Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 45 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 624 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7*0 Dx. öfiÖCH’S WOCHENSCHRIFT St. üb Zwecken verwenden wollen. Der diesbezügliche Satz in dem von mir gefertigten Aufrufe verweist zunächst darauf, daß nach dem jüdischnationalem Programme aus der Kultusgemeinde eine „V o l k s g e ure i n#d e“ werden soll, welche in Hinkunft vor allem nationalpolitische Ansprüche zu vertreten, die Anerkennung der deutschösterreicMschen Juden als eine besondere Nation, die Errichtung jüdischer Schulen, die Ptlege der hebräischen Unterrichts- und Umgangsprache etc. anzustreben hätte. Dann heißt es weiter: „Die Kultussteuern wären hienach nicht mehr ausschließlich zur Erhaltung und zum Ausbau unserer religiösen, sozialen und Wohlfahrtseinriehtungen, sondern auch — und zwar in erster Linie — zu nationalen und politischen Zwecken zn verwenden.“ In der Hitze des Gefechtes haben die Herren Stricker und Genossen die Worte „nicht mehr ausschließlich“ sowie das Wörtchen „auch“ einfach weggelassen und damit dem Satze eineu ganz anderen, dem Zwecke ihres Angriffs dienlichen Sinn unterlegt. Sie haben nicht geleugnet, daß die künftige „Volksgemeinde“ nationalpolitische Ansprüche vertreten, die Anerkennung einer jüdischen Nation in Deutschösterreich, die Errichtung obligatorischer jüdischer Schulen, die Pliege des Hebräischen als Unterrichts- und Umgangssprache anstreben soll, wobei der Unterschied zwischen solchen Schulen und Privatschulen zur Ptlege der hebräischen SpracbkenntnisBe scharf festgehalten werden muß. Sie konnten es nicht leugnen, deim dies ist das sogenannte jüdischnationale Kulturprogramm und der „'Jüdisch!; Nationalrat* hat es in Ausführung der Beschlüsse des Kopenhagener Bureaus, welche dahin lauten, daß im Zusammenhänge mit einer erhöht eninn er p oli tischen Betätigung die Erofc erung der Kultusgenie inden;:und deren Umwandlung in „Volksgemeinden“ durchzuführen sei, in einer eigenen Proklamation verkündet. Wie anders aber könnten und würden nach dieser „Eroberung* all die nationalpolitischen Bestrebungen und Einrichtungen der jüdiscbnationalen Partei ins Werk gesetzt werden als mit dem Ertrage der Kultussteuern? Auch in diesem Punkte habe ich in voller Übereinstimmung mit>dem von mir vertretenen „Vereinigtem Wahlkomitö“ nur eine nnabweisliche Schlußfolger an g aus vorliegenden Tatsachen nnd progi aromatischen Äußerungen gezogen und. meiner Überzeugung Ausdruck gegeben, an der durch den „Offenen Brief“ der Herren Stricker und Genossen nichts geändert wird. Auf die persönlichen Invektiven, welche in dem ^Offenen Brief“ gegen mich geschleudert werden, gehe ich nicht ein. Sie lassen mich kalt und gleiten an mir ab. Wien, 11. November 1919. . Mit vorzüglicher Hochachtung. Univ.-Prof. Dr. L. K o enigs t e i n, Präsident des „Vereinigten WahlkomiWs der nicht -jüdischnationalen Parteien für die KultiiswÄhlen“. Monistische Märchen. " Aus einem Briefwechsel. Von Dr. Bit QnmwaH. . (Fortsetzung.