiedene Vereine und Institute,: die sich hauptsächlich WH Erziehung befassen, zu r Verleihung. -

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