Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 46 (5.12.1919)
- Date
- 1919-12-05
- Page
- Seite 650 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Lr.Äi :Ei^ana€;Gs: s&asg«üibt, öffnen , sich die Pforten der :Liei>e# wird*'die Erlösung beschleurngt, um so mehr giite^Ö&ster werden, als - Fürsprecher für die Me^^^'gesehaffen. Daher stand ihnen der Glaube, Hingabe an Gott und seine Allmacht, iimper weit höher als all$s Studieren und Forschen, Frömmigkeit höher ais alle Gelehrsamkeit, als alles .Wissen und alle Weisheit des kalten' Menschenverstandes. JJas Edle m dem. Menschlichen, das Höchste in dem Tun des Juden zur Geltung zu bringen, in den Andeutungen der heiligen Bücher die innerste Wahrheit aufzufinden, das war das' Ziel ihres frommen;, und idealen Strebend. Pie Baal-Schems, wie Sie Kabbalisten überhaupt, waren somit nur selten Männer des Lernend und Forschend, sondern zumeist Männer, die mit dem Volk in EinfachbeiiS and Seichtheit lebten, und das Ideal war nicht der ijöc%elehrte, der Weltferne, der über den Büchern atzt, sondern der Mann, der sich1 um die seelischen Bedürfnisse des einfachen, schlichten Mairnes aus deja'Volke kümmert, seiner sieb annimint und ihn Win das tägliche Leb$n der Arbeit und der "Freude moralisch' weihen lehrt. Einer deF ältesten Wundermänner, dem die Mit¬ oder'Nachwelt das ehrende Prädikat „Baal-Schem“ beilegte,'von dem aber die meisten jüdischen Bibliographen, . und Geschichtsschreiber keine Kenntnis hattet und •; in ihren Annalen kaum berücksichtigten, .{war Benjamin ben Serach!, ein Mann aus dem oMM Jamhundert, der Zeit des ersten Kreuzzuges. .Benjamin den Serach' war einer der ältesten HtWgis<ch.en Dichter (Pajten); er verfaßte mehrere Wutim Mud Bußgebete zu verschiedenen Fest- und Bußetagen, in denen er, gleich den . anderen Fest- : jJi^htem . seiner Zeit, zumeist das Ungemach , seines Volkes, die täglich neu werdenden Leiden Israels , mit rMrend^L Worten und elegischen Tönen betrauert Lud -hornigen hat. U/.ter ihnen sind die Selicha TlVlfi2 miT N2 zum sechsten Selicha-Tag und der Pijut 'fi# 77^2 pJ2^tt zum Sabbat vor Pessach C^ITin T121T) am bekanntesten. In seinem Pijut zum Sabbat vor Schebuot gibt er das Jahr 6093 der Weltära als das Jahr des Heils, als; das Ende des Exils an. 212071 *TPD nHK) jivr. Lowni V2N1 n'sbx NVW2 nnKV : Ws meisten deiner Gebete tragen das! Akrostichon-seines Namens 7T1T "12 {0^2 oder kurzweg ^0^2 mit einfachem oder doppeltem p?n. Eine seiner Selieiiofch wird in Tos. Chagiga 12 a sub vooe PpDD angeführt, woraus zu Schließen ist, daß seine Dichtungen damals schon allgemein eingeführt und bekannt gewesen sein müssen. Er lebte in der Blüte des pajtanisCben Zeitalters, etwa zur Zeit der bekannten - ‘Festdichter R. Salomo Iben Jehuda ha:Babli (oft Von Rascfai zitiert; nach ihm1 werden einige •'' :Aiaer’'‘S?Ächbth NVJÄ2V benannt), und Amitai ben Schefaljä (dessen Selicha ebenfalls von Tos. Jebarinolh 16 b angeführt wird), etwa um 1020 und durfte gleich. letzterem aus Italien stammen; nach Zunz " (zur Geschachte Und Literatur 376) wirkte er einige : JaÜxzdhhte später, etwa um das Jahr 1060 und war somit ein Zeitgenosse Raschis. Der Kreuzzüge wird in seinen Gebetstücken nirgends Erwähnung getan, er Milte alsp vor 1096 gestorben sein und hat sie. daher nicht gekannt!. Aus dem Umstände, daß seine »Selicbpth. besonders in Worms allgemeine Aufnahme gefunden haben, ist zu schließen, daß er in Worms gelebt oder sich! längere Zeit daselbst, vielleicht an ilsr um diese Zeit dort gerade vollendeten Pracht- Synagoge (1034), aufgehalten hat. Seine Dichtungen bekunden durchwegs die Begeisterung der von wahrer Frömmigkeit durch^lühten religiösen Poesie. Seine Pijutim sind meist in harter, an Unverständlichkeit grenzender Sprache abgefaßt. Seine Selichoth hingegen sind etwas milder, ihre Innigkeit erinnert an die besseren Leistungen des ein Jahrhundert vor ihm lebenden R. Eleasar Kalir, wenngleich’ in Form und Spracht auch sie wegen des mystischen Dunkels, in das! sie gehüllt sindj, an dieselben nicht hbranreichen. Benjamin war unseres1 Wissens der erste, der von seinen Zeitgenossen, oder vielleicht erst nach seinem "Tode, „Baal-Schiem“ genannt wurde.; Wahrscheinlich? weil -er stets ein beschauliches und bußfertiges Leben .führte, vielleicht aber auch, weil er in seinen religösen Dichtungen der Kabbala vielfach einen hohen Vorzug eingeräumt, darin sehr viel mit den verschiedenen Engel- und Gottesnamen operiert und messianische Hoffnungen wachgerufen hat. Es war damals gerade die Zeit der Entstehung der bekannten messianischCn Apokalypse, des mystischen „Sefer Zerubabel“ (zwischen 1050—1060), das den baldigen Eintritt der Erlösungszeit prophezeite und dem von den westeuropäischen Juden am meisten Glauben geschenkt wurde. Ein anderer, jüdischer Mystiker hatte damals ausgerechnet, der Messias werde sich gegen Ende deS 256. Mondzyklus, zwischen dem Jahre 4856 und 4864 der Weltschöpfung. (1096-^ 1104 der christlichen Zeitrechnung) offenbaren und die zerstreuten Söhne Israels nach dem gelobte» Lande führen. (Grätz, Geschichte der Juden, Bd. 6, 8. i 84.) Die Juden dieser Länder waren somit damals voller Messiashöffnungen. Eine düstere Frömmigkeit machte sich bei ihnen geltend, wie nie zuvor; man glaubte nie genug getan zu haben, Aus übertriebener religiöser Skrupulosität feierten sie .sogar den, Vejs söhnungstag zwei Tage und-fasteten an beiden Tagen ohne Unterbrechung (milgeteilt von einem- Karäer bei Pinsker, Likute Kadmonioth, Noten, 8.144, Anmerkung). Dieser Schule gehörte sicherlich auch unser Benjamin an und im Zeichen dieser mystischen Richtung dichtete er die meisten seiner Lieder und Bußgebetei Von seiner sonstigen Wirksamkeit wie von seiner . Persönlichkeit ist. last gar nichts bekannt geworden. Doch dürfte er, wie einst Eleasar Kalir, als j Vorbeter in der Synagoge fungiert haben, welches Amt damals oft der erste Lehrer oder sonst ein angesehener frommer Mann an Festtagen namentlich zu versehen pflegte. Ueber Benjamin ben Serach ist bis1 heute nichts geschrieben worden. Die einzige Quelle für. sein Leben und seine Zeit ist eine kurze Notiz hei Zunz, Gottesdienstliche Vorträge, 8. 404, Anmerkung, und Landsi- Tmt, AmUde ha-Aboda, Teil I., Seite 52. Heiden heim, hat ihn in seiner Einleitung zum Machsor, wiederholt mit einem anderen Benjamin ben Samuel, der lange nach1 ihm gelebt hat, verwechselt und : hat dadurch eine große Konfussion in (ten späteren Berichten über diese zwei Männer angerichtet. Berichtigung. Das Feuilleton „Jüdische Päpste" in der Wochenschrift vom 14. und 21. November stammt, worauf wir nachträglich aufmerksam gemacht werden, aus der Feder des.verewigten Historikers Dr. Mark u s L a n d a u uhd ist in der Beilage zur; „Münchener Allgemeinen Zeitung” im' Jahre 1906 erschienen. Wir haben dem Einsender mitgeteilt, daß wir auf seine Mitarbeit für die Zukunft, verzichten! Die Redaktion-