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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-11-21 · 44 (21.11.1919) · p. Seite 613

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
44 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 613 (sequence 9)
Language
German
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»*•**'. Dt. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT im Judentum., Den Mut dürfe man nicht. sinken lassen. Durch den mehrtausendi übrigen Druck hat das jüdische Volk die Last der Leiden aufrechten Sinnes , getragen, weil es Gott im Herzen und die Tho.ra vor Augen hatte. Die Pflege derselben und die treue Befolgung ihrer Lehre hat allein das jüdische Volk erhalten. Diese Erkenntnis wollen wir pflegen und in diesem Sinne arbeiten. _ _ Sodann erstattete Herr Wolf Pappen heim den Bericht. Er verwies1 auf ungeheures Anwachsen des. Vereinshaushaltes, der ein Kassenrevirement von 461.000 Kronen hat, welcher Betrag sich noch um 55.000 Kronen als1 Auslage für das Beth Hamidrasch, 30.000 Kronen für die Jes!Sod Hathora und da# Budget vieler anderer kleinerer Vereine wesentlich steigert. Der Betrag, der von einzelnen für allgemeine jüdische Zwecke gewidmet Wurde, macht eine noch vielfach größere Summe‘aus. Redner bespricht hierauf die Tätigkeit des Vereines auf dem Gebiete, der Thorafürsorge, er erwähnt die Tätigkeit zur Versorgung der Palästinaflüchtlinge und zu deren Heim-, beförderuhg. Ferner bespricht er die sonstige Teilnahme an den Arbeiten für die soziale Fürsorge, Kinderfürsorge, Kinderausspeisung, Teeklicbeii usw. Die Sammlung für die Pogromopfer ergab erhebliche Summen, die zum Teile erst im laufenden Jahre zur Auszahlung gelangten. Die Versorgung mit koscheren Lebensrnitteln war selbstverständlich völlig unzureichend, trotz der großen Arbeit und Mühe die sie verursachten. Nach* vielmonatlichen Plagen und Mühen gelang es .uns, Pessachmehl im beschränkten Maße für die gesamte Wiener Judenschaft zu beschaffen. Daß dies gelang, verdanken wir .der Liebenswürdigkeit und. Opferwilligkeit unserer Freunde in der Schweizj der Herren Julius Lei in er und Oskar Gruen, denen wir nicht warm genug danken können. Die Haurooh ist stets im Wachsen, so daß außer dem Herrn Rabbiner' Fürst und Rabbinats-Ass. Baumgarien auch Hilfsrabh. F1 ei s chm an n mehr als vollauf beschäftigt ist, da die gesamte orthodoxe Judenschaft Wiens mit ihren rituellen Fragen unsfer Rabbinat in Ansprach nimmt. Die stets an Umfang zunehmenden. Äsenden des Vereines' veranlassen den Vorstand zur Bestellung eines ' sachkundigen und arbeitsfreudigen Sekretärs in der Person des Herrn Dr. J. Po Hak.. Schließlich erwähnt der Berichterstatter der Erwerbung des Hauses Große Schiffgasse 10ä wodurch Platz für die Erbauung eines, der Wiener orthodoxen Judenschaft würdigen Gotteshauses geschaffen wird. Den KasSabericht erstattet Herr Jakob Stern. Derselbe zeigt das namhafte Anwachsen aller Einnahme- und Ausgabeposten, den sachgemäßen Vergleich mit dem Bericht des Vorjahres1. Das Kass°n-- revirement im Jahre 1918 {istK 461.000, gegen K *26.000 im Jahre 1917. Die Mitgliedsbeiträge weisen eine Steigerung um K 3380, Sitzmiete um K 12.591, Spenden um K 29.800 auf. Auf der Ausgabenseite zeigen die Gehälter ein Anwachsen um K 22.000, Jahrzeitenabhaitüngen um K 1165, Subventionen um . K 1920, Verwaltungsspesen um K. 6500 und Ausbesserungen um K 4660. Trotz des günstigen EinnabmestandeS würde der Rechnungsabschluß einen wesentlichen Fehlbetrag ergeben haben,- wenn schon im vorigen Jahre die Gehalte und Remunerationen die Höhe1 erreicht hätten, die sie jetzt haben. Wir müssen mi£ unseren Mitteln haushalten und/uns an die Opferwilligkeit unserer Mitglieder wenden, damit wir in absehbarer Zeit daran denken können, dendringhohen Neubau unseres Bethauses durchzuführen. Herr .Siegmund F i g d o r berichtet namens . dgr Revisoren, daß dieselben eine sorgfältige Prüfung der gesamten Geschäftsführung vorgenommen und alles in vollkommenster Ordnung gefunden hätten. Er be-_ . antragt, den Bericht zu genehmigen, was ohne Debatte’ geschieht. Heber Antrag des Vorstandes wird hierauf der. Mitgliedsbeitrag in der gleichen Höhe wie im porigen Jahre bestimmt und gieiciizeilig das Ersuchen' ge-s, stellt, daß die Mitglieder denselben aus freien Stücken erhöhen mögen. - Bei der vorgenommenen Wahl der Revisoren werden!die alten, nämlich Herr Siegmund F i g d o r, Herr Bernhard Hofbauer und Herr Arthur Sputz wiedergewählt. Zum Punkte „Allfällige Anfragen, uni Anträge*' sprechen die Herren Lederer, Ardei, Lemberge r, Michael Figdor, S. Kolm und Kronfeld,; * die Wünsche betreffs der Beschaffung koscherer Lebensmittel Vorbringen. Herr Leitner beantworte^ diese Fragen eingehend und schildert die Tätigkeit’ - des Vorstandes in allen diesen Dingen. Er bespricht die Schwierigkeiten und teilt mit, daß dis Arbeiten zur Besorgung von Pessachmehl für die Wiener Judenschaft für das nächste Jahr im vollen . Fius&a seien und wir begründete Aussicht haben, amerikanisches Koscherfleisch und -Fett für alle koscheren Haushaltungen in Wien zu erhalten. Herr Hofbau er beantragt eine Resolution, mit welcher der Vorstand aufgefordeft wird, den Eintritt in das Zentralwahlkomitee für die Kultusgemeindewahlen in Erwägung zu ziehen. Er verlangt die entschiedene Bekämpfung der Jüdischnatiqnälen, welche für die Juden eine Gefahr in religiöser, sozialer und. wirtschaftlicher Hinsicht sind. Die Herren vom Zentralwahlkomitee passen ihm in Religiöser Beziehung :- wohl auch nicht, sie sind jedoch auch in diesem Beziehung den lüdischnationalen vorznziehexi. Herr Pappen heim entgegnete, daß beide in religiöser Beziehung gleichmäßig zu bekämpfen erscheinen, und er kann sich nicht entschließen, dem Antrag seinem : alten Freundes zuzustimmen. Die Wahl des kleineren Hebels kann er auch nicht empfehlen, weil es eben ein Hebel ist. An der Debatte 'beteiligen sich Herr Direktor Lexnberger, der für die Aufstellung einer selbständigen Orthodoxenliste ist, Herr Groß, Herr Lederer, der die Wahlenthaltung befürwortet. Herr ' Austerlitz anerkennt den. würdevollen und vornehmen Ton der Debatte, widerspricht Herrn H of - bau er bezüglich der Angriffe auf die Jüdischnationalen. Herr Gustav Pappen heim bespricht in aus?; gezeichneter Weise die ganze Frage und verlangt' -, namens der Jugend, , man möge verwirrende Kompromisse vermeiden. Herr 8. Kohnführt seine’ un- : angenehmen Erfahrungen bei den Jüdiscimationalen aus und unterstützt den Standpunkt Le mb er ge r. Herr Winkler macht Herrn Hof haue r den Vorwurf, bei den allgemeinen Wahlen die Christ- . lichsozialea unterstützt zu haben. Seine heftigen Worte rufen eine große Entrüstung hervor. Herr?// Max Hofbauer,. den Herr Win kl er als Zeugen geführt , hat, bezeichnet die Darstellung des- Herrn ■> Winkler als erfunden. Dr. Reiniger stellt nach’ eingehender . Erörterung der Sachlage namens des Vor- , Standes das Ersuchen, alle Resolutionsan- . träge abzulehnen und dem Vorstande die freie Entscheidung zu überlassen. Schließlich wird. . der Antrag auf Ueber?ang zur Tagesordnung-, .der * dem Vorstände das Vertrauen ausspricht, angenoro^ f ‘

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