Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 44 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- Seite 606 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Jeremiah 1× ep/1005299
- Job 1× ep/1005326
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Säte 702 Dr. BLQGHS WOCHENSCHRIFT. Nr. 44 , Reaktionäre Ungarns, die davon träumen, im demokrafj tischen Ungarn, umgeben von neuen demokratischen Staaten, Ungarn. ln einen Musterstaat der Reaktion umzuformen. Br gibt unumwunden zu, daß ein Teil der Intellektuellen, der jüdischen Rasse in der Vorbereitung der Revolution und .in der Sowjetregierung eine leitende Rolle gespielt hat und'daß ein Teil der Literaten jüdischer Abstammung sich' durch die Verbreitung des Zynismus, der Destruktion und der Verhöhnung der nationalen Ideen viM zu Schulden kommen . ließ. „Haben aber in Wirklichkeit diese Juden allein die Revolution gemacht?“, fragt Väzsonyi. „Nein. Sie haben sich nur in ekelhaftem Heißhunger in den Vordergrund gedrängt. Nie wäre es ihnen allein gelungen, das altöhrwürdige Stefansreich zu zertrümmern, wenn die Würden- . träger, die führende Mittelklasse, die Beamten und Offiziere ihren Eid nicht gebrochen, an der Zertrümmerung nicht ' mitgeholfen und in hysterischer. Furcht sich nicht vor den Oötzen der Revolution in den Staub geworfen hätten... ’ .Und wo war die Widerstandskraft der ungarischen Gesellschaft beim Ausbruch der Sowjetregierung? Durch den Verrat eines aristokratischen Hazardspiclers wurde unser Vaterland der Proletarierdiktatur ausgeliefert und wieder sehen wir das Schauspiel, daß sich mit wenigen Ausnahmen der gesamte Beamten- und Offiziersstand vor dem Terror beugt und dem Sowjet dient, bis uns nicht fremde Hilfe von der Willkürherrschaft befreit.“ Wilhelm Väzsonyi setzt hierauf auseinander, daß die " sogenannte Intelligenz des Landes ohne ' Unterschied der Konfession schwach, utilitarisch und wetterwendisch war und daß die einzige, gesunde Schichte des Landes im Bau-, j.' ern bestand, der heute kühl bis ans Herz hinan den kon-. .... fessionellen Hetzen gegenübersteht, daß die Scharung des Hasses einzig und allein von einem Teile der sogenannten führenden Klassenbetrieben wird, die sich einfach die -Konkurrenz der Juden vom Halse schaffen wollen.“ Im . großen und ganzen waren die Juden patriotische Mitarbeiter im Aufbau des modernen Ungarns und es wurde ihnen sogar . von ihren ausländischen Glaubendgenossen zum Vorwurfe gemacht, daß sie sich nur als Ungarn fühlen. Es ist daher , " ungerecht, vom nationalen Standpunkt aus auch lächerlich und verräterisch, wenn jetzt die Reaktion aus den Juden eine Nationalität machen will, um so die Zahl der Ungarn, natürlich' im ungarischen Interesse, zu verhindern . . . Wenn heute auch Staatsmänner von liberaler Vergangenheit von. einer Judenfrage sprechen, so müssen wir ihnen an den "Leib rücken: wie denken sich das die Herren?- . Stehen sie auf der Basis der Gleichberechtigung der Juden,- ja oder nein? Sobald wir die Gleichberechtigung anei>, kennen — denn nur ein Tollhäusler kann es glauben, daß es heute in Europa möglich wäre, diesen Grundpfeiler der modernen Staaten isoliert in Ungarn umzustoßen — so .ergibt sich die Konsequenz, daß besondere jüdische Maßregeln zur Lösung dieser sogenannten Frage nicht angewendet werden können. Man spricht von Wucher und , , Ausbeutung. Ich bitte, erbringen Sie eherne Gesetze dagegen, die Juden und Christen gleich verhindern, diese Sünden zu begehen. Man spricht von unliebsamen und ge- " fährliehen Elementen. Ich bitte, erbringen Sie ein strenges Niederlassungsgesetz gegen Leute dieser Sorte, und ob Jude oder Christ, sie werden gleich hinweggefegt. Man spricht von Destruktion. Ich bitte, verfahren Sie unerbittlich gegen diese Richtung und ob Jude öder Christ, die Sünder werden dadurch gleich getroffen werden. Das. jLsfc der Weg der Gerechtigkeit. Die sogenannte Judenfräge kann nur derart gelöst werden.