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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-12-12 · 47 (12.12.1919) · p. Seite 654

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
47 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 654 (sequence 2)
Language
German
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Seife Ui. öliUCMö H U^JtUSKbCliKlin . N*. 4f Zur Beantwortung der Frage, Wer in Wahrheit „die Lehrmeister“ waren dieser Art und Unart von Geschäften, wo die Anfänge der Entartung des kaufmännischen Berufes zu suchen sind, und ob die ■ arische Profitgier ,-, jüdischer Lehrmeister“ nötig hatte, mögen einige historische Fakten in Erinnerung gebracht werden. In einer Zeit, in der von jüdischem Einfluß keine Rede sein konnte, klagte Luther über die unter den Ka.ufleuten ivorhändeneni„b ö s eGri f f urid Tücke des Geizes, des Eigennutzes und der Büberei“. Die Preissteigerer, Fürkäufer und Monopolisten seien „öffentliche Diebe, Räuber und Wucherer". In den Kaufmannsgesellschaften sei „alles grundlos und bodenlos mit eitel, Geiz und Unrecht, daß nichts daran zu finden ist, das mit gutem Gewissen zu handeln sei“. „Sie haben alle iWaar unter ihren Händen, und machen’s damit, Wie sie Wollen, steigern oder niedrigen sie nach ihrem Gefallen, und drücken und verderben alle geringen Kauflente, gleichWie der Hecht die kleinen Fische im Wasser, gerade als waren sie Herren über Gottes Creatoren, und frei von allen Gesetzen des Glaubens und der Liebe.“ Darüber aber werde „alle Welt ganz ausgesogen", alles Geld müsse „in ihren Schlauch sinken und schwemmen“. „Wie sollte das immer mögen göttlich und recht zugehen, daß ein Mann in so kurzer Zeit so reich werde, daß er Könige und Kaiser aus kaufen möchte! Aber weil'sie es dahin bracht haben, daß alle Welt in Fahr und Verlust muß, handeln, heuer gewinnen, über ein Jahr verlieren, aber sie immer und ewiglich gewinnen, und ihren Verlust mit ersteigertem Gewinn büßen können, ist’s nicht Wunder, daß sie bald aller Welt Gut zu sich reißen.“ ..Der katholische Historiker Johann Jans sen (Geschichte des deutschen Volkes seit dem Ausgange des Mittelalters, Freiburg 1880, Bd. H, 418—446), dem , vorstehendes Zitat Luthers entnommen, ist, zeichnet in scharfen Strichen die judenreine Zeit: „B ie Aufkaufsunrd Preissteigsrungsgescilechaften drückten durch ihren ,„Fürkauf“, dem „armen Mann“, auf dem Lande die Bodenerzeugnisse zu den neidrigsten Preisen ab; häuften die Nahrungsbedürfniese in großen Massen auf und {erhielten eine künstliche Theuerung, während das Geld von Jahr zu Jahr im Werthe sank und die Arbeitslöhne nicht erhöht, eher verringert wurden. Bas Großkapital drückte zugleich auf die kleinen Fabrikanten; „denen, hiervon mit ihrem Gewerbe sich) ernährt, wurde Gewerb und Nähruhg" durch die Gesellschaften entzogen“,;,und der Handwerksmann und kleine Kauftnann, so Geld leihen mußte bei dem Leichen," wurde „jämmerlich gepeinigt (durch wucherische Zinken, daß es zum Erbarmen." Gleichwohl -Wollten nicht die Ausbeuter der arbeitenden Menschen Schuld-tragen an derdn Kothlage, sondern, wo es anging, gab man ,jden Pfaffen“ die Schuld.