Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 45 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 629 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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8,. 45 Dr, 800CEeS WOCHENSCHRIFT ■ S*tie 7S5 verschieden beurteilt. An dieser Stelle können wir. nur feststellen: er war ein Überzeugung ätreuer Jude, der sich allerdings durch die Angriffe, welche aus ihm politisch feindlichen Lagern wegenseiner Religionszugehörigkeit gegen ihn als Führer der Unabhängigen gerichtet wurden, in der Verfolgung seiner von ihm1 als richtig erkannten politischen Ziele nicht irre machen Keß. Aber auch seine fanatischsten Gegner konnten die sittliche Lauterkeit seines menschlichen Charakters nicht antasten. Seine Betätigung als Politiker floß lediglich aus reiner innerer Ueherzeugung. seine Person, sondern lediglich im Interesse seines Institutes verwendet habe. Professor Ehrlich hat unter diesen Vorwürfen bis zu seinem Lebensende schwer gelitten, weil er selbst der Wissenschaft große pekuniäre Opfer gebracht hatte, da ihm in jüngeren Jahren für seine Forschungen öffentliche Mittel nicht zur Verfügung standen und er die Kosten 'dafür aus eigenen Mitteln bestreiten mußte. Eine jüdlsichie Emlgratlonserganisatlon. Die Hetze gegen Geheim rat von Wassermann. Das naturärztliche Halbmonatsblatt „Gesundes Leben“ veröffentlichte in Nummer 9 vom 15. September an seinem' Kopf folgende „öffentliche Anfrage“: „Wir fragen hierdurch' Herrn Geheimrat von Wässermann öffentlich1: „Ist es wahr, daß das Urnen nahestehende Bankhaus Ihres' Vaters in Bamberg an einem einzigen Tage 272 Millionen Mark durch das Salvarsan verdiente? Es war, als die Aktien der Höchstert Farbwerke durch die Sal- ■«ärsanrekiame so kolossal in die Höhe getrieben wurden. Um Antwort Wird gebeten. „Gesundes Leben“, Freies haturärztliches Halbmonatsblatt.“ Daraufhin hat der Angegriffene an das Blatt eine Berichtigung gesandt, die folgenden Wortlaut hat: „1. Die in Nr. . . . Ihrer Zeitung in der Form einer Anfrage | ah mich enthaltene Behauptung, daß das mir nahestehende Bankhaus meines' Vaters! in Bamberg an einem einzigen Tage 272 Millionen Mark durch das Salvarsan verdiente» ist ihrem ganzen Inhalte nach unwahr und von Anfang bis Ende erfunden! 2 Ich, bezugsweise das genannte Bankhaus, wird jeden, der diese oder eine ähnliche Behauptung aufstellt oder verbreiten sollte» straf¬ In Berlin hat sich eine „Jüdische Emigrationsorganisation“ gebildet, um der regellosen Auswanderung jüdischer Familien aus dem’ Osten entgegen- zuwirken, beziehungsweise, in geordnete Bahnen zu lenken. Durch! Aufklärung und vor allem durch Schaffung geeigneter Existenzbedingungen soll die Auswanderung nach' Möglichkeit einzuschränken versucht werden. Sofern sich' eine Auswanderung als unvermeidlich erweist, soll geprüft Werden, welche Länder für eine stärkere jüdische Einwanderung vornehmlich in Betracht kommen und unter welchen Bedingungen der Zustrom sich am' besten dorthin leiten läßt. Zu allen politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums verhält sich die neue Organisation völlig neutral. Der Verein darf falls außerhalb des Deutschen Reiches ähnliche Vereine bestehen oder sich bilden, zu diesen in Beziehungen treten und insbesondere Mitglied einer seinen Bestrebungen dienenden internationalen Organisation werden. In der Gründungsversammlnng wurde zum Vorsitzenden Professor Br. Silbergleit, ader Direktor des Statistischen Amts der Stadt Berlin, gewählt. Stellvertretender Vorsitzender ist der Präsident des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Professor Dr. S. KaliSeher, Schriftführer Dr. Alphons Snßnitzk i, Sekretär an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Schatzmeister der ehegesetzlich verfolgen. 