Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 45 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 627 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Nr. io Dr. BLOCHS WOCHENSCHRIFT. "" Seit# 728 ■wim *r ISLML. EJn Hottentotte, der imfc .KJoloni$ten yerwird die Blätter als „Papier“ bezeichnen. Hfo unnrasikalifchter Bger. wird sie als „Noten“ ernennen. Ein Musiker in. Kapstadt aber Wird üps.antworten: Das ist Mozarts Ouvertüre zur ,Z$uberflö.te‘•Es muß der Geist zum Geiste sprechen . "Wer niyht Neigung und Verständnis zur Erkenntnis detz Geistigen Wt, mag es unerforscht lassen; nur urteile nicht darüber. „Der Naturforscher, den an der Grenze des Geistigen seine treuen Führer, Maßetab, "Wahl und Gebrauch! der äußeren Sinne verlassen, hat nicht das Hecht zu sagen: /Weil ich! nichts sehe und nichts wissen kann, so kann auch nichts da sein'. “ Du 'brauchst auch1 nur 'das erste beste Lehrbuch der Psychologie aufzuseMagen, um1 zu s'ebeu, wie das, was Wir Seele nennen, gan!z anderen! Gesetzen untersteht, als die physische Welt; und daß es, — trotz Maeterlinck —/ vom Seelenleben der Tiere inimnfelweit absteht. Davon möchte ich Dich jedenfalls überzeugt wissen, da® der Annahme einer Seele, als einer Besonderheit, einer eigenen Wesenheit, vom Standpunkte der besonnenen Wissenschaft nichts im Wege steht. Ob wir die Seele nun mit einem' Meteor vergleichen wollen, der unserejm1 Auge als leuchtender Körper sichtbar ist, solange er den Dunstkreis unserer Erde durchfliegt, aber, wenn für uns auch1 nicht mehr wahrnehmbar, darum' doch seinen Weg fortsetzt, oder wie im!m)er Wir uns positiv das Wesen der Seele begreiflich zu machen suchen, das steht auf einem anderen Blatte ... , (Wird fortgesetzt.) lieh sind, ist eS ihrer Publizistik doch gelungen, die armen Juden vor der Oeffentlidhkeit als Sündenböcke hmzustellen und sieb auf ihre Kosten in die Höhe zu, schwingen. Man kann es ja ganz offen sagen, daß Judenunruhen wiederholt haben ausbrechen können und nur durch besondere Vorsicht zu verhindern waren. Jedenfalls aber steht auch bei uns die antisemitische Herrschaft vor der Tür und wir haben von ihr das Schlimmste zu erwarten. Denn, da doch die Antisemiten wie immer dem Volk nichts zu bieten haben als leere Phrasen, werden sie ihren Anhängern aus dem großen Haufen immer wieder zur Befriedigung ihrer Gelüste und zur Beruhigung ihrer Nerven die Juden hinhalten und werden sich ge'wiß an den Versuch wagen, die Juden in ein Ghetto einzusperren. Der christlichsoziale Abgeordnete und Führer Kunschak hat es in einer öffentlichen Versammlung als sein Programm aufgestellt, die Juden als eigene Nation nicht nur aufzustellen und zu betrachten, sondern auch zu behandeln’. Sie aus allen Lehrämtern und staatlichen Stellungen zu entfernen und überall auf Perzentnormen einzuschränken. Auch getaufte oder „konfessionslose“ Juden, sowie deren Nachkommen sind der jüdischen Nation znznzählen, unter „Minoritätsschutz“ zu stellen. — In einer sozialen Akademie des „katholischen Volksvereines“ hat Professor Dr. Seipel sich gegen d!eri Rassehstandpurikt gekehrt und1 für das Vollrecht der Getauften! sein Wort eingelegt. Mit dem Hinweis, daß er sich' bei der „Anerkennung“ der Juden als Nation vielfache Uebertritte erwartet:- Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen mr Tagesgeschichte. Bekanntlich hat es Juden gegeben, welche eine gewisse Verständigung mit den Christiichsozialen für möglich hielten. Sie stehen und standen auf