Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 45 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 626 (sequence 6)
- Language
- German
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Swte 722 Dt. SLSSS'L WOWESMBLM Nr. 4» Kxaft Sie ist Ä80 audb uni6UM<M gütig, gerecht, h^mherzig. Alleg, was ist,. ist nicht aus n i chts', es ist aus Gott MÄÄsMu! . Du sieltet, selbst von einem uiaterialistteclieu Standpunkte aus gelangt man mit logischer Konsequenz dazu, die Möglichkeit eines rein geistigen Prinzipes zugehen zu müssen,1 d. hl zum' Spiritualismus. - 2; [;■! : |!'; | Wie das Problem' der Beweisbarkeit des Daseins einer Gottheit, So erlangt auf-diesem Wege auch das andere, das mit ihm zusammenhäinst. die Frage der Unsterblichkeit der Seele eine nSue Lösbarkeit. Auch dieses Problem wird Dir, ohne „Pathos und Pectus“ ventiliert, wieder das Judentum in seiner Besonderheit von einer neuen Seite beleuchten. Für den Monismus existiert sie freilich überhaupt nicht oder höchstens in dem1 Sinne einer psychischen Erscheinung, wie.der Gottesglaube u. a. m. . Für ihn unterscheidet sich der Mensch vom Tiere nur, ran das Wort De la Mettrie’s zu gebrauchen, wie eine PlaUeten-Uhr von einem gewöhnlichen Uhrwerk. oder. Wie Haeekel, sich1 ausdrückt: „Die ganze Anthropologie ist nur ein spezieller Zweig der Zoologie“, wobei die Voraussetzung ist, daß das Denken als „Sekret des Gehirns“ nichts' anderes darstellt, als die Umwandlung des Blutes in einen anders zusammengesetzten Körper!. Für den Glauben an eine Fortdauer nach dem Erdendasein finden sich Spuren bereits' beim1 diludanischfen Menschen. Diesen Glauben an eine selbständige Seelenexistenz auch einem nicht philosophisch geschulten Geiste annehmbar zumachen, braucht man um' Gründe nicht verlegen zu sein. Bewegung nehkne ich nur 'wahr, wenn sie sich auf einem ruhenden Hintergründe vollzieht. D§ß wir auf dem Schiffe den Fluß dahinfahren’ bemerken wir nicht, Venn, wir auf das Verdeck blicken. Erst wenn Vir das Auge auf . das Ufer richten- Die Außenwelt können wir somit als Gegenstand nur wuhrnehimen im! Gegensatz zu etwas anderem, was i n u ns’ist. Alle sieben Jahre vollzieht sich’ ein vollständiger Umsatz aller Atome unseres Leibes1. Wir werden in unserem physischen Bestände ein ariderer. Daß wpr trotzdem an der Prägung der Gesichtszüge unsere Bekannten nach Jahrzehnten wiedererkennen, diese auffallende Erscheinung wird von den Monisten (Ostwald) mit der Vertröstung abgetan: ,,E» mul der Hinweis genügen, da8 es sich aller Währ- .seheini i chkeit nach um - bestimmte Kombina^bnen verwickelt zusammengesetzter chemischer Substanzen handelt.“ Es bleibe jedem1 überlassen, sich bei dieser „Wahrscheinlichkeit“ zu beruhigen! Näher liegt es doch jedenfalls, aus dieser Tatsache sowie daraus1, daß wir in unserer Erinnerung Raum und Zeit überwinden, daß!wir eine Gegenwart empfinden und den Begriff der Zukunft fassen, auf ein Prinlzip zu schließen, das dem1 Wirbel der Atome entzogen ist. -Ich übergehe alle Tatsachen der Telepathie und verwandter Gebiete und stelle mich auf den Standpunkt der Naturwissenschaft -die auf Erden nirgends Geist ohne Materie — freilich auch nirgends M[aterie ohne Geist (ohne die sie bestimmende Notwendigkeit) — fcugjbt. Beweist denn aber die Abhang igk eit schon die Identität? V „Das "Wasser zeigt sicht ja auch au Wasserstoff -ge^ ' bunden. Es ist Sdeiu Wasser, wo kein Wasserstoff ist. Die qju*uti$ät dies#*; -aeifft' sHrLadUtzMreu d*r und zwar "gewiß nicht minder als unser Denken; vom Gehirne; dennoch fällt es;, keinem hei, zwischen Wasser und- Wasserstoff eine Identität zu denken.