^ Denkende Materie. So oft ich eines dieser Schlagworte unserer materialistischen „Naturphilosophen“ lese, muß ich unwillkürlich an Bingo/ än Hagembecks „musizierende Seehunde"/ an den „klugen Hans“, an die Schlager Barnums, an die „Wunder der Technik“, an eine ganze Serie mirakulöser Reidaineaufschriften aufJahxmarktsbuden denken. Das „Schuster bleib' bei deinem Leisten!", das Du mir so halb und halb durch die Blume zu verstehen gibst, bin ich so frei,. Dir und Deiner ganzen Gilde mit Dank zurückzuerstatten, „Was will Saul unter den Propheten?“ Was Dein H a eck e 1 unter den Philosophen? . Wir haben streng zu unterscheiden zwischen Natur auffassüng und Welt auffassung. Im Bereiche der ersteren kann ich1 den Anspruch des Naturwissenschaftlers auf Autorität begreifen. Seine Aufgabe ist ja die Analyse dessen, w a s d a i s t. Eine Erklärung des Daseins selbst gibt jedenfalls der Materialismus nicht. Eine solche zu versuchen, ist nicht seine Aufgabe, sondern die des Philosophen. Begriffe, wie Stoff und Kraft, wie Zeit und Raum, Bewußtsein und Bewegung, sind Gegenstand philosophischer Untersuchung. Unser Wissen von den Dingen beschränkt sich auf das, was unsere Empfindung von ihnen aussagt. Was aber von ihnen' Bestimmtes in unseren Empfindungen vorhanden ist, ist nichts anderes, ajs gewisse Zeichen. Die Verschiedenheit dieser Zeichen muß durch eine Verschiedenheit der wirklichen Dinge bedingt sein. Nur diese Verhältnisse, unserer Empfindungen zueinander sind öbjektiy. Sie allein sind das Wesen und der Inhalt der Welterschein,ung. Ganz subjektiv ist hingegen die Form, in der sie uns erscheint, der Inhalt unserer Einzelempfindung. Wasdiesem im Realen entspricht, bezeichnen wir als Stoff. Seine , Qualität ist uns gänzlich unbekannt Wenn/wir ein Lied hören, so sind das, was iyvir als Musik erfassen, nicht dlö ftöne MbM^/syndßrn einzig .. und allein die' Verhältnisse und Beziehungen der Töne zueinander. Die einzelnen Töne sind keine Musik. Nur die bestimmte Beziehung der Töne zueinander bildet die Materie der Musik. Dies gilt auch von den Dingen im allgemeinen. Einen Stoff an sieb, ohne Verhältnisse, gibt jes — erkenntnistheoretisch —- nicht. Ebensowenig gibt es, philosophisch gesprochen, eine Veränderung. Der oberste Grundsatz alles Erkennens ist der Grundsatz der Identität: a== aa —b ist ausgeschlossen. Ein Ei ist ein Ei und nie ein Huhn. Wenn (wir sagen, aus dem Ei ist ein Huhn geworden, so drücken wir damit nur aus: ich war es, der das eine Mal das Ei gesehen hat, und ich bin es, der es jetzt in Verbindung mit anderen Komponenten sieht, deren Gesamtheit ich als Huhn erfasse. Diese Kombination war da. Nur ich bin es, der das eine Mal diese, das andere jene Stellung zu ihr einnahm. Die Erscheinung der Bewegung, der Veränderimg, des Werdens und Vergehens, alles, was der Naturforscher Kräften zuschreibt, ist somit gleichfalls nur subjektiv, nur in unserer Empfindung. In der Welt an sich gibt es nichts als ein Sein. Nur im wahrnehmenden Subjekt kann von einem Werden die Rede sein, rücken Welten zurück, andere vor. Früher nnd später, Ursache und .Wirkung sind an sich identisch. In der realen Welt gibt es kein Ent stehen. auseinander, sondern nur ein Bestehen nebeneinander. Nichts anderes besagt, nach! den scharfsinnigen Ausführungen M. L. Stern's, dessen Leitung wir in dieser Frage vertrauensvoll folgen dürfen, das Gesetz von der- Erhaltung; des Stories und der Kraft, das die Naturforschung aufgestellt hat. < - Und wie entstehen, die Begriffe der Zeit und des Raumes? '