Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 47 (12.12.1919)
- Date
- 1919-12-12
- Page
- Seite 656 (sequence 4)
- Language
- German
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giXTiiwyieayggig^wajiuf ■mauj-n! |: . 'Seit« 752 Br, BLüCH’S WOCHK^ÖCHKiKi '"" X **• 47 i mutter iii Erinnerung, welche zu ihrem1 Sahne täglich und stündlich sagt: „Deine Frau ist. dir untreu, aber hau’ sie nicht — deine Frau versteht nichts von der Wirtschaft, aber schlage sie nicht 1” So predigen die ungarischen Minister: Die Juden sind unser Unglück, aher machet keine Pogrome, die Juden unterjochen die Christen, aber seid nicht gewalttätig 1 An jder.Spitze dieser ehrlichen Politik steht der frühere Ministerpräsident und jetzige Kriegsminister F r i e d r i ch1, der eine höchst merkwürdige Rolle spielt. Diesem Königsmacher von heute ist bereits nachgewiesen, daß er .an der Politik des jetzt soviel gehaßten Karolyi werktätigen Anteil genominen hat Seit neuerer Zeit wollen auch die' Gerüchte nicht verstummen, daß der Offizier recht gehabt hat, der als Zeuge im Terroristenprozeß Friedrich der moralischen Teilnahme am Terroristenprozeß beschuldigte. So schaut der Führer der Leute aus; welche aus Ungarn ein großes Ghetto , machen wollen. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß Ungarn seine früheren glänzenden Erfolge zum. großen Teile den Juden zu verdanken hat, und daß wiederum die Juden unter der Bolschewikenherrschaft ebenso zu leiden hatten, wie die anderen Bürger, wie unter vielem anderen der Fall des1 Kanonenfabrikanten Manfred Weiß beweist. Das hindert aber nicht, daß die Opfer des Bolschewismus nun wieder Opfer der zum Pogrom erwachenden Ungarn werden sollen. Auch der Ackerbauminister R u b i n e k arbeitet in dieser Richtung. Sein Name scheint darauf hinzuweisen, daß seine Wiege nicht neben der Arpads gestanden ist. Um so mehr spielt er sich1 auf den wütenden Magyaren und Judenfeind heraus. Er hat in Kecskerhet eine Rede gehalten, in welcher er 'sich gegen die angebliche jüdische Vorherrschaft gewendet hat, und hat als eine Absicht der Regierung angegeben, daß für die geistigen Berufe das Kammersystem1 eingeführt werden solle, das heißt der Numerus clausus;, und die Ausschaltung der Juden. Das also ist die große Errungenschaft des neuen christlichen Ungarn, daß die Juden in das Ghetto zurückmüssen und Ungarn in die Reihe der Länder tritt, welche den Antisemitismus von Staats1 wegen betreiben. Das ist der Lohn für die ungarischen Juden, welche das Ungarntum stets mit besonderer Leidenschaftlichkeit betont und diese Nation im In- und Ausländ heißblütig und bis zum Ueberdruß betont haben. Von welchen Leitmotiven dabei die ungarische Regierung und die-ungarische Gesellschaft gegen die Juden bewegt werden, geht ans den Ausführungen eines ungarischen Bischöfe hervor, welche von einem Wiener christlichsozialen Blatt mit Behagen nachgedruckt werden und im wesentlichens folgernden Inhalt haben: „Wir müssen es in alle Welt hinausrufen, daß Ungarn all das hergelaufene, von dem schon ansässigen Judentum brüderlich protegierte Judentum nicht ertragen kann. Es hat sich wider alles Recht hereingestohlen und muß hinaus. Wir lassen uns dagegen weder von der Humanität noch von der Demokratie etwas vorschreiben. Der Jude ist kein Ungar. Im Weltkriege ist Ungarn halb verblutet, während das Judentum die wenigsten Opfer brachte und sich in jeder Weise durchschwindelte. Geschäfte machte es vor dem Kriege, im Kriege und will sie nach dem Kriege machen. „Wem soll das Land gehören, uns öder ihnen?” Das