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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-12-12 · 47 (12.12.1919) · p. Seite 653

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
47 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 653 (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang XXXVI Dr. BiocH’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums Postspaikuseount Deutschosterreich: 310.97S Ungarn: 5.634 Tsehecho-Slowak.: 10.976 Redaktion and Administration: Wien, H/1, Praterstraße 9 Telephon 45.359 Wien, 12. Dezember 1919 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien, 11/1» Praterstraße Nr. 9 Telegramm-Adresse: Bloch'sWochenschriftWie« Bezugspreis 1 D.-Österr.: Halbjährig .... 15 Kronen Ganzjährig . . . 30 Kronen für Tschecho-Slow. jäbrL LS K. für Deutschland und das Hörige Aaalana jährlich . . 30 Alk. Einzelexemplare . SO Heller Anzeigen: Die zweimal gespalten» Petitzelle 70 Heller Inhalt: L e i t a r t i ke 1: Die Lehrmeister. — Monistische Märchen. — Yom Jahrmarkt des Lehens. Glossen zur Tagesv geschichte. Der Tag des Herrn.— Die falsche Methode.'Ein Kampf um die Etikette. — Wie man den Tacitua zitiert. — Antisemitische Exzesse in Budapest. — Selbstmord des Dr. Kovacs. — Albert Einstein und seine Relativitätstheorie. — Nobelpreisträger Fritz Haber. — Korrespondenzen : Dr. Alfred Stern. — Plenarsitzung des KultusYorstandes. — Die .Zustände in’ manchen, Verwaltungszweigen der Kultusgemeinde. — Die Hilfe der holländischen Brüder. — Heimkehr von Palästinensern. — Johannesburg (Südafrika). — Vermischtes. — Feuilleton. Schimschele Gibber. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. An unsere Gönner und Freunde! Infolge neuerlicher Steigerung aller Löhne im Druckereigewerbe erhöhten sich wiederum die Druckkpsten jeder Nummer des Blattes rund um^9tlO%; Wir'%ind aus diesen Gründen auch gezwungen, ab 1. Januar 1920 den Bezugspreis unserer „Wochenschrift“ anstatt K 30.— jährlich auf K 50.— jährlich festzusetzen. Einzelexemplare K 1.—. Unsere bisherigen Gönner und Freunde bitten wir, in dieser schweren Zeit uns Treue zu bewahren. Redaktion von „Dr. Blochs Wochenschrift“. Die Lehrmeister. Im mederösterreichischen Landtag wurde am vergangenen Donnerstag über einen Antrag auf Abschiebung der galizischen Flüchtlinge verhandelt. Das gab den CbristHcbsozialen den willkommenen Anlaß, zur Abwechslung wieder einmal eine Debatte über die Ostjuden zu eröffnen. Bei dem1 Ideenmangel und der Gedankenarmut, die die Herren Christlichsozi alen auszeichnen, kann es nicht wundernehmen, daß sie wieder 'einmal das alte garstige Lied auf ihren Leierkasten abspielten. Abermals haben sie die Juden als Schieber v und Kettenhändler hingestellt, die an der Not und-an dem! Elend unseres Landes alle Schuld trügen. In diesem1 Augenblick der Not greifen sie wieder zu dem1 anscheinend so bewährten .Mittel, um1 die atavistischen Haßinstinkte der urteilslosen Menge gegen die Juden zu erwecken. Sie. stoßen den alten Hetzruf aus, sie drucken ihn Tag . für Tag in ihren - Blättern, sie wiederholen ihn in . ihren Vers^mlmlungsreden und nützen so jede Gelegenheit zur Hetze gegen die Juden. Aber hat denn wirklich die .furchtbare Not der, Zeit diese Herren nicht sehend gemacht, daß sie noch immer nicht die Wurzeln unseres Elends deutlich zu erkennen inkstande sind? Gewiß leben Spür in einer Zeit, Wo eine wahnsinnige Gier nach Geld und Besitz alle Instinkte des Menschen in Bann geschlagen hat, in einer Zeit, in der die Geldgier aus dem Hunger ihr bestes Gold schlägt. Die zermürbende Teuerungsschraube wird unausgesetzt angezogen und läßt täglich mehr Opfer auf dem wirtschaftlichen Schlachtfelde züsammenbrechen. Am Gelde hängt, nach dem Gelde drängt beute alles —^ das ist das Kennzeichen unserer schrecknisbangen Zeit. Aber die Sucht nach Geld ist weder eine konfessionelle, noch eine Rassenerschdnung, und nur böswillige Verleumdungssucht kann die Behauptung wagen, dig Juden allein wären von dem fürchterlichen „Geldtaumel“ ergriffen. Kein Einsichtiger kann dies behaupten. Im Gegenteil: geht man, vorurteilslos prüfend und untersuchend, der Sache auf den Grund, so stößt inan auf die Tatsache, daß die. größten Einnahmen aus dem Vernichtungskampfe Europas ungeschmälert den Ariern zufiel. Diese Tatsache ist so feststehend und unumstritten, daß seihst die Christlichsozialen nicht mehr den Mut äufhringen, sie ganz zu leugnen. Aber sie helfen sich in einer anderen Weise, in ihrer männiglich bekannten judenhetzerischen Weise. Sie lassen sich gnädig herbei, eine Tatsache, die nicht mehr bestritten werden kann, zuzugeben und benutzen gleichzeitig diese seihe Tatsache als Angriffswaffe, um die Juden — diesmal die Ostjuden — noch mehr herabzuwürdigen und sie als die Feinde. und Schädlinge der Gesellschaft hinzustellen. Bei der erwähnten Ostjudendehatte im niederösterreichischen Landtag wurde von sozialdemokratischer Seite auf die gutchristlichen Preistreiher und Kettenhändler hingewiesen, Worauf sich folgender charakteristischer Dialog entspann: .„Abgeorneter Dr. He mala (christlichaozial): Der Herr Abgeordnete Bichter versuchte, uns plausibel zu machen, daß nicht nur Juden, sondern auch. Christen Schieber und Kettenhändler seien. Aber die Juden sind die Lehrmeister. Abgeordneter Josef Wagner: TJnd die Christen die gelehrigen Schüler l“ Mit anderen Worten: es gibt auch Christen, die Schieber und Kettenhändler sind, aber diese haben es erst von den Juden gelernt; die Juden sind die Lehrmeister'. ' * * 1

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