Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 45 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 622 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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718 , ' Efc, BLOCH’S iW.OCHEMSCHRIFT > Wr. 45 Die wirklichen rollen Konsequenzen des,, nationaljüdischen Bekenntnisses für das Leben der Judenheit in der Diaspora bat den klarste und freimütigste Denker, der eiste führende Theoretiker der jüdischnationalen Partei, der weder Zweideutigkeiten noch, yersteckenspielen duldet, bereits scharf“ und eindeutig ausgesprochen. Jakob Kl atz kin, der das Nationaljudentum mit dem Feuereifer eines Apostels predigt, ist aber dabei ehrlich genug, offen zu bekennen, welche Opfer es fordert, und er zeichnet in seinem grundlegenden Werke: „Probleme des modernen Judentums“ diese Konsequenzen nüchtern und bestimmt, wie sie jedem logisch Senkenden sich' ergeben müssen. ' .Welcherart sind die Lebensbedingungen des Nationmjudentums^außerhalh Palästinas? Jakob Klatzkin gesteht: „Wir sind im Galuth als Nationalisten immer ,! im Nachteil; wir sind es sowohl im Nationalais auch im Nationalitätenstaat. Das nationale Bekenntnis legt uns mehr Pflichten auf, als es uns* Rechte gibt; verpflichtet. uns das Primat und Privileg jder Landesnation oder der Mehrheitsnationalität zu respektieren, gewährt uns jedoch als I Subnation nationale. Minimalrechte,, die im Verein, jd. jh. ohne Konflikt mit den Vollrechten des Territorialvolkes keine hinreichende Wirksamkeit besitzen, um uns auch nur ein nationales Existenz- . minimum; geschweige denn nationale Dauer zu verbürgen.“ [ „Schließlich aber friedlich — diese Lösung, t diese Regulierung des zwischenvolklieben Lebens gilt für |das Nebeneinander, nicht für Ms Aneinander der .Völker* gilt nicht für ein Volk im Volkes i Wehn frieMM1, kann fes -nichtrechte schiMliCh sein; wenn söbiedtich, kann es nicht friedlich sein. - Wollen wir ohne geographische GFÄiZe in - nationaler Scheidung verharren, sollen Mr alle Landesgrehzen durchbrechend als Einheit bestehen, wollen Mr inmitten jder Völker uns freimütig : als .Volksfrem.de bekennen und unsere Fremdart, id.. & Eigenart Wahren, verweigern wir den nationalen Anschluß an die Territorialvölker, lehnen wir jeM Angleichung ab; so gibt es keinen Ausgleich, keinen Frieden, so muß der Kriegszustand, in dem wir uns seit beinahe zWei Jahrtausenden befinden, in dieser oder jener Form fortdauem.“ Nationaljudentum: hat den Charakter einer ewigen Kampfstellung. gegen die Umwelt; „es ist-.ein heroischer. Charakter." - . - „Die Erhaltüög eines nationalen: Galuth' erfordert also ein starkes Gesöhlecht. Ein Geschlecht, t das der Umwelt zu trotzen vernfag und willig/ ist, Leideneines ungleichen Antagonismus äüf sich zu behmen; das im Genuß der Gleichheit ein - gewisses Maß der Selbstbeseheidung,- j a einey vielfachen Entsagung üben und den Verlockungen hoher Aemter in fremdem1 Volksdienste widerstehen. > kann*“ . y! '/ - '! /• Mit anderen Worten: man muß auf die volle Gleich'h er e cMtigmng als S ta atsbür gO r Verzicht leisten.’ Ist der Hinweis’ äüf diese Konsequenz der nationaljüdiseheh Politik eine „Verleumdung“, dann trifft die Anklage äüdh deaj schärfsten nationaljüdischen Denker Jaköb-K lä tzkin, weil er /gesagt hat, was ist. Seiner Ehrlichkeit Widerstrebt * es, Iden Leuten Sand in die Augen zu streuen, zu verheimlichen, daß die Angehörigen einer nationalen MinoLW auf wichtige FMktiöhen Md. / Staatsleben, somit auf wirkliche' Gleichberechtigung verzichten' müssen; allerdings ist er bereit, Seinem Ideal dieses Opfer zu bringen. Das österreichische Judentum ist aber dazu nichtbereit und weigert sich mit der gleichen Entschiedenheit, auf die volle Gleichberechtigung zu verzichten, mit welcher etwa Herbert Samuel jeden Versuch einer Rechtsschmälerung der englischen Juden abweisen Würde. Klatzkin stellt sich' auch die Frage, ob etwa verfassungsrechtliche oder zwischenstaatliche Sicherungen für den Rechtschutz der Minorität denkbar ist. Und auch diese Frage beantwortet .er im negativen Sinne.- .; . I ' r ■ „Wird etwa im Nationalstaats eine innerstaat- . liehe Gleichstellung der nationalen Minderheiten auf Grund, des Matrikelsystems;, des Nationalkata-. sters öder der nationalen Zuordnüü’g auf Grund eines Personalitätsprinzip s, wird d|e Umgestaltung des Nationalitätenstaates in den Staatenstaat, in einen Bundesstaat der Völker — auch dem historischen Unikum' einer internationalen Nation natio- . nalen Bestand gewährleisten?“ ,jUns kann die Erfüllung der Hoffnung' auf einen Idealstaat nicht fruchten.. Auch in einer civjlifas dei,. auch/ wenn der „kräftigste Patriot der reg- . samste Weltbürger sein wird'*, muß der gerechte Ausgleich des Konfliktes — zwischen einer Mehrheit eines territorial verfestigten, ungeteilten Volkes mit dem Bewußtsein national-historischen Rechtes einerseits uM eitler Minderheit emös .exterritorialen, durch viele Länder und Völker gespaltenen und somit national gewissermaßen disqualifizierten- Vtilkes ähtiöiheits — ühs eher sdhwächeld als1 , stärken,.“ .;-// "1/ . . „Wir, köhhfen. nicht-, unser; Schicksal; utisOre// Seinsfra^e im Galuth1 dem SöMedss’prüch' dm M-.; tiöüäLeti Gerechtigkeit vertrauensselig übbrähtwör- ' ten. Das hätiohäle Rechtsurteil entbchefdet hiei / zu unseren UngMsten. Das ist viMbieht der bö?. / seste Fluch, der auf dem Galuth1 lastet.“ /./' , ' . ... --..... --- .♦» Herr Oherrabbiner Di:. Oha je s> d$n wir mit Bedauernin vorderster Reihe der Kämpfer für einen jüdischen Kataster und eine Üntersteilutig dör Österreichischen Judeahfeit untbr MnöriMtsWchtb drblitzkeri, Äeht m dem gepIMten VÖlkEhMd MnWMtigstM; MltigMn Md jWrMt IMEMeMn BeIEMör allef tiätiöhäjida Mmötitätdü, SÖiüit ätich der1 jiudisMen. ' Er erklärt es deswegen als Üe Mürige Tatsache, „däß die BeWÄier DeutkehösterxetchS köijne Ahnung von dem Frieübdsvertfage Üabäh“. hidessen::' scheint ' es, als oh er/ selber über SifaiVuhd Betieütiihg/ der einzelnen BestuMümMh des Fr^äensvertr’äges k(Mne richtigem .VöMtellüß^eh ‘ Mt, vWM'ef MMh Zuhörern . yorredeL daß ' däs lüdisphe GemeihweMl^ MÜches in Palä&titiä erntetet weiden äöH, iir der Läge seih' wird;' 'für die vorletztem RÖtihte 'Ätier juMtihehLWo- ' rität beim -Völkefhuhd vöfsMlig zü wördem Die Frage des i!!WortMWEützeMhteMMert hichjt - bloß die Juden, sondern auch in ganz hohem Mäße dfA / " Dentgeh'#in. Dötitschfe Mmontäfeh' iin./t^dlihchp- ' slowäNsMen und polnischen Staat zähleir iiäch: MUliÖäfeR; äüch FrMkfMM'Md ItMtznsind GeMdM' ' '- mitdeMstMprecMLder BeVölWfung durch den FM- ' densvertrag zugewiesenWorden. Um s'o wj chtiger Mid : die Ausführungen eines demsrCimaticmal'ens Organs überden Wert der ,;gesiöherten“ MinöritätSfecbte* Dieses schreibt: - . ■ - / „Jedes Mitglied des Rates des Völkerbundes Kat das . Recht, die Aufmerksamkeit des Raths auf, jede Verletzung.(> oder Gefahr .einer Verletzung, .der Minderheitsschutabestim-.