ist die richtige Fragestellung, auf die es aber nur eine Antwort gibt. Diese Gesinnung ist jetzt in Ungarn allgemein und wird zur führenden Macht. Man mag sie Antisemitismus; und Reaktion nennen; ich nenne sie Christentum und Hungarismus. Das ist kein Liberalismus; sondern -eine versklavende Dummheit, wemi man. alle Ghettos Galiziens und Polens in 'Ungarn einmünden und all dies blutsaugende Geschmeiß dem harmlosen Volk auf 'den Leib rücken läßt. Das können vielleicht liberale Volksbeglücker verantworten, wir können so was nicht. Solch ein Liberalismus ist gewiß ein Landesverrat. Von den Schlag Wörtern sind nur die Schläge übrig.“ " „Von der Lösung der Bodenreform' und der Judenfrage hängt das Los Ungarns ab. Ich wiederhole, nicht Haß, nicht engherzige Intoleranz werfen' diese Fragen auf, sondern die harte, unerbittliche Wirklich- - keit. Auch will ich dadurch gar kein verdammendes Urteil über unsere gebildeten und gut gesinnten Juden fällen. Unter diesen gibt es sehr ehrenwerte, tüchtige Männer; doch wenn auch die guten und besteh Ju- . den in Ueberzahl sein würden, so wäre das vom Bösen, denn Ungarn, hätte aufgehört.” Der Mann, der diese unerhörten Worte in einer Zeitschrift schreibt, ist der Stuhlweißenburger Bi-r sdhof Dr. Ottokar Prochazka, wie man. sieht, ein Vollblutungar. Welche Wirkung seine Worte auf die Geistlichkeit und mittelbar auf die Bauern machen, müssen, kann man sich leicht vorstellen. Der Bfechof weiß zwar sehr gut,, daß die ungarischen Großagrarier und die katholische Partei an der Hetze gegen Serbien und dem Weltkrieg die Schuld haben, daß sich die christlichen Ungarn unerhört bereicherten, wäh- § rend massenhaft ungarische Juden in Heldengräbern |j liegen. Aber trotzdem läßt er, entgegen der Wahrheit, W seiner christlichen Nächstenliebe gegen die Juden» die Zügel schießen. Waren auch Juden unter der» Hofkamarilla Und ^den hohen Militärs, gegen welche™ jetzt Prinz Ludwig Wjndiscbgrjitz „ sch w^rer4^chuldb gungen' erhebt?'UM Was sagt der Bischofzu Äen'lStürmen gegen Klöster und Geschäfte in Innsbruck, wo ' man von jüdischem Einfluß doch auch nicht im entferntesten reden kann? Es ist ganz schön, den Pöbel aufzupeitschen und zu hetzen. Man muß nur genau wissen, wo man ihn ejnhalten kann. » 2 » Graf Adalbert Sternhjar'g, also gewiß kein . Jude, hat in seinem1 Blatte eine Reihe von schwersten Anschuldigungen gegen den Generalstab erhöhen. Er bezichtigt seine. Angehörigen des Verrates, da sie die Offensivpläne, preisgegeben hätten, der Feigheit, da mehr Feldkurate gefallen seien als Generalstäbler und letztere sich,persönlich verkrochen hätten, während sie die arme Mannschaft in Tod und Verderben hinausgejagt hätten.- Er bezichtigt sie der unerhörten Protektionswirtschaft, da sie ihre eigenen Söhne in die Armeestäbe eingeteilt hätten. Noch eine ganze Reihe von EjnzelheSehuldigungen werden erhoben. Wir Juden verfolgen diese Publikation nur mit dem Interesse des Zeitungslesers und mit dem Bedauern, des Bürgers über die Art und Fähigkeiten der Führer, welche man dem Volke in Waffen gegeben hat. Wir stellen jedoch fest, daß die-jetzt bestehenden, monarchistisch-antisemitischen Offiziersblätter von Ge - neralstählern gemacht werden. In einem dieser Blätter war vor kurzem1 zu lesen,!wie wir bereits berichtet haben, daß die Juden eine > minderwertige Rasse sind. Graf Adalbert Stexn.berg hat nun auf diese Albernheit die Antwort gegeben. - . In Innsbruck läßt sich! aus abgestandenen Lügen noch antisemitisches Kapital schlagen: Dort versammelten sich die Antisemiten aller Schattierun-