dem1 Boden der sogenannten bürgerlichen Weltanschauung und glaubien, daß diese bei den Wiener Antisemiten „Die Grundlage des Programmes“ bilde, die Judenfeindsphaft jedoch erst, in zweiter Linie komme und kein 'wesentliches Hindernis bilde für die Vereinigung aller Gegnpr des Sozialismus bis zu seiner schärfsten Tonart- Man sprach1 sogar bei den Wahlen in die Nationalversammlung ganz offen davon, daß die Ohristjichsozialen jüdisches Geld erhalten hätten und daß sie von diesem1 der „Reichspost“ ein Abendblatt hätten hinzufügen und ihre publizistische Propaganda bedeutend hätten stärken können. Wenn es nun wahr ist, daß manche Juden ihre bürgerliche Politik ihrer jüdischen Ehre vprgezogen haben, so kommen! sie sich fortlaufend davon über-, zeugendaß sie zum' Spott auch noch einmal gewaltigen Sdh'alden zu tragen bähen. Alles1, .was sie versucht haben, ist zwar eine Stärkung des Bürgergedankens, aber ein noch gewaltigeres1 AnsChwellen Es müßte nachteilige Folgen haben, wenn gesetzlich festgelegt würde, daß jeder Jude noch-immer nationaler Jude bleibt, selbst wenn er sich von seinem Glauben lossagt. Damit würde ein großes Unrecht geschaffen» weil nur für die Zukunft ein# solche unübersteigbare Schranke aufgerichtet würde, die in der Vergangenheit nicht bestanden bat. Wohl aber läßt es sich durchführen, daß die Juden als Nation anerkannt und des nationalen Minderheitsschutzes teilhaftig werden. Denn in diesem Falle steht zu erwarten, daß ein klares Verhältnis geschaffen wird und sich kein Jude mehr der Zugehörigkeit zu seiner Nation zu schämen braucht. Die anderen Juden aber, welche sich von ihrer Nation ausschei'den,, werden nach Sitte und Lebenansschauung vollständig in die übrige Bevölkerung ein gegliedert werden. Wenn also das christlichsoziale Programm' durchdringt, werden Wir Zustände bekommen, wie sie in Rußland und Rumänien geherrscht haben und die Juden! werden moralisch, intellektuell und materiell um Jahrhunderte zurückgeworfen Werden. Nur ein naiver Mensch kann glauben, daß von dem radikalen antisemitischen Programm gar nichts wird zur Durchführung gebracht werden. Im letzten antisemitischen Montagblatt ist die Judenfeindschaft als erster Hauptpunkt des Programmes aufgestellt und betont worden und die schwarzen Hundert im zaristischen Rußland hätten des Antisemitismus, So daß sie Legen den Bolschewismus des Proletariats den Bolschewismus des1 antisemitischen Pöbels aller Klassen eingetauscht haben, der viel zielsicherer und andauernder ist. Man lese nur das antisemitische Abendblatt und man wird sich nicht darüber wundem, daß Wieder der tollste Blödsinn über die Juden gesagt und geglaubt wird und daß die große Menge in antisemitischem’ Sinn fanatisch1 aufgestachelt ist. OJbwohl doch die Christlichsozialen und ihre Führer vom1 Säbel und Weihweide! den Krieg mit allen;, seinem fürchterlichen Folgen. heraufbeschwpren. haben und somit für die Ver- Hser üng ünH dep. ZusqnWeiMucG äÜei$ verantworte eine Freuide von den aufgestellten Forderungen gehabt. Nun ist es den Antisemiten bereits gelungen, die öffentliche Stimmung gegen die Juden bereits einzunehmen. Es ist also nur (mehr notwendig, aus den Meinungen und Plänen Gesetze zu machfein und diese danndurchzubringen. Wird die Nationalversammlung uns genügend, schützen? Nach! dem BolSchewikensturm, der sich gegen die Juden richtete, ist nun ein Sturm' Säer antisemitischen Bolschewiken zu erwarten und wir können nun Zusehen, Wie wir diese neue Gefahr überstehen.