3. Sollten Sie selbst .in IhrerMinister Bankier Hugo Simon. Weiter gedie Behaupten« aufeteHen wollen, so ersuch*;®h8mi denl Vorstände u. a. 'an: Professor Br. EraAt ich: um diesbezügliche Erklärung, damit ich dasWei-a-Cassirer njaralmre), Chefredakteur Fritz Enge!, tere veranlassen kann. A. v Wassermann. \Venn ^Rj^yner Br. BaeCk und Br. Warschauer. man dem Herrn Geheimrat v. Wassermann den Vor- __ Wurf macht, daß er sich' durch den Ertrag der Er- ..._^ „ .... , , . _ gSmisse der sowohl von ihm als auch von anderen J *s «merikamsehen Judentums, veranstalteten wissenschaftlichen Forschungen bereiehern wolle oder dies indirekt mit Hilfe des Bankhauses seines1 Vaters1 zu tun versuche, so stellt dies tatsächlich den Gipfelpunkt der antisemitischen Verleumdungssucht dar. Es ist sicher manchem' nicht bekannt, daß gerade dieser Gelehrte^ dessen epochemachenden Entdeckungen ihm einen Weltruf eingebracht haben', alle die Ergebnisse seiner Forschungen in der selbstlosesten Weise der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat, ohne davon für sich durch Patente öder dergleichen auch1 nur einen Pfennig zurückzubehalten. Er hatte Millionen pud Abermillionen verdienen können, wenn er sich den finanziellen Ertrag seiner Forschungsergebnisse durch Patente gesichert hätte, was man ihm! doch ganz und gar nicht hätte verdenken können. Der ihm gemachte Vorwntf steht auf derselben Stufe, wie die einst von antisemitischer Seite gegen den Entdecker des Salvarsans, Professor Ehrlich1, wahrheitswidrig erhobene Behauptung, dieser habe, samt den Höchster Farbwerken, die das Mittel hersteilen, ungeheure Wuchergewinne daraus gezogen. Professor Ehrlich konnte nachweisen. daß er gewiß einen entsprechenden Gewinn für sich als Entschädigung in Anspruch genonünön, daß er diesen aber nicht'für Nachdem die größte Konzentration des jüdischen Volkes in Rußland in eine Reihe kleinerer Ansammlungen zerschlagen worden ist, ist die geistige Hegemonie im Galuth, welche bis zum Weltkrieg dem russischen Judentum gehört hätte, zur größten jüdischen Konzentration der Gegenwart, namentlich zum amerikanischen Judentum', übergegangen. Das .ganze amerikanische Judentum1 ist in der Meinung einig, daß es Wache darüber halten muß, was die Juden auf der Friedenskonferenz erobert haben (die Garantien der Rechte nationaler Minderheiten). Zu diesem Zweck Wird der Amerikanisch-jüdische Kongreß sich von einer periodischen Institution zu einer permanenten umwandeln. Noch' breitere Pläne haben die amerikanischen Juden betreffend ihre kulturellen Aufgaben. Das amerikanische Judentum hat sich zur Aufgabe gestellt, eine breite jüdische Literatur zu schaffen. Zu diesem Zwecke sind dort fünf große Verlage gegründet worden, Welche in jüdischer Sprache die Werke der Koryphäen der Weltliteratur sowie jüdische Uebersetzungen der bedeutendsten Werks der hebräischen Sprache herausgeben. Zum Zwecke der Pflege der jüdischen Literatur wird ein ganzes Netz jüdischer Schulen geschaffen werden, für die jüdische Lehrbücher herausgegeben werden. Mit. der jüdischen Sprache begnügen, sich die amerikanischen