“ (M. L. Stern.) Darf darum, weil unsere psychischen Fähigkeiten an Gehirn und Rückenmark . gebunden sind, der Inhalt eines Aktes mit seinem M i ,t t e 1 verwechselt Verden? Haben wirklich spj wie die Speicheldrüse den Speichel, Lunge und Kehlkopf eines Demosthenes eine Philippika „ausgespnderi“? tet ein D’Albert nicht D'Albert, wenn ihm das Klavier fehlt, das Organ, sich hören zu lassen? Wenn.; ich einen Phonographen zerlege und darin weder den Mechaniker noch Edison entdeckte, leben diese darum nicht? Wenn, zu mir Kriegsflüchtlinge komlnen. die getraut werden Vollen, aber keinen Geburtsschein verweisen können, Weil sie ihn. daheim zurückgelassen haben, gelten sie darum für mich als nicht geboren? Genügt es nicht, daß sie leibhaft vor mir stehen? Man sieht den Wald vor lauter Räumen nicht; man sucht die Brille, die man auf der Nase trägt. „Den Gedanken .'vernimmt man nicht vor Läuten, den Choral nicht vor Tönen“ (v. Baer). „Ist die Tatsache, daß.. wir die vSeele nickt sehen oder riechen, ein .Grund, ihr Dasein zu leugenen? Der Mals terialismus glaubt^jjaüauehf an Atome und jhat jdoch.noch keines gesehen und geschmeckt." (D. Wels.) Fühlen wir nicht auch den Sturm1, der Schiffe ’ zerschellt, ohne ihn sehen zu -können? Ist er nicht trotzdem etwas 'höchst Reales? „Wir nehmen“, sagt Helm holt z, „die Materie nie an sich' selbst wahr, Sondern nur. als Ursache von Erfahrungar tatsachen durch ihre der Beobachtung zugänglichen Wirkungen." : ' .7. ' ■ " 1 Ob ich also von Geist oder von Materie rede, beides ist gleich! dunkel. Ist es nicht verkehrt, die Materie, die ich doch nur mi t t e 1 s meines Geistes durchforsche, zu durchVöheln, um darin Geist aufzuspüren? Das Sicherste, was Wir in. unserem BeWußtgein besitzen, sollen wir im Unbewußten suchen? ,,Gleichen“, wie K. J o e 1 so treffend; sagt, „wir dann nicht der Eintagsfliege, die, am Apoll vom Belvedere empört-1 kriechend, nur an (den Stoff, nicht aber an die Kunst glaubt?“ Der große Naturforscher K. E. von Baer, dessen. Schriften ich' Di* als Gegengewicht gegen die diversen Herren und „Njegaüöhsräte“ in Deiner Umgebung nicht warm1 genug empfehlen kann, urid der auch für die biblische Schöpfungsgeschichte Worte? höchster Bewunderung findet, betont einmal die menschliche Fähigkeit, dank des Vermögens der,Sprache, geistige Erbschaft zu empfangen und die Unmöglichkeit, einem1, der das Bewußtsein der eigenen Selbständigkeit nicht in. sich trägt. oder, es sich durch', sophistische Zweifel abdisputieren läßt, es wiedergeben zu wollen. Er gebraucht hierbei folgendes, Gleichnis,:! „Es" hört jejnand im Walde . ein Horn blasen. Er wird auf einen Bläser schließen, den; er aber nicht sehen kann. Eine. Milbe aber, die in 'dem Horn saß, die würde anders urteilen: „Ich; hatte eine stille*, dunkle, gewundene Höhle gefunden, in der ich1 ruhig saß, als sie plötzlich von einem . schrecklichen Erdbeben erschüttert wurde, erregt durch einen entsetzlichen Sturmwind, der mich aus der Höhle, hinausschleuderte.“ Oder denken wir uns, wir fänden in Afrika ein Heft Noten, das ein Livingstone dort verloren hätte. Wir zeigen sie einem- Neger^ der von Europas Kultur noclv unberührt." „Das sind'trockene Blätter“,