“ Im! judenreineü achtzehnten Jahrhundert war es nicht besser. Der beste Beweis ist das Werk: Betrugs -Lexikon, worinnen die meiste Betrügereien in allen Ständen nebst denen da wider guten Tlheils dienenden Mitteln entdeckt von Georg Paul flönn, D. füreti. sächsisch-gemeinschaftlicher Rath und Amtmann in Coburg (Coburg, verlegts von Günther Pfotenhauer, priv. Buchhändler, 1721). Dieses Werk ist in männigfacber Weise Inter-. essant. Hönn erklärt in seiner Vorrede ausdrücklich, er habe das Buch geschrieben, um den Christen vor dem' jJS eben-Christ eh ‘ zu schützen! Wie sab es in Wien ans zmjudenrsüien Zeit? Pater Abraham, der berühmte Sittenschilderer seiner Zeit, spricht seinen Zeitgenossen ins' Gewissen wegen des Wuchers der „ängebrennten Geldnarren, die füllen sich an mit Geld, mit Gut, mit Batzen“. Und ein Jahrhundert später wettert der' Wiener Lokalhistoriker Petzl gegen, eine andere Gattung Blutsauger, gegen die „Quartierwucherer“. „Es gab schon von jeher“, schreibt er, „einen Goldwucher, - einen Kornwucher, einen Holzwucher in Wien, so wie in jeder Stadt. In unserer neuesten Zeit haben wir noch einen Zweig des Wuchers erlebt: den Quartierwucher.“ '' \ - Ganz besonders rührig waren die Preistreiber, als das Jahr 1848 eine Teuerungsperiode brachte. Die Zwischenhändler beuteten den Viktualienmarkt aus, indem1 sie am frühen Morgen zu den Linien hinauszogen und dort den bäuerlichen Grundbesitzern, -Gärtnern und Züchtern ihre Waren, die auf den Markt - gebracht werden sollten, unter allerlei listigen Vorspiegelungen abkauften. Auf diese Weise erstanden sie die Lebensmittel billig und verteuerten sie auf den Märkten in gewissenlosester Weise. Am ärgsten trieb es in dieser. Beziehung ein gewesener Hutmach'er namens Anton Heim. Er besaß im Hause „zur Bärenmühle“ am Kaschmarkt eine luxuriös eingerichtete Wohnung, lebte mit seiner Familie in Laus und Braus, und beschäftigte eine große Anzahl von Bediensteten, die ihm unter dem Kamen „Kappelbüben“ zu jeder Lumperei gefügig waren}.. Heim, der die Zufuhr von Lebensmitteln zu billigeren Preisen gleichsam', abschnitt und so jede Konkurrenz unmöglich' zu machen suchte, hatte auf dem.Naschmarkt ^selbst seinen Stand, zugleich aber verkaufte er die den. Landleuten abgepreßten Waren an Zwischenhändler mit wucherischem Kutzen. Diese fanden sodann ah Greislem, Stahdlerihhen und dergleichen" Gewerbsleuten Abnehmer, und so kam es, daß die Lebensmittel,, ganz wie bei dem gegenwärtigen Kettenhandel, immer höhere Preise ansetzten. Aber die Strafe blieb nicht aus. Eines schönen Tages wurde der'„Kaschmarktkönig“ in entsprechender Weise behandelt. Seine Wagenburg wurde jestürmt, die Gefäße zertriimSmert, die Obstladungen verschüttet und er sowie seine Bediensteten, bestehend aus dreizehn Dienstboten und zehn Kappelbuben, retteten nur fiank dem Einschreiten der Kationalgärdeihr Leben. Die angeführten historischen Tatsachen beweisen zur Genüge, daß die arische Profitgier durchaus nicht „jüdischer Lehrmeister“ nötig5 hat; sie geht da sehr selbständig; ihre eigenen Wege und. wendet ihre eigev. nen-Methoden an. i ... . Monistische Märchen. Aus einem Briefwechsel. Von Dr. Kax ßnurwald, * (Fortsetzung.) , Das „Märchen“ vom1 Paradies. Die S|ntflut-„8age“. Unserem Bibelunterritiht kann es hur förderlich sein, wenn man gründlich den Wahn zerstört, d'aß man es hier mit „Erfindungen“ oder, wie es der Pahbabylohismus will, mit Abklatschen älterer Originale zu tun habe. Welche Perspektiven eröffnen . sich und welches Leben komknt in die. Behandlung der Heiligen Schrift, wenn mäh nicht auf die literarische; Kritik das Hauptgewicht legt, sondern den geschichtlichen Hintergrund aufhellt, von dem sieh diese Erzählungen und diese Gesetze klar abheben. Erst in der scharf umschriebenen, einheitlichen und streng

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