Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 45 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 625 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit*- 721 .Tr. 45 Dr. BLOGH’S WOCHENSCHRIFT Jede einzelne unserer Empfindungen ist an ein besonderes, ihr entsprechendes Ich in uns geknüpft. Von Empfindung zu Empfindung haben wir ein besonderes Ich Lu unterscheiden. Und wie eine Einzelempfindung in der anderen aufgehoben wird, in ihr enthalten ist, so jedes wahrnehmende Subjekt in dem anderen. Indem1 ich' nun in meinem Ich die Einzelwahrnehmungen, deren Inbegriff eben mein Ich ist, unterscheide, entsteht der Begriff-der Zeit. Vergangenheit und Gegenwartverhalten sich vor diesem, auf das Weltganze gerichteten Blick zueinander, wie Einzelbestandteil und Gesamterscheinung, oder, wie Mai mo nid es es ausdrückt: in Gott sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich'. Suche ich1 aber die Objekte, die in meiner Wahrnehmung als gleichzeitig gegeben sind, aus ihren Wechselbeziehungen loslöst, in ihren Besonderheiten und Unterschiedlichkeiten durch Begriff und Ausdruck festzuhalten, so entsteht der Raum begriff. V- Die Naturgesetze sind nicht Gesetze zur Erklärung der Existenzen und ihrer Entstehung, sondern nur zur Darstellung des Bestehenden. Worin ist aber das Wesen der Wahrnehmung zu suchen?;,Äuf alle stofflichen Kombinationen und Erscheinungen »agiert das Wahmehmungsorgan auf gleiche Weise, folglich muß dieses Wahrnehmungsorgan ein von allein stofflichen Kombinationen und Erscheinungen Besonderes sein.“ Was auch immer die Naturförscbung über das „Wissen“ Ergründen wird, alles, was dann, nach ihren Ergebnissen das Wissen Sein, soll, wird sich doch als.Gewußtes zum1 Wissen gerade so verhalten, wie das, Was bis jetzt' schon bekannt isjt. Es wird als . 0 f> j e kt des Wissens einem* wissenden Sji-b'jekt gegHM^rStMsh. Wäs dieses Subjektrist, wissen Wir nicht; Daß es als etwas Besonderes da ist, darauf schließen wir mit derselben Sicherheit, mit welcher der Astronom1 aus den Bewegungsverhältnissen der bekannten Planeten das Vorhandensein eines noch unentdeckten herausrechnet. Um sich die Wechselbeziehung zwischen Bewegung und Bewußtsein begreiflich1 zu machen, kann man vergleichsweise daran denken, daß wir als Grundprinzip oder Identitätspunkt für die Divergenten positiver und negativer Elektrizität den Elektrizitätsbegriff, einen tieferen zwischen Elektrizität und Magnetismus, einen noch' tieferen zwischen Wärme und Elektrizität, den bisher tiefsten innerhalb der Gesamtheit aller Bewegungserscheinungen im Bewegungsbegriff annehineri. Einen noch tieferen können wir für Bewegung und Bewußtsein uns denken. Dieser IdentitätspunJct muß, da sich1 doch das Bewußtsein auf alle nur denkbaren Bewegungserscheinungen ausdehnen kann, außerhalb' des Stofflichen fallen. Ich' spreche hier nicht als Theologe. Mit dem Gottesglauben hat unser Gegenstand direkt gar nichts zu tun. Selbst ohne die Annahme einer besonderen, unsterblichen Seele,- muß die einfache Betrachtung eines organischen Gebildes1 zu Gott führen. ^Die konsequent durch'gefiührfe Theorie einer MaschinenStruk'ur der Organismen“, sagt R e i n k e, einer der Spiritual ten unter den Naturforschern' „vernichtet den Atheismus.“ Aber auch' schön die anorganische Welt leitet, wie Waldthurm gezeigt hat, den Betrachter auf streng wissenschaftlichem Wege zur; Gottheit hin. Er gebraucht freilich1 Analogien aus dem Gebiete der Elektrizität d Und gerade Won ihr, die sich unwillkürlich als nächstes Vergleichsobjekt für Tatsachen geistigen Lebens anbietet, sagt Ostwald, wo er von der Erinnerung handelt, den grundsätzlichen Unterschied zwischen beiden Gebieten — er als Monist! — betonend: > Während der leblose elektrische Leitungsdraht beim tausendsten Stromdurch’gange genau die gleiche Erwärmung durch1 den gleichen Strom erfährt, wie heim eisten Male, führen die Lebewesen schon nach wenigen Wiederholungen einen neuen Vorgang mit viel größerer Leichtigkeit, Schnelligkeit und Sicherheit aus, als das erste Mal.« Doch’ kann man den Vergleich gelten lassen, wenn man sich nur vor Augen hält, daß es sich hier um ein Analogon, nicht um einen Beweis handelt. . Waldthurms Gedankengang ist in Kürze der folgende: Die Physik lehrt, daß keine Veränderung nnd kein Zustand ohne das Wirken einer Kraft möglich ist. Alle diese Kräfte, das erkennen wir. immer deutlicher, sind im Grunde nur eine Kraft in verschiedenen Modifikationen. Diese Kraft, die hier auf Erden in allem wirkt, ist die Kraft der Sonne. Auch das Lehen, seihst das geistig-e Leben ließe sich aus der Sonnenkraft herleiten. Das Denken ist ja, wie jede andere Tätigkeit, Anwendung einer Kraft. Wie jede andere Arbeit absorbiert es den Körper, in unserem Falle in erster Reihe das Gehirn, seinen Sitz. Die Tatsache, daß ein Mensch auf den anderen geistig einwirken kann, erklärt sich als Zufuhren eines Stromes zu einem Denkapparat. Für unser Erinnern, wie überhaupt für jede Einwirkung unseres Willens auf unser Denken, liegt das Bild des Schaltbrettes nahe, von dem* aus die Richtungen der ausgehenden elektrischen Ströme bestimmt werden. Vielleicht wird man einst auch den freien Willen des Menschen, der dieses Schältbrett bedient, auf ähnliche Weise mit Hilfe der Naturwissenschaften erklären können. . Die Abstufung der geistigen Fähigkeiten erklärt sich, nach’ der Analogie physikalischer Erscheinungen, aus der Verschiedenheit im Bau des Apparates. Eine dieser Analogien ist besonders lehrreich. Hatte man bis zur Erfindung der Radiotelegraphie die Elektrizität nur in eine Richtung verschicken können, so wurde diese in unendlich viele verwandelt durch1 Weglassung der starren Materie bei Konstruktion der radiotelegraphischen Apparate. Muß dementsprechend nicht auch der Denkapnarat, je mehr er von der Materie befreit wird, um so höher und weitreichender denken können? Und läßt sich nicht mit mathematischer Gewißheit —• a (Kraft! oo ©(Materie) — schließen, daß die Wirkung der Kraft, wenn diese von der Materie völlig befreit ist, unendlich groß sein muß? Diese eine Kraft beherrscht aber nicht allein unser Sonnensystem.. Sie müß die ganze Welt erfüllen. Sie ist allgegenwärtig, allmächtig, ewig. Befreit von jedem hemmenden Einfluß der Materie, als reiner Geist, ist sie das unendliche Denken, ist sie allwissend. Wir nennen sie Gott. „Gut“ und „Böse“ erklären sich gleichfalls ans Verschiedenheit der Denkzentren. Pflicht des Menschen ist es, in sich! und in anderen die guten Zentren durch entsprechende Beeinflussung zu stärken, die krankhaften zu schwächen. Ahes mit Hilfe der einen