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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-11-21 · 44 (21.11.1919) · p. Seite 611

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
44 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 611 (sequence 7)
Language
German
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Seite 707 Dr. BLOCHS WOCHENSCHRIFT. Erkenntnis: unbewußter Chauvinismus ist Dummheit, bewußter Chauvinismus ist ein Verbrechen an der Idee der Menschheit. Durch die beantragte'getrennte Abstimmung ist der ursprüngliche Antrag in zwei selbständige Anträge zerteilt: ' ' ' . Absatz 1 betont die Internationalität der Wissenschaft und ihrer Lehre, Absatz 2 berücksichtigt den Wert des Volkstums und setzt der Internationalität volkliche Schranken. Die Wissenschaft an sich ist international; aber die Art, wie sie betrieben wird, die Gestaltung des Hochschulwesens ist abhängig von der vo Belichten Zugehörigkeit und der hierdurch bedingten kulturellen Eigenart der Universitätsmitglieder. Die Studentenvertretung als Faktor der Gestaltung des Hochschulbetriebes muß daher auch in bezug auf die volklichte Zusammensetzung ein getreues Spiegelbild der Studentenschaft sein. So ist es zum Beispiel nicht angängig, aß sich 50 'deutsche Studenten durch einen Amerikaner oder urch! einen nat ionalistisch ausgerichteten Juden oder durch einen nationalistisch eingestellten Polen vertreten lassen. Andererseits soll aber den nationalen Minderheiten an der Universität Hamburg, das heißt den an der Universität Hamburg in der Minderheit befindlichen Angehörigen eines fremden Volkes, die die studentische Zugehörigkeit zur Universität durch die Immatrikulation erworben, haben, nicht die Möglichkeit genommen werden, ihre studentischen Interessen dadurch zu vertreten, daß sie, entsprechend ihrer Kopfzahl, Vertreter in die 36 köpfige Studentenvertretung wählen. Dem Einwand, daß an ausländischen Universitäten den Deutschen unter Umständen nicht derartig Gerechtigkeit widerfährt, halte ich entgegen, daß man fremder Ungerechtfertigkeit und chauvinistischer Beschränktheit keine eigene entschuldigen darf; zumal die Betonung des Prinzips der Gerechtigkeit zurzeit die einzige Waffe des deutschen Volkes ist.- i Die in Absatz 2 vollzogene Scheidung nach dem Volkstum ermöglicht es, an 'die Lösung des heiß umstrittenen Judenproblems heranzugehen. Es soll klipp und klar ausgesprochen werden, daß jeder Jude) der ein volkliches Zusammenhalten der Juden für erstrebenswert hält, als Angehöriger eines fremden Volkes gilt. „Ein Volk entsteht durch den Willen zum Volk.“ Man kann nicht zwei Völkern angehören. Diesen Juden ist die Möglichkeit gegeben);sich! entsprechend ihrer Kopfzahl vertreten lassen. Ueber die - sich hierbei ergebende Zahl hinaus kommen nur noch solche Juden in die Studentenvertretung, die durch Verneinen der. vom Wahlleiter an sie gerichteten Frage dokumentieren, daß sie ein volkliches Zusammenhalten der Juden verwerfen.“ Gegen, die Ausnahmestellung, in die die jüdischen Studenten hier hineingedrängt werden sollten, hat deshalb auch1 die „Arhei ts'gem'eins’chaft jüdischer Studenten“ folgende Erklärung abgegeben: „Die jüdischen Studenten aller inner jüdischen Parteirichtungen lehnen den Versuch des Studentenausschusses,' die jüdischen Studenten in eine Ausnahmestellung zu drängen, aufs entschiedenste ab. Sie werden daher Absatz 2 des Referendums geschlossen mit „Kein“ beantworten.“ > Die Abstimmung hat leider ergehen, daß die erste Frage, ob Ausländern dieselben Rechte zugestanden werden sollen wie deutschen Studenten, mit nein, die zweite, ob man ihnen eine ihrer Zahl entsprechende Vertretung gewähren Sollte, mit j a beantwortet worden ist. Damit hat sich1 die Majorität auch für den oben erwähnten Eventual zu Satz in der Wahlordnung über die Abgabe des' Ehrenworts entschieden. Prozentnorm! für Juden an der Po&ener Universität. . In Bestätigung der von J. P. Z. gebrachten; Meldung, berichtet der Warschauer Korrespondent des „Nbwy Dziennik“, daß auf Anj-. frage de» Posener Jüdischen Volksratest der UniversitätSsenat erklärt habe, daß auf Grund des Beschlusses des Kommissariates des Obersten* Volksrates vom 5. Mai die UiyversitätSbehorden in diesem' Schuljahre Juden und Deutsche nur in einer Zahl aufnehmen' wollen, die der jüdischen, respektive deutschen Bevölkerung proportioneil entspricht. Bei der jetzt stattgefundenen Konferenz der All- Polen (Nat.-Demokr. Partei) in Warschau wies deren Hauptieader, Abg. Grabski, auf die Ziele dieser Partei hin, wobei natürlich auch! die Jüdenfrage behandelt wurde. Er betonte unter anderem1, daß das Verhältnis zu den Angehörigen ein ganz anderes sein müsse als!zu den Fremden. Der Prozent der Fremden sei in Polen ein allzu großer. Posen könne als Beispiel dienen, wie man den Prozentsatz von 12, ja Sogar 20 Prozent auf 1—V-/2 Prozent herunterbringen könne. DaS fremde Element wird sich umstehen müssen, ob es ihm anderswo nicht besser gehen werde. Die Frage der Sonntagsruhe. Der Vorsitzende der Reichstagskommission für Handel und Gewerbe hat dem A!bg. Dr. Thion, der in dieser Kommission den zurzeit in London weilenden Abg. Farbstein vertritt, mi(geteilt, es bestehe keine Aussicht, daß die Forderungen der jüdischen Abgeordneten betreffend der Sonntagsruhe in vollem Umfange berücksichtigt werden .würden. Eine arabische Demonstration in Damaskus. Am 9. September hat in Damaskus eine große Demonstration der Araber aus der Stadt und Umgegend stattgefunden. Lange Züge, die sich aus allen Gruppen der Bevölkerung zuSamintenSetzten, protestierten gegen die Forderung der französischen Presse nach Durchführung, des Vertrages von 1916. Viele Redner betonten, daß die vorgeSchlagene Trennung Syriens von Palästina die Araber nicht befriedigen könne. Bei der Anwesenheit des’ Emir Faisul in. Damaskus hat der dortige arabische Klub ihn auf die Gefahren aufmerksam1 gemacht, die durch die Bestrebungen der Zionisten den arabischen Beziehungen drohen. . „Pogrom“ M Schutzmarke., Eine antisemitische Firma in Deutschland hat daS Wort „Pogrom“ als Schutzmarke für ein Tier- und PflanzenvertilgungSmittel in Zirkulation gebracht. Auf Antrag des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist vom deutschen Patentamt die Löschung dieses geschmacklosen Warenzeichens (Nr. 225037) bteScMoSsten worden. Gründe des Erkenntnisses: Die Löschung des auS dem Worte „Pogrom“ bestehenden und für Tier- und Pflanzen vertilgungSmittel geschützten Zeichens 225037 ist von dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens' beantragt und der Antrag damit begründet worden, daß das Wort „Pogrom“ ganz allgemein als Bezeichnung für die namentlich in Rußland, Polen und Rumänien vorkonunenden Judenverfolgungen gebraucht werde, so daß es geeignet Sei, in jüdischen Kreisen AergerjniS zu erregen, wenn das Wort im* Verkehr für ein Mittel zur Vertilgung von Ratten verwandt würde und damit eine kränkende Gleichstellung des Vernich-

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