Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 44 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- Seite 607 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 ür, BLOUH'L W;OCHEJNöCHRU*T ZvrLv 7 ÖS schaumig R.. AcKa/s, aus vielen „W.elten“ oder Sternensystemen, wie wir »sagen. Fest steht jedenfalls die Ansicht: Stufenweise entringt sich dem Chaos der physische Kosmos. Zweiter Schöpfungsakt: der Mensch! Aus' dem einen — diesmal dem einen Menschen — wiederum eine Welt: die. Weltgeschichte.. Abermals katastrophale Umwälzungen, abermals eine Auslese.. Es bleibt: die geistige Welt. Dritter Akt: Berufung Abrahams».'„Einer war Abraham.“ Die ganze Thora besaß er bereits, so lehrt die Ueberlieferung., Judentum' war in ihm1, wie das ganze Weltall im Urkejm, dem J’ssod klaii Gabirols. Wie die ganze Menschheit geistig in Adam1. Auch hier eine Anslese. Jakobs von Esau, Israels aus den "Völkern, die, nach dem Midrasch, das» Joch des Gesetzes ablehnen. Das» Ergebnis: das Volk Gottes». Diese Auslese bedingt keinerlei Ausschließung. Sie ist weder physisch; noch geistig, sie ist religiös-sittlich. Daher als Schlußakt des großen Weltdramas1: die zum Ideal des Judentums, zur Thora, zum Gott der Gerechtigkeit bekehrte, friedlich geeinte -JJdonschheit. Unsere Propheten ziehen die letzte Konsequenz: Friede auf Erden 1 Alle Kreatur geeint in einem Bunde, im Reiche Gottes! Ein ähnlicher Gedankengang scheint einem Ausspruch zugrunde zu hegen, der sich in unseren Gebetbüchern gegen Schluß des Zusatzkapitels zu den „Sprüchen der Väter“ findet. Dort werden auf Grund von Bibelversen fünf „Kinjanim“, d, h. Schöpfungen, aufgezählt, und zwar: .die Thora, Himmel und Erde, Abraham, Israel, das Heiligtum in -Jerusalem. Daß die Thora an erster Stelle genannt wird, entspricht der agadistischen Vorstellung, daß sie als ^Unorm“, mit den-Heuplatomtan zu tecLen, oder als!,Modell, nach dem Gott die Welt geschaffen“^ wie der Midrasch es ansdrückt, vor .der Welt vorhanden war. Daß sich ,mit der Idee eines verweltlichen Gottes’ auch ernste Naturforscher befreunden können, beweist Lichtenberg mit der. schönen Wiedergabe seiner Stimmung in der Westmmsterabtei, diesem Wahr- ’ Zeichen der Nichtigkeit irdischer Größe. Er gedenkt dorther Psalmworte: „Ehe denn die Berge Wurden! Md die Erde und die Welt geschaffen worden, hist Do Gott von Ewigkeit zu Emsigkeit!“ „Ich fühlte“, fährt er fort, ' . i.; i r i t „die Gegenwart des Richters, dem ich auf den Mügeln der Morgenröte selbst nicht zu entrinnen vermöchte, mit Tränen, weder der Freude, noch des Schmerzes, sondern mit Tränen des unbeschreiblichen Vertrauens auf ihn." Daß so streng logische Köpfe, wie Lichtenberg, echte Begeisterung für unsere Bibel empfinden, dazu trägt sicherlich der Einklang bei, in dem sie mit. den Grundzügen naturwissenschaftlichen Den ko ns steht. Du suchst vergeblich ein zweites Buch jener Vorzeit, in dem das Prinzip der Entwicklung so restlos durchgriffe, wie in unserer ältesten Urkunde. Das höchste Ziel ist hier das Endglied .einer Kette, die mit dem' erstem Schöpfungsakt. 