“ y . ».! . j. 4 (J. C. aus Ungajrh^ Monistische Märchen. Aus einem Briefwechsel. Von Dr. Kax Grunirald. (Fortsetzung.) Die „neue Sittenlehre“. Frühzeitig begann man den biblischen ßchöpfungsbericht allegorisch zu deuten,. Unsere Religion»- " Philosophen sprechen gelegentlich: von solchen Auslegungen in politisch ein Sinne. Jeremia 4, 23 ff., bietet dazu das1 Pendant, indem ex das politische „Tohuwabohu“ seiner Umgebung als getreues Negativ der Schöpfung mit denselben Farben malt. Die Vorstellung einer Gesells'chäftspyramide, des nationalen Klassen- und Kastenstaates, mit .dem König von Gottes Gnaden auf der Spitze, wie leicht ließe sie sich in den .Worten der Genesis .wiederfinden! Die Scheidung von hell und dunkel, Licht und Schatten,; in Hoch und Nieder; in Stabiles, Konservatives; Autochthones, Bodenständiges’ und auf der anderen Seite Fluktuierendes; Internationales, Zersetzendes, Unbeständiges^ „die große Kloake“: die drei ersten Schöpfungstage. Wobei als Ingrediens des dritten — der Pf tanzen Schöpfung — die agrarische Herrenmoral sich organisch einfügt. Dann „die großen Lichter“ — ach; wenn sie's gewesen Wären! —, die „Paladine“, die fackeltanzenden, händküslsenden Wadenstrümpfier in Lakaienfireß und Mini sterdreispitz. Ueber ihnen die roten, schwarzen und sonstigen Piepmätzchen, das ganze ordenssüchtig erschaute Federvieh. Hierauf die Marijue. Die „Hechte im Karpfenteich“, in ihrem Dienst die moderne Seeschlange: das1 Kabel! „Gelogen wie telegraphiert!“ Rings um sie und die anderen „Stützen des Thrones“ die misera plebs des Stimm' viehs. Hoch über allem in strahlender Glorie die Majestät des1 „Herrn der Erde“! „Le Roi. Soleill“ Der-regiert nach seinem und zu seinem’ „Plaisir“,; wie etwa der Gott des Heraklit, der mit der Welt sein Spiel treibt,. (Eine Vorstellung, die vielleicht in dem Spiel des Schöpfers mit dem Liwjathan, (Ijob 40, 29, vermutlich auch’ Psalm 104, 26) durchschimmert,) So schnurrig malte sich xnutatis mutandis1 die .Welt' sOhon in Köpfen zu Saad j as Zeit! Und ganz konsequent kämpfen Bibelgegner und Antimonarchistea Schulter an Schulter,. „Wie die, Monarchie im Menschenleben, Veraltet hsjfc und die Republik zu erstreben, so ist auch die Monarchie des Up. i v e r s u m s durch die Republik des Universums zu ersetzen“ (Wießner). Also nicht mehr das monarchistische „Hes koiranos esto“ Homers'! Nicht mehr Kant s1 Axiom, daß ein Wesjen, das zugleich Oberhaupt in der morali schen Welt und Schöpfer der Natur ist, eine notwendige Annahme für unsere Vernunft seil Ernster zu nehmen ist eine andere Auffassung der Bibelworte vom ersten Werden der Dinge. Das* ist die Entwicklung ans ethischer Tendenz. Sie vertreten Schon unsere alten Schrifterklärer. Während das Neue Testament mit einer'genea- 1 ogischen Konstruktion beginnt, haut sich das’ Alte äuf dem realen Grund der G e oIogie, ja noch weiter der Ko Smölogie auf. Der Eine schafft nach einem Willen das Eine, das Universum, JEt Schafft es, nach' R. Abbahu (3. Jahrhundert), nicht auf einmal. Eine Auslese findet statt! Welten entstehen und vergehen — die Katastrophentheorie Cuviers! „The fittest“, die eine allein, von der „Gott Sah', 'daß sie gut sei“, sie geht als Sieger hervor. Auch Sie besteht, nach der Äh-