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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-11-28 · 45 (28.11.1919) · p. Seite 630

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
45 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 630 (sequence 10)
Language
German
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s«t* 72« Br BtDCH’S WOCHENSCHRIFT) JuAtzL nidit, uuäes fot eine große Renaissance in Äer h.ebräisd3een Literatur zu bemerken. Es werden 'folgende, hebräiscbte Woclierjschriften Üleraüs’gegeben: Hathoren, Haiwri, Hamiklat (der schönen Literatur gewidmet), Diföb'ur Haiwri, Kvelcher Irlich' mehr Verbreitung findet. Es sind viele moderne hebräische Schulen und' vier hebräische Lehrerseminare gegründet worden. Ueberhaupt ist das amerikanische Judentum in den letzten Jahren sehr erstarkt und befindet sich im ständigen Wachstum. Und das wird rtuf. das. ganze Judentum1 ehepsd in der Diaspora wie in Palästina von Einfluß sein. In der Wiener Gesellschaft für deutsche ZuKunfts^- kultur. Unter diesem harmlosen Titel berief für den 18. November in einem Hörsaale der Wiener Universität der Biologe Professor Kamillo Schneider eine konstituierende Versammlung ein, zu der er den traurigen Geschmack hatte, Juden und Judenstämmlinge zu laden. Das Gesellschaftsziel gibt er folgendermaßen: Die Gesellschaft strebt nach einem höheren Deutschtum durch Ausbau urdeutschen, urarischen, religiösen, philosophischen und künstlerischen Denkens. Im'* Zentrum deutschen Wesens ateht der Begriff schöpferischer Entwicklung. ursprünglich übertragen auf eine in der Welt sieh aus wirkende Gottheit, im modernen Sinne nur übertragbar auf den Menschen selbst, der zielbewußt am Weltwerden arbeitet, ganz absehend von persönlichem Interesse, nur im Interesse gesteigerter Kultur. Undeutsch sind alle individualistische n Bebe ns an tri ehe uns.e r e r Z e i t, die anss<5hl;i« ßlfic^ 'HthisoL.AndsoziaLo r ie n tje.r;t e itr hei t im dein o kr a t is c h e n Staat e, deutsche dagegen die kosmischen Begriffe der Urreligionen, das. vorwiegend historisch und künstlerisch bestimmte Schaffen am organischen Stäatsgedäriken. Diese Begriffe auszugestalten, ist Aufgabe der Gesellschaft. Vom selben Geiste gelehrt sein sollenden, aber unklaren Geschwätzes war dann Schneiders Vortrag erfüllt: Moderne Dramatik s e m i t iischter und germanischer Herkunft. Willkürlich wurden von jeder Seite, drei Dramen herapsgegriffen: Schnitzters „Professor Bernhard!","BeyrrMofmanns „Jacaab“, Wedeldndß „Gesamtehaffen", der als Schöpfer der „Willkürm^schen“ bezeichnet wpr<ie» übrigens als Friese nur einer nicht einwandfrei als Jüdin uachgewiesenen . Großmutter mütteplifijerseits Einreihung in dip§e . Lis£e verdankt; Schneider konstatierte die ethis^ch'e, individualistische ünd demokratische Richtung dieser semitischen Dramatik und machte dpn Herren von rein ästhetischem Standpunkte Komplimente seltsam hezeichheteer übrigen^ Jakob, als M^LsiZZ der Juden), die nicht einmal von jüdischer Seite vollständig ratifiziert werden. Hat doch[der Wiener OberrabJbin§r in seingm Vprteag ,;Dje Dramatik bei den Juden.“ behauptet, AugenMc'KÄprMge, wie die Beete und anderer Judenstämjnliuge (gepieint war offenbar Hugo v. Hofim^nnsfhal), täusche ihn nicht darüber hinweg, daß, das Judentum nie ein Drama yon Ewigkeitswert hervorgebracht habe und^. vqraxmsicldlidh auch nicht hervorbpingen werde.. Ebenso willkürlich ha£ ‘Schneider drei „germanische“ Dramen hepausgegjjiffen, und zHjar Ibsens „Peer Gynt", Anzengrubers „Kreuzeischreiber“, Bernhard Shaws (der sich aM eingefleischter JCre für die Zuteilung zum Germanentum bedanken wjirde) „Ueberm^nsch“; der übrige Ibsen und Anzengruber sei leider weidlich semitisch bemnflußt. In diesen drei Werken zeigen die Dichter k o sjn o ge*- niseL, unjyerBjalis tisch; aris to kr atis cb. So solle dss Misühs IÄrama der Zukunft sein. Wo blieb der so individualistische Shakespeare und Sohönhercv der demokratische und ethisch gerichtete Schiller? Goethes Himmeisszene im „Fa,ust“. ist w<M kosmogenischj-'universell, beruht aber allzu deutlich auf dem semitischen Hiob. Doch genug von dieser Ideenrichtung, die, wie .die Debatte erwies, folgerichtig nicht nur „hinter das semitische Christentum zurückgehen“, sondern auch Goethe, Fichte, Schölling, Efegel und Hessing aus dem Deutschtum ausmerzen muß, weil sie im1 Ranne des Semiten Spinoza stapden. Daß Kamillo Schneider, will er das Germanium vom Samitismus, d. hi. der Kultur der Kirche, der Lutherbibel und der Aufklärung befreien, es notgedrungen in den Bann der altindisehen-chinesisch-büddhistischen Kultur bringen muß, war selbst einigen deütseünätionalen Debattlern klar, welche die interessante Frage auf warfen, wieweit sich! denn Altertum mit Buddhismus decke. Es würde sich aber gar nicht verlohnen, auf diese Gründung einzugehen — denn selbst Lite- raten haben gegenwärtig schwerere Sorgen, als die deutsche Dramatik von Schnitzler, Fulda, Müller und anderen zu befreien —r wenn nicht in den heiligen Räumen Universität zwei setsame Redner in der Versammlung aufgetreten wären. Der eine,' ein junger kriegsinvalider Student, Sockel, ennunzierte unter dem' Beifall der Versammlung, daß „wir alle einig sind, daß die Juden vernichtet werden müssen“, nur über die Methode sei man noch1 nicht einig, und . er war liebenswürdig genug, der sanften Methode Schneiders den Vorzug vor energischeren zu geben; die» wie Schneider als einzige Zurückweisung sagte, bei der momentanen Uebermacht des Judentums gar keine Aussicht auf Erfolg hätten. Der zweite Bedner ist aber eine, dsx widerwärtigsten und bedauerlichsten Erscheinungen unseres heutigen ..Wfäß* der moderne Pfefferkorn, der noch nicht vor allzu langer. Zeit .ans dem Judentum ausgetretene Dr. Arthur Tr,ebit'sch, der. in einem aufsehenerregenden Buche, dessen Besprechung ich mir Vorbehalte,gleich Jesus und Weininger“, wie ein Bewunderer in der Versammlang. sygtOi, au der Vernichtung des lnäentums.znarbsiteu unternimmt. Diesem. Herrn waren Sohnsidsrs Methoden allzu > lau, so daß er sofort seinen Austritt aus der Gesellschaft ankündigte. Als er sich aber als der neueste Held des Antisemitismus zu erkennen gab, wurde er, wie mir schien, gegen Schneiders Willen, , der die Debatten in gentjepianartigem Ion festh’alten möchte,, erwählt, in der nächsten Versammlung den Vortragabzuhalten. Welch Armutszeugnis für diese ari§^be Neugründung, daß schon der zweite Vortragende. ein'Jude seimmußl Djgs.empfandpn auch'; einige-Deutsclinatipnaiß, wurden aber getröstet, daß die. Befreiung vom Judentum, nur von einem. Juden ausgehen könne, der die. Fehler seiner Lasse, und, ihre Kampfmethoden ZMyMch Repne. - Herr Dr. Trebifech hattesich übrigens gar nichjt als. geborener Judp. vorgustehen ge- . braucht. Ap dpr Art, wie er, für sein Buch Beklaipe •machte, und über, persönliche Kränkungen Klagen, vorbrashte (dgr Umstand, daß ein jüdischer Dramaturg ihm nadh einem Jahre ein Drama unaufge^phiiitten als yexfehlt zurüekgab, scheint tim dem Anti§emitismus fn die, ^rme getrieben, za haben, obwohl ein geschickter Dramaturg au;ch aus einem unaufr geschnittenen Buche erkenpen. dürfte, wessen Geistes d&r Dichter), diese Rrt versetze mich! sofort, in dip gewohnte Atmosphärp mancher jüdischen Qreneralyprsammlung. »Die Freiheit brütet Extremitäten, pn/i Aolgsss aus<„un4 $9 war es unserem,Freistaate Vorbehalten, in seiner Alma mater Reden zu dulden* und hervprrufeji zu lagspn, die nicht unter einem Metternich1 und Kaiser Franz in Pesem Raume möglich gewesen Wären. . Clöjtilde Benedikt. Per SkandR.i mit dem LeoppMstädtei:- Teippel. Wir erhielten folgende Zuschrift: . Sehr geehrter Herr Redakteur! Hiermit bestelle ich Ihr gesch. Blatt ab. Eine solche Zeitschrift' hätte meiner "Ansiditnach Reihe

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