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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-12-12 · 47 (12.12.1919) · p. Seite 657

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
47 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 657 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 ' i ■' ör. BLOCHS WOCHENSCHRIFT. S«ite 753 gen, tun' folgende Forderungen aufzustellen, die wir als Blutenlese des deutschen Geisteslebens' im Aus* / zug wiedergeben: 1 1. Erklärung der Judenach'aft al|s »Nation. Als Juden rechnen Wir alle diejenigen, bei denen auch, nur ein Vorfahre in den letzten drei Geschlechterfolgen Jude gewesen ist. 2. Das strengste Vorgehen bei Erteilung des Heimats- . rechtes an .Juden, Ueberprüfung aller seit August 1914 erteilten Heimatsrechte und strenge Kontrolle der Einreise. "Wir halten es für notwendig, den Juden den Zugang in unser -Land mit allen möglichen Mitteln zu verwehren. 3. Verweigerung von Gewerbekonzessionen und Gewerbeberechtigungen, insbesondere des Vieh- und Holzhandels.; 4. Unzulässigkeit des Ankaufes von Grund und Boden und Häusern durch! Juden, ebenso von Wasserkräften, von Schurff- und Jagdrechten und deren Pachtung durch Schaf- - fung eines Landesgesetzes; ferner Unzulässigkeit jeder Verkauf svermittlungdurch! Juden und Unzulässigkeit der Begebung von Hypotheken an Juden, Schaffung einer Vonkjaufspflicht der Gemeinden und des Landes. o. .Verweigerung der Aufnahme von Juden in die neue Armee. 6. Bekämpfung des jüdischen Einflusses in der Presse. Juden dürfen weder Leitungen besitzen, noch Bedakteure sein. 7. Einschränkung des jüdischen Elementes im Schul- und Bildnngswesen. Juden dürfen nicht Lehrer der Jugend in den .Volksi-, Mittel- und Hochschulen sein; Für jüdische Hörer verlangen wir einen numerus clausus, der im. Verhältnisse Zur jüdischen Bevölkerung im Lande zu stehen1 hat. : 8. (AUeseit dem l. 'August 1914 vorgenommenen Pamiliennämeiinänderuhgen^ vÖn' Juden sind rückgängig zu machen und für alle Zukunft zu verbieten.. 9. Oeffentliche Beamte, Advokaten und Aerzte jüdischer Nationalität haben ihrer Anzahl nach im Verhältnisse der jüdischen zur arischen Bevölkerung zu stehen. - 10. Vom Lichterstande, von der Staatsanwaltschaft und von der öffentlichen Verwaltung . im Staate sind Juden überhaupt auszuschließen. Solche Forderungen zeigen um1 so mehr Fortschritt hnd Kultur, als Tirol bekanntlich fast gar keine Juden bat. Die deutsche Treue und Moral, die man vor uns schützen muß, wohnCii nebeneinander in Vorarlberg. Der Tag des Herrn. Große Not herrscht in Wien. Zwei furchtbare Plagen, Hunger upd Kälte, sind über die einst so lustig-heitere Stadt gekommen und haben den Schleier der Trauer über sie gebreitet. Krankenhäuser schließen8 ihre Pforten. In den Spitälern erfrieren Säuglinge. Die Bevölkerung hungert und friert. Es mangelt an Lebensrnitteln. Es mangelt an Kohle und Holz. Es mangelt an allem. In solcher Zeit einer entsetzlichen allgemeinen Not haben die Deutschnationalen nichts besseres zu tun,-als auf den „Bummel“ zu gehen. Der allsonntägliche Antisemitenbümhiel am Kai ist die neueste Spezialität der deutsebösterreichischen Hauptstadt, die neueste „Kultur“-Erscheinung einer innerlich' verrohten Zeit. Man gewinnt immer mehr den Eindruck, als oh die Herren Bummler einen Pogrom' „probten“. Und dies am! ‘Sonntag, ausgerechnet an ihrem Tage des Herrn. - Gestehn wirs nur offen; Wir haben: uns den . „Sonntag eines Deutschen“ ganz anders vorgestellt: wir dachten, der Sonntag wäre für den christlichen Deutschen wirklich ein Tag des Herrn, ein Tag der inneren Sammlung, der religiösen Erbauung, ein Lustwandeln im’ Freien, in Gottes schöner herrlicher Natur, wo man Frieden schließt mit sich seihst und mit seinen Mitmenschen. Wie oft ist uns erklärt worden, christliche Gesinnung sei ein Bestandteil des deutschen Nationalismus! Und nun — ist es christlich, am Tag des Herrn einen antisemitischen Hetzbummel verbunden mit Menschenjagd zu veranstalten? Wir meinen: die deutschnationalen jungen Leute, die allsonntäglich am' Kai einen Hetzspaziergang machen, sollten sich endlich auf ihre christliche Gesinnung besinnen, an ihrem Tag des Herrn der Ruhe pflegen und ihre Mitmenschen in Ruhe zu lassen. S. M. Die falsche Methode- Ein Kampf um die Etikette. Daß ein Jude, der Sabbat und jüdische Feiertage streng hält, im Grunde innerlich mehr jüdischnational durchtränkt ist, als jene, die bloß eine nationale Etikette tragen, leidet doch keinen Zweifel. Die religiöse Autonomie ist für die nationale Erhaltung ungleich wichtiger als die inhaltsarme Etikette. Es ist vollständig rätselhaft, daß die indischen Delegierten hei der Pariser Friedenskonferenz unterlassen haben, darauf zu dringen, daß in dem Friedenstraktat mit den neu entstandenen Staaten im Osten die Autonomie konfessioneller Minoritäten. dadurch zu schützen, daß sie nicht durch Zwang verhalten werden, die Ruhetage der Mehrheitskonfession zu feiern. Man hat darauf Bedacht genommen, Bestimmungen zu treffen, daß politische und kommunale Wahlen am Sabbat nicht stattfinden sollen: das war ein Schutz religionstreuer Juden. Daß man aber diese religionstreuen Juden dadurch, daß man sie zwangsweise der Sonntagsruhe unterwirft, gewaltsam nötigt, ihren Geschäften am Sabbat nachzugehen — darauf wurde nicht Bedacht genommen. Bei der Pariser Konferenz wäre das leichter zu erreichen gewesen als die vielberufene und bestrittene nationale Autonomie, deren Segnungen bis jetzt dem schärfsten Auge kaum sichtbar werden. Dagegen enthält ein Gesetzentwurf, der dem Landtag vorliegt, Bestimmungen über die Zwangssonntagsrube, die darauf zielen, tausende jüdischer Existenzen in Polen zu vernichten. Die Juden in Polen [die Ausnahmen machen vielleicht drei Prozent aus) feiern den Samstag als Ruhetag. Das Gesetz geht über diese Tatsache stillschweigend hinweg und verlangt, daß jede Arbeit ohne Ausnahme am Sonntag ruhen soll. Dies ist eine Vergewaltigung der jüdischen Bevölkerung, welche gezwungen sein wird, entweder am Samstag und am Sonntag, also zwei Tage in der Woche zu ruhen, oder aber, um sich ökonomisch zu erhalten, am Samstag zu arbeiten. Dies läßt aber die polnischen politischen Parteien ganz kalt. Den Gesetzentwurf unterstützen sämtliche Parteien. Sie machen keiri Geheimnis daraus, daß das Gesetz den Polen eine ausgezeichnete Gelegenheit bietet, dem jüdischen Handel in Polen-einen tötlichen Stoß-zu versetzen. Im ehrlichen Konkurrenzkämpfe ist der jüdische Kaufmann nicht zn vernichten, der Boykott ist etwas Unlegales und nicht immer von Erfolg begleitet. Hier aber haben sie es gefunden.* Der christliche Kaufmann und Handwerker. Wird um! 24 Stünden mehr arbeiten können und dadurch hat er gewonnen. Denn die Polen wissen .ganz gut, daß der polnische Jude auch in der schiimm'sten Not nicht vom Sabbat

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