'anhebt. Allenthalben findest Du in unseren Bibelkommentaren das Urlicht gedeutet als „das Licht, das, nach dem Psahnisten, gesät (!) ist für den Gerechten“, eine Saat, die voll erst einst in einer Welt. auf religiös-sittlicher Basis aufgehen soll. Die! Scheidung. (Habhdalahl) zwischen „Licht und! Dunkel“, diese Urtat. des Gei s te $ . (vergl.. Bera-I fchot 33 a), wird, so im Gebet am Sabbatausgang (Habhdalahl), auf den Unterschied zwischen Heilig und Profan, Israel und den Völkern,, den Manschen, für und denen wider Gott bezogen- Von Troeis-Lund besitzen wir ein geistvolles Buch, in dem er die beiden Gedanken durchführt: „Die fortschreitende Auffassung des Unterschiedes von Tag und Nacht, Licht und Dunkel, ist der innerste Nerv der menschlichen Kulturentwicklung..Und; „jeder bedeutenden Aenderung der moralischen und religiösen Lebensanschauung liegt mehr- oder minder bewußt eine Aenderung in der Bestimmung des Abstandes zwischen Himmel und Erde zugrunde." ln diesem Zusammenhänge ermessen wir $r&t gebührend die Kulturtat des Judentums, indem es jn, der Genesis Licht und Dunkel, Tag und Nacht als Gegensätze voneinander klar und scharf „geschieden“; indem es ferner diesen Gegensatz, an den sich der zwischen gut und böse anschließt, auf ein gemeinsames Prinzip, den gerechten Gott, zurückführt (Jesaja 45, 7) und hiermit den religiösen Dualismus durch einen Monismus ersetzt; -indem es endlich den Moni s mu s zum Monotheismus erhöht, d. »h!., {den Begriff der Gottheit von dem Abstand zwischen Himmel und Erde ganz loslöst und einen Gott statuiert, der wohl in seinen Geschöpfen immanent, seinem Wesen .nach aber transzendent ist- „Siehe,“' so betet Salomo (1. Könige 8, 27), „die Himmel und der Himmel Himmel können Dich nicht fassen»“ Auch diese kosmische Vorstellung weckt sofort das ethische Echo, die Idey von dem Richter, der, wie Koheletb 5, 9 mahnt,. „Doch über den. Höchsten wacht". i » Diese innige, unlösbare gegenseitige Durchdringung des kosmischen und des ethischen Elementes tritt in jeder Lehensäußerung -des Judentums zutage. Alles Leben entwickelt sich in Gegensätzen. Das Licht macht sich geltend auf dunklem» Hintergründe* Das' Denken rankt sich an der Analyse aufwärts. Das Gute ringt sich durch im Streit mit dem Bösen. Der ethische Wille in uns bekämpft unsere Naturgebundenheit, den physischen Trieb, und wird zur sittlichen Tat, indem er ihn sich dienstbar macht. Der Sabbat, die Feste, sie alle zeigen diesen Doppelcharakter. Sie knüpfen an die Schöpfung des Kosmos oder — als Erntefeste — an kosmische Vorgänge an, zugleich aber auch an, dje Schöpfung der ethischen Welt, an die Volksgründung Israels und die Offenbarung am Sinai. Deutlich klingt der naturalistische Unterton durch im Koheletb. Eine Goethe’sehe Resignation hegt über dem Buche. Ein ehern Gesetz beherrscht Natur wie Menschenschicksal. Ihm sich einordnen, ist höchste Weisheit. Ein Glück nur gibt es: „Edel sei der Mensch!“ oder, wie es Koheletb formt: „Es freue sich der Mensch seiner Taten!“ Ein Wort, das seine rechte Beleuchtung erhält, wenn man es mit dem Ausspruch des Psahnisten zusammenstellt: „Es freue sich der Herr seiner Taten!“ (104, 31). Ein unzweideutiger Titel unserer Gottesebehbiidlichkeit. Trotz seines Determinismus brauchte Koheletb durchaus nicht in Konflikt mit dem Gottesglauben zu geraten. Kein noch so tiefer Einblick in das Räderwerk des Naturgeschehens hindert mich an der Ueberzeugung, daß mein Geschick auf Schritt und Tritt jgtvon Gott, als dem frei waltenden, regulierenden Prin- Hjzip in allem Werden, geleitet wird. „Wir dürfen Hnicht“, sagt Job. Jeremias,